Wiedereröffnung der Pinakothek der Moderne Traumlandschaften

Max Ernsts "Hausengel" aus dem Jahr 1937. Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sammlung Moderne Kunst, Pinakothek der Moderne München © VG Bild-Kunst, Bonn 2013

Am heutigen Samstag öffnet die Pinakothek der Moderne mit einer Schau der Sammlung Wormland

Weich scheint dieses Gesicht, wie dunkles Wachs. Die Haut ist im Begriff, sich aufzulösen in breite, zähe Tropfen, der leer gewordene Blick geht nach innen, so, als würde das Draußen keine Rolle mehr spielen. Man ist ein wenig erstaunt Theo Wormland (1907-1983) hier so zu begegnen, mitten in der Schau seiner umwerfenden Sammlung. Also vor Picasso und Nay, zwischen den Highlights von Max Ernst, René Magritte, Horst Antes und Salvador Dalí, die von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen seit 30 Jahren mit Stolz präsentiert werden – und nun qua Schenkung in deren Besitz übergehen.

Mit wachem Auge hat der Unternehmer diese Schätze zusammengetragen, und mit einem durchaus eigenen Kopf. Das macht diese in sich sehr unterschiedliche, aufregende Kollektion aus, durch die sich letztlich doch ein roter Faden schlängelt. Es ist die Anziehungskraft des Geheimnisvollen, des Unergründbaren, des Übersinnlichen und Hintersinnigen. Insofern passt auch wieder die traurige Bronzebüste zum Auftakt dieser „Traum-Bilder”. Der Bildhauer Karl Bobek hat sie geschaffen, wenige Tage vor Wormlands Tod.

Dass die Grünwalder sein Museum nicht haben wollten, ist jetzt deren Pech. Haus und Garten hätten ein fabelhaftes Ambiente geboten, vieles war dort auf einen ganz bestimmten Platz hingezirkelt. Und Kurator Oliver Kase hat versucht, diesen privaten Charakter der Sammlung in die Pinakothek der Moderne zu transportieren. Was in den kühlen Räumen naturgemäß nur bedingt funktionieren kann.

Fratzenübersäte Albtraumsequenzen

Aber es gibt intime Nischen – etwa für Max Ernsts subersiv-verspielt-poetisch-hintergründige Hochkultur-Attacke „Dada Degas von Dada Max Ernst Tricoteur” oder Magrittes köstliche, allererste Begriff-Bild-Spielerei „La clef des songes” (Der Schlüssel der Träume). Und man trifft auf überzeugende Gegenüberstellungen: Bernard Schultzes kryptisch-fragile Draht-Stoff-Objekte („Stern über Gomorrha”) und mehr noch die schroffen „Raumknoten” Otto Herbert Hajeks scheinen wie eine Fortsetzung der unheimlichen, karstig kristallin wuchernden Seelen-Landschaften Max Ernsts („Totem und Tabu”), die tief ins Un- und Unterbewusste hineingreifen. Selbst die fratzenübersäten Albtraumsequenzen Richard Oelzes („Erfindung eines Traumes”) fügen sich fast ideal in diese Kombinationen.

Dazwischen darf man sich amüsieren – etwa vor Fernando Boteros harmlos feistem Präsidenten-Paar, oder Kurioses inspizieren wie Horst Egon Kalinowskis tückischen Ledersack mit Gartenkralle („Patte de fauve”). Und den sensiblen Melancholiker Werner Held mit seinen Stillleben wiederentdecken. Zwischen Leuchtraketen des Surrealismus – von Dalí, den man nicht ins Herz schließen muss, ist mit dem „Rätsel der Begierde” ein Hauptwerk vertreten –, den herrlich verknäulten Skulpturen Otto Freundlichs, Horst Antes Kopffüßlern und immer wieder faszinierendem Max Ernst.

"Traum-Bilder. Ernst, Magritte, Dalí, Picasso, Antes, Nay... Die Wormland-Schenkung", bis 26. Januar 2014 in der Pinakothek der Moderne, Katalog (Hatje Cantz) 34.80 Euro/im Museum

 

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