Windparks Stromkosten: Weitere Belastungen für Kunden

Die Industrie versagt beim Anschluss der Windparks. Deswegen müssen Kunden zahlen.

 

Berlin - Fürchterlich kompliziert, teuer, aufwendig: Eine Stromleitung vom Festland zu einem Windpark auf dem Meer zu legen, ist eine Herausforderung an die Ingenieurskunst und die Banken der beteiligten Firmen.

Netzbetreiber Tennet musste sich schon mehrmals vorwerfen lassen, zu schlampen und zu trödeln – seit gestern geht der Schlendrian offiziell auch auf Kosten der Verbraucher. Netzbetreiber müssen künftig haften, wenn Windanlagen auf hoher See nicht rechtzeitig an das Stromnetz angeschlossen werden können. Das beschloss gestern der Bundestag. Auf den ersten Blick sieht das so aus, als würde Tennet in die Pflicht genommen.

Doch die Entschädigungspflicht ist begrenzt, auf jeweils 17,5 Millionen Euro je „Schadenereignis“. Kommen die Pannen noch teurer oder ist der Netzbetreiber nicht schuld, sollen die Kosten über eine „Entschädigungsumlage“ auf die Stromverbraucher abgewälzt werden.

Das bedeutet: Die Stromkunden kommen mit maximal 0,25 Cent pro Kilowattstunde für die Versäumnisse der Energie-Industrie auf. Damit nicht genug. Auch das gestern beschlossene Abschaltverbot kann ins Geld gehen. Die Übertragungsnetzbetreiber sollen zusammen mit der Bundesnetzagentur bis März 2013 eine Liste „systemrelevanter“ Kraftwerke erstellen. Stehen diese wegen geringer Betriebsstunden vor der Abschaltung, kann von Amts wegen verfügt werden, dass sie weiterlaufen. Die Betreiber bekommen dann aber eine Prämie. Und auch die soll der Verbraucher zahlen. Die Neuregelungen seien wichtig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sagte Wirtschaftsminister Philip Rösler. Die Opposition kritisierte, die Stromverbraucher müssten ausbaden, dass die Bundesregierung die Herausforderungen von Windparks unterschätzt habe.

Der Grünen-Energiepolitiker Oliver Krischer sprach von einer „Bankrotterklärung“. „Das ist Schilda live. Da werden Windparks gebaut, ohne dass Netze da sind.“ Von einer fairen Lastenverteilung könne keine Rede sein.

 

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