Wintersport München 2018: Garmischer Gegenwind

Während sich Maria Riesch und Kathrin Hölzl beim Weltcup-Finale feiern lassen, formiert sich in Garmisch immer mehr Widerstand gegen Olympia 2018. Bürgerbegehren bringt Gefahr für die Bewerbung.

 

GARMISCH-PARTENKIRCHEN Es hätten ganz schöne Tage werden können, an Partnach und Loisach. Für Fans des Wintersports und des Volkstümlichen. Alles schien bereitet für ein großes Fest, beim alpinen Weltcup-Finale, der Generalprobe für die WM im nächsten Februar. Der Sieg von Maria Riesch am Mittwoch in der Abfahrt, dann der Erfolg von Kathrin Hölzl, die am Donnerstag die kleine Kugel für den Riesenslalom gewann, dann die Hoffnung auf Samstag, wo sich Maria Riesch dann auch die Slalom-Wertung sichern möchte.

Und dann als Zugabe am Samstagabend auch noch der Musikantenstadl in der Olympia-Eishalle mit Andy Borg, Roger Whittaker und Stefan Mross. Dass da falsche Töne gespielt werden, könnte sein. Sicher ist, dass es woanders in der Marktgemeinde derzeit Misstöne gibt: Bei der Olympia-Bewerbung für 2018. Und das trübt die Stimmung am Fuße der Zugspitze.

Denn das Ansinnen, in acht Jahren gemeinsame Winterspiele in München, Garmisch-Partenkirchen und am Königssee auszurichten, stößt auf immer heftigeren Widerstand. Die Bewegung „NOlympia 2018“ formiert sich immer mehr und plant nun sogar ein Bürgerbegehren gegen die Bewerbung.

18 Gründe führen die Olympia-Gegner auf, warum Winterspiele in Oberbayern keinen Sinn machen. Von ökologischen Folgen durch Naturrodung für die Wettkampfstätten und Straßenbau, über Knebelverträge durch das IOC für den Ausrichter bis hin zu einem befürchteten Finanzdesaster.

200 Olympia-Gegner kamen nun zu einer Protestveranstaltung in Garmisch, die Mehrheit sprach sich klar für ein Begehren gegen die Spiele aus. „Wir wollen eine kritische Öffentlichkeit schaffen“, sagte Dieter Janecek, der bayerische Grünen-Landeschef. Initiiert werden müsste das Begehren nach seinen Worten von Axel Doering, dem Garmischer Kreisvorsitzenden des Bundes Naturschutz, dem Kopf und Gründer der NOlympier.

Mit dabei bei der Veranstaltung war auch Willi Rehberg, und das dürfte ein schlechtes Omen für Münchens Olympia-Vision sein. Rehberg war bereits in seiner Heimatstadt Salzburg zum Schreckgespenst geworden, auch dort machte er per Bürgerbegehren gegen die Olympia-Bewerbung 2010 mobil. Damals stimmten mehr als 60 Prozent der Salzburger dagegen. Das störte das NOK Österreichs nicht, man bewarb sich trotzdem, Volkes Stimmung vernahm das IOC aber sehr wohl.

Letztendlich fiel Salzburg 2010 kolossal durch, für die Spiele 2014 gab es im zweiten Anlauf ein ähnliches Fiasko. Genau das will München verhindern, genau darum sprach 2018-Chef Willy Bogner und sein Bewerbungs-Team immer wieder davon, dass sie den Rückhalt aus der Bevölkerung brauchen. Auf so eine breite Opposition könnten sie gut verzichten.

Am Samstag im Musikantenstadl tritt übrigens auch Mireille Mathieu auf. Die hatte ihren ersten großen Erfolg 1966 mit der Platte „En Direct de L'Olympia“. Auf direktem Weg scheint in München und Garmisch nichts zu den Winterspielen zu führen. Der Weg wird eher holprig und beschwerlich. Florian Kinast

 

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