Wimbledon Nadal-Aus: "Das war ein Schock!"

 Zwei Jahre nach seinem historischen Triumph in Paris scheitert Nadal erstmals in der 1. Runde eines Grand-Slam-Turniers. Sorge um sein Knie.

 

London - Rafael Nadal blickte verzweifelt in seine Box, doch auch Onkel Toni konnte nicht mehr helfen. Nur zwei Wochen nach seinem historischen achten Titel bei den French Open in Paris scheiterte Nadal sensationell in Runde eins von Wimbledon. 6:7 (4:7), 6:7 (8:10), 4:6 unterlag der Spanier gegen Steve Darcis, einem Belgier jenseits der Top 100.

Es war seine erste Niederlage in Runde eins eines Grand-Slam-Turniers. Während Nadal tief bedrückt auf dem Podium versuchte, seine Pleite zu erklären, feierte Andrea Petkovic ihre endgültige Rückkehr auf die Tour. Gegen die Französin Pauline Parmentier gewann sie mit 6:3, 6:2 ihr erstes Grand-Slam-Match seit den US Open 2011 und setzte damit ihren Aufwärtstrend fort. Bei den French Open hatte Petkovic noch in der Qualifikation verloren und drohte aus Frust mit ihrem Karriereende. In Runde zwei trifft sie nun auf Sloane Stephens (USA/Nr. 17). „Ich freue mich wie ein kleines Kind über diesen Sieg“, sagte Petkovic die das Strahlen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekam: „Ich sehe das gerade wirklich als meine zweite Karriere an und die Chance will ich nutzen. Rasen wird zwar nie mein Lieblingsbelag, aber ich beginne gerade eine Romanze mit Wimbledon.“

"Alles was ich sagen könnte, klänge wie eine Entschuldigung"

Auch zwei deutsche Qualifikanten überzeugten: Julian Reister (Hamburg) und Dustin Brown (Winsen/Aller) stehen beim wichtigsten Tennisturnier der Saison in Runde zwei. Ausgeschieden sind dagegen Tobias Kamke (Lübeck), Benjamin Becker (Orscholz), Bastian Knittel (Bad Cannstatt) und Tatjana Maria (Bad Saulgau). Am Dienstag starten zwölf weitere deutsche Tennisprofis, unter ihnen auch Tommy Haas und Angelique Kerber. Brown gewann gegen den Spanier Guillermo Garcia Lopez 6:3, 6:3, 6:3. Reister kämpfte den Tschechen Lukas Rosol 6:3, 4:6, 7:6 (7:5), 6:7 (4:7), 6:4 nieder. Noch im vergangenen Jahr hatte sich Rosol kurzfristig einen Namen gemacht, als er Nadal in Wimbledon in Runde zwei aus dem Turnier warf. Diese Rolle fiel nun Steve Darcis zu. „Ich sehe da keinen Vergleich“, sagte Nadal sichtlich niedergeschlagen, die Kappe tief ins Gesicht gezogen. Nach der Pleite 2012 hatte er sieben Monate Pause eingelegt, das Knie schmerzte bei jedem Schritt und Nadal musste auf die Olympischen Spiele, die US Open und Australian Open verzichten

. „Heute will ich nicht über mein Knie sprechen. Alles, was ich sage, wäre eine Entschuldigung“, sagte Nadal: „Ich bin zuversichtlich, für die nächsten Aufgaben bereit zu sein.“ Schon in Paris hatte er jedoch zugegeben, noch immer an den Schmerzen, die das entzündete Fettgewebe unter der Kniescheibe verursacht, zu leiden. Niemand machte sich allerdings ernsthaft Sorgen, als Nadal auf das Vorbereitungsturnier in Halle/Westfalen verzichtete. „Nach meiner langen Knieverletzung im vergangenen Jahr haben mir meine Ärzte von einem Start abgeraten. Daher muss ich meine Turnierplanung umstellen“, hatte Nadal ierklärt. Erholen wollte er sich, Kraft tanken im Kreise seiner Familie. Die Spielpraxis scheint ihm in dieser Zeit abhanden gekommen zu sein. Nadal unterliefen ungewöhnlich viele Fehler, auf der anderen Seite spielte sich Darcis auch in einen Rausch. Erst einmal in seiner Karriere (2009) hatte der 29-Jährige die zweite Runde in Wimbledon erreicht und je näher der größte Sieg in seiner Laufbahn rückte, desto abgeklärter wurde er

. „Das hat niemand erwartet. Auch für mich ist es wie ein Schock“, sagte Darcis: „Rafa hat nicht sein bestes Tennis gespielt. Ich habe versucht, so schnell wie möglich ans Netz zu kommen, und mich nicht auf Grundlinieduelle einzulassen. Das hat richtig gut geklappt.“ Im Vorfeld von Wimbledon hatte die ganze Tenniswelt nur vom möglichen Viertelfinalduell zwischen Rekord-Champion Roger Federer und Nadal gesprochen. Der Schweizer marschierte im Eiltempo durch sein Auftaktspiel und bezwang Victor Hanescu (Rumänien) in nur 69 Minuten 6:3, 6:2, 6:0. Nadal ist dagegen bereits auf dem Weg nach Hause.

 

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