Wirbel um seinen Twitter-Account Otto Seidl: Nacktfoto-Eklat um CSU-Stadtrat

Der frisch gekürte Wiesn-Stadtrat und das Skandal-Foto. Foto: dp/az

Den frisch gekürten Wiesn-Stadtrat holt eine Dummheit aus alten Tagen ein. Der bestreitet, das fragwürdige Bild gepostet zu haben.

 

München - Ein besonders reger Nutzer des Kurznachrichtendiensts Twitter war Otto Seidl (CSU) bisher nicht. Gerade mal vier Beiträge hat der frisch gekürte Wiesn-Stadtrat in den vergangenen beiden Jahren gepostet. Darunter ein Foto von der Bürgermeister-Fete von Josef Schmid, ein Tipp für die Fußballweltmeisteschaft 2014 – und dann noch dieses Bild, das nun für mächtig Wirbel sorgt.

Ziemlich genau vor einem Jahr, am 12. Juni 2015, lud Seidl folgendes Bild hoch: Ein nacktes Pärchen beim Strandspaziergang, daneben ein gut bestückter dunkelhäutiger Mann. Dazu der Text: „Läufst Du gemütlich mit Deiner Frau am Strand, gibt’s immer einen, der die Stimmung versaut ...“

Ist das vertretbar für einen, der die Stadt repräsentiert?

Nun könnte man die Sache schlicht als unlustigen Altherrenwitz abtun, aber abgesetzt von einem, der die Stadt nun als Wiesn-Stadtrat repräsentiert? Auch im Rathaus findet man: Das geht nicht. Für jemanden mit öffentlicher Verantwortung sei ein solcher Post „einfach nur dumm“, sagt FDP-Stadtrat Michael Mattar.

„Ekelhaft und rassistisch“ sei das Ganze, heißt es selbst aus CSU-Kreisen. Und auch in der Opposition ist man schockiert: „Nur noch widerlich“, sagt Stadträtin Lydia Dietrich (Grüne). Und ihr Fraktionskollege Dominik Krause setzt hinterher: „Wenn er das tatsächlich gepostet hat, sollte die CSU noch einmal überlegen, ob sie sich für dieses Amt den richtigen ausgesucht hat.“

Seidl bestreitet, das fragwürdige Nackfoto veröffentlicht zu haben. Bis vor einem halben Jahr sei er noch nicht einmal bei Facebook angemeldet gewesen. Und auch, wenn er Computerfachmann sei: Twitter habe er noch nie genutzt. Zudem habe er vor einem Jahr gerade seine sterbenskranke Frau gepflegt. „Da würde ich doch niemals so einen Quatsch posten, ja bin ich denn narrisch?!“

Der demnächst 71-Jährige glaubt stattdessen, dass ihm da jemand mit einem Fake-Account schaden möchte. Das Foto von der Josef-Schmid-Fete habe er auf seiner Webseite veröffentlicht, das habe man dort ohne Probleme klauen können. Der Fußball-Post sei abwegig, er habe mit Fußball nichts am Hut. „Da schaue ich lieber den Schuhplattlern beim Tanzen zu.“ Und das rassistische Nackedei-Bild: Das sei nun wirklich nicht sein Humor. Er werde deshalb Strafanzeige stellen, wegen Rufschädigung und Identititätsdiebstahl.

Für Seidls Version spricht, dass über den fraglichen Twitter-Account auch ein schwulenfreundlicher Beitrag vom Chef der Grünen im hessischen Landtag geteilt wurde. Der stramm konservative Seidl würde solche Positionen freilich nicht unterstützen. Merkwürdig ist allerdings, mit welchen anderen Nutzern der vermeintliche Seidl-Account verbunden ist.

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Unter den Seiten, denen Seidl folgt, befindet sich die von seinem Sohn Christian, ein Tagungshotel, in dem die Rathaus-CSU schon mal abgestiegen ist, ein Kumpel aus dem Niederbayern-Verein, in dem Seidl aktiv ist, und eine IT-Agentur, mit der er schon einmal zusammengearbeitet hat. Sollte sich Seidl also tatsächlich nicht selbst bei Twitter registriert haben, dann muss es jemand gewesen sein, der ihn sehr gut kennt.

Als das Nacktfoto gestern zu kursieren begann, zog sich die CSU zu einer Krisensitzung zurück. Nach dem Schlagbauer-Skandal und dem Eklat bei der Wahl des Wiesn-Stadtrats kommt die Geschichte für Bürgermeister Josef Schmid natürlich zur Unzeit auf. Sollte sich jedoch herausstellen, dass sich Seidl nun in Lügen flüchtet, um seinen gerade frisch errungenen Ruhm als Wiesn-Stadtrat zu schützen, dann hätte die Rathaus-CSU ein neuerliches Problem.

 

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