Wiederbelebtes Brauchtum Wenn die Neuhauser wieder einen Vogel ins Wasser werfen

Der Wasservogel wird beim Wasservogelfest in den Schlosskanal geworfen. Foto: Geschichtswerkstatt Neuhausen/frei

Zum vierten Mal findet am Sonntag das Wasservogelfest in Neuhausen statt. Um 11.30 Uhr startet der Festzug vom Rotkreuzplatz Richtung Schlosskanal.

Neuhausen - Seit 2007 findet es alle zwei Jahre statt. Am Sonntag, 28. Juli, ist es zum vierten Mal soweit: In Neuhausen wird das Wasservogelfest gefeiert.

Um 10 Uhr treffen die am Festzug teilnehmenden Vereine am Rotkreuzplatz ein. Um 11 Uhr begrüßt Ingeborg Staudenmeyer, die Vorsitzende des Bezirksausschusses, die Gäste und eröffnet das Fest. Dann soll der Wasservogel seine ersten Sprüche aufsagen.

Eine halbe Stunde später startet der Festzug, der über die Winthirstraße zum Schlosskanal geht. Die Veranstalter rechnen mit rund 500 Teilnehmern. Am Postamt 19, am Großwirt und an der Blindeninstitutsstiftung gibt's jeweils einen Zwischenhalt: Auch dort wird jeweils ein Wasservogelspruch aufgesagt.

An der Gerner Brücke schließlich wird der Wasservogel von der Westseite her, also in Richtung von Schloss Nymphenburg, in den Schlosskanal geworfen. Der Festzug zieht dann weiter durch die Südliche Auffahrtsallee, über das Südliche Schlossrondell und die Hirschgartenallee in den "Königlichen Hirschgarten". Dort klingt die Veranstaltung mit gemütlichem Beisammensein aus.

Geschichte des Wasservogelfests

1828 wurde das Wasservogelfest erstmals in den Münchner Gemeinden Neuhausen und Moosach gefeiert. Der sogenannte "Wasservogel" hieß früher auch "Pfingstl" und war ähnlich dem Pfingstochsen: nämlich derjenige, der am Pfingstmontag als letzter zum Gottesdienst erschien. Geschmückt mit Schilf, Binsen, Stroh und Laub, wurde der Betroffene auf einem Pferd über die Dorfstraße geführt und dann in den Dorfteich am Rotkreuzplatz getaucht. Sein Vogelkopf aus Holz, das "Szepter", wurde anschließend als Talisman gegen Blitzschlag und Feuer verlost. Möglicherweise handelt es sich beim Wasservogelfest um einen heidnischen Brauch, der ans Christentum angepasst wurde. König Ludwig I. (1786-1868) verbot das Fest jedenfalls.

Erst 2007 ließen der örtliche Bezirksausschuss, die Geschichtswerkstatt Neuhausen und die FT Gern die Tradition wieder aufleben; dann allerdings feierten die Neuhausener es, der Teilnehmerzahl wegen, im Juli. Schließlich sind an Pfingsten die meisten Anwohner im Urlaub. Seitdem fand das Wasservogelfest dreimal statt, 2007, 2009 und 2011. Auch künftig soll es alle zwei Jahre gefeiert werden.

Über die historischen Hintergründe informiert ein Faltblatt, das der Bezirksausschuss aufgelegt hat. Es ist in Neuhauser Geschäften und beim Fest am Rotkreuzplatz erhältlich.

Tipp des Veranstalters: 

Den besten Blick auf den "Wasserwurf" haben die Besucher entlang der Südlichen und der Nördlichen Auffahrtsallee. Die Gerner Brücke ist nur für die Wasservogelgruppe zugänglich.

 

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