"Wird gern kleingeredet" Armutsbericht: Bayern so arm wie nie!

Der Wirtschaft fährt seit Jahren gute Gewinne ein. Alleinerziehende, Arbeitslose und Rentner haben davon wenig. Entgegen dem Bundestrend ist die Armut in Bayern sogar gestiegen!

 

München/Straubing - Betroffen sind laut dem gestern präsentierten Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands 12,5 Millionen Menschen. In Bayern ist die Armut entgegen dem bundesdeutschen Trend sogar gestiegen.

Die Ergebnisse des Reports im Überblick: Die Zahlen für Deutschland: Nach der jüngsten Statistik sank der Anteil der Armen um 0,1 Prozentpunkte auf 15,4 Prozent im Jahr 2014. Damit sei der bundesweite Aufwärtstrend seit 2006 zunächst gestoppt, sagt der Geschäftsführer des Verbands, Ulrich Schneider. Erst zeigen müsse sich aber, „ob er tatsächlich beendet ist“. Die Armutsgefährdungsquote gibt an, wer in Haushalten mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens lebt. Bei Singles liegt die Schwelle etwa bei 917 Euro, bei Paaren mit zwei Kindern bei 1926. Die Ergebnisse für Bayern: Im Freistaat stieg die Armutsgefährdungsquote dagegen leicht auf 14,6 Prozent.

Wirtschaftswachstum in Bayern - nicht alle profitieren

Das sind 1,7 Millionen Menschen. „Diese Zahl zeigt, dass in Bayern viele Menschen nicht vom Wirtschaftswachstum und den neu entstandenen Arbeitsplätzen profitiert haben“, kritisiert Margit Berndl, Vorstand für Verbands- und Sozialpolitik des Paritätischen in Bayern. Im Freistaat liegt die Armutsschwelle für Singles bei 973 Euro pro Monat. Eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren muss mit weniger als 2043 Euro auskommen.

„Nur weil die Situation woanders schlechter ist, heißt das nicht, dass in Bayern die Welt für alle in Ordnung ist. In Bayern wird Armut gern kleingeredet“, klagt Berndl. Sie kritisiert, dass die CSU-Staatsregierung beim sozialen Wohnungsbau „schlicht versagt hat“ – schon vor der Flüchtlingskrise.

Altersarmut seit 2005 zehn Mal so stark

Die Betroffenen: Laut Bericht ist die Armut bei den Rentner seit 2005 zehn Mal so stark angewachsen wie beim Rest der Bevölkerung. Laut Deutschem Kinderhilfswerk sind zudem sogar 19 Prozent der Kinder arm. Besonders gefährdet seien auch Arbeitslose, Alleinerziehende und Ausländer.

 

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