Wiedereröffnung Deutsches Theater Auf den Straßen der Stadt singt die Liebe

„Get cool, boy!“ ... doch es dauert nicht lange, bis die Jets und die Sharks handfest aneinander geraten. Foto: Nilz Böhme

Mit der "West Side Story" hat das Deutsche Theater im März seine erste Premiere – der Regisseur steht schon in den Startlöchern

 

I feel pretty, o so pretty!" – das singt eine Handvoll aufgekratzter Puertoricanerinnen in der "West Side Story". Die Mädels bringen ihre Freundin Maria in Stimmung, die sich für einen schönen Abend aufbrezelt. Und das passt natürlich auch zum frisch renovierten Deutschen Theater, das mit dem Bernstein-Klassiker im März 2014 seine erste Premiere feiert. Eröffnet wird das Traditionshaus schon im Januar mit einem Galakonzert. Und nach der rauschenden Faschingsballsaison legt dann das Theater selbst los.

Joey McKneely steht schon in den Startlöchern. Er bringt die "West Side Story" um das Traumpaar Tony und Maria zwischen zwei rivalisierenden Straßengangs auf die Bühne.

AZ: Mr. McKneely, Bernsteins Musical wurde 1957 uraufgeführt, das ist lange her...
JOEY MCKNEELY: Aber die Geschichte ist zeitlos, Shakespeares "Romeo und Julia" sind im 20. Jahrhundert gelandet. In dieser modernen Version haben wir es mit Rassismus und Emigration zu tun, das kann ein heutiges Publikum sehr gut nachvollziehen. Diese Konflikte finden Sie doch in jedem Land, ob es nun um die Hautfarbe, Religion, was auch immer geht. Und dann ist da Bernsteins sensationelle Musik!

Ein Hit nach dem anderen.
Da geht alles locker-lässig ins Ohr – und bleibt im Gedächtnis haften. Die "West Side Story" ist die absolute Ikone des Musicals und damit das ideale Stück für die Wiedereröffnung dieses Theaters.

Als Tänzer dürfte Ihnen vor allem die Choreografie wichtig sein. Schon das Original-Plakat zeigt ein tanzendes Paar – Tony und Maria. Das sieht fast aus, als würde man ein Ballett ankündigen.
In Deutschland wird die Choreografie bei der "West Side Story" allerdings gerne vernachlässigt. Aber der Tanz, die Bewegung, das erzählt ja genauso einen elementaren Teil der Geschichte. Ich habe das Stück über den Tanz kennen und verstehen gelernt.

Sie waren ganz nah dran, arbeiteten mit Bernsteins Choreografen Jerome Robbins.
Und wir konnten die komplette Story über den Tanz erzählen! Robbins war übrigens die treibende Kraft, die Bernstein überhaupt dazu brachte, diese Geschichte von "Romeo und Julia" anzugehen.

Viele haben die Verfilmung von 1961 mit Nathalie Wood im Kopf. Das dürfte dem Original doch sehr nahe kommen.
Die Choreografie damals musste natürlich filmtauglich werden. Aber der Film mit Wood vermittelt die Geschichte schon ziemlich gut. Von diesem Feeling möchte ich einiges auf die Bühne im Deutschen Theater bringen.

Wie finden Sie eigentlich Ihre Sänger-Schauspieler-Tänzer?
Ganz klassisch: beim Vorsingen. Wir wollten für Tony und Maria auf jeden Fall ausgebildete Opernsänger haben. Das verlangt einfach die Partitur, da sind ganz schöne Höhen gefragt.

Die hatte Startenor José Carreras ja gut drauf, aber ansonsten war er als Tony doch sehr steif, das wollte alles nicht so recht passen.
Genau da liegt das Problem. Die Stimme ist das Eine, auf der anderen Seite gehört einfach Swing dazu, dieses Gefühl für jazzige Rhythmen. Es ist ziemlich schwer, gerade für Tony und Maria Sänger zu finden, die dann auch noch in den Rollen überzeugen.

Und möglichst jung sind?
Man verliert mit dem Älter einfach diese Arglosigkeit. Oder nennen Sie's Unschuld. Ich möchte die West Side Story einer neuen Generation vermitteln, es geht schließlich um Jugend und Energie. Wenn ich das glaubhaft rüberbringen will, brauche ich wirklich ganz junge Leute.

Deutsches Theater, Schwanthalerstr. 13, "West Side Story" ab 19. März 2014, "Grease" ab 29. April, "Thriller – live" ab 20. Mai, "Mandela" ab 4. Juni 2014,
Karten unter Tel.55 23 44 44

 

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