Wie will Tsipras Merkel das erklären? Griechische Rentner kriegen mehr Geld als deutsche

Rentner in Griechenland bekommen vom Staat mehr Geld als Ruheständler in Deutschland. Das haben Europäische Union und Europäische Zentralbank ermittelt. Ob Alexis Tsipras das Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Treffen am Montagabend plausibel machen kann?

Brüssel - Das Land steht vor dem Bankrott, doch seine Rentner sind besser versorgt als EU-Altersgenossen andernorts. Das zeigen Zahlen der Europäischen Union und der Europäischen Zentralbank (EZB), die das Handelsblatt jetzt erfahren hat. Demnach zahlt der griechische Staat Senioren im Schnitt 958,77 Euro Rente im Monat. Die rechnerische Zahl bezieht sich auf Menschen mit einem Durchschnittsgehalt, die 45 Jahre lückenlos in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Rekordverdächtig: Die Rente beträgt 80 Prozent des Durchschnittslohns. 

Zur Orientierung: In Westdeutschland beträgt die Durchschnittsrente laut Bericht aktuell 896 Euro, im Osten des Landes müssen Senioren mit 734 Euro über die Runden kommen. Dieses Jahr stockt der Staat die Altersbezüge um 2,1 Prozent auf. Mehr ist nicht drin, heißt es - trotz Rekordsteuereinnahmen.

Ein anderes Bild zeigt sich, wenn man nicht die Durchnschnittswerte, sondern die Standardrenten der Länder vergleicht. Letztere liegen in Westdeutschland bei knapp 1300 Euro, Ostdeutsche erhalten rund 100 Euro weniger. Die Standardrente macht in Deutschland 48 Prozent des Durchschnittslohns aus. Das bedeutet: In Relation zum letzten Lohn versorgt der griechische Staat seine Ruheständlern deutlich besser als der deutsche.

Zu den Maßnahmen, mit denen die neue griechische Regierung den Staatsbankrott abwenden will, gehört auch eine Rentenreform. Arbeitnehmer sollen in Zukunft erst im Alter von 67 Jahren in Rente gehen können. Bisher können Griechen bereits fünf Jahre vorher den Ruhestand genießen. Für Ministerpräsident Alexis Tsipras ist das Vorhaben riskant. Im Wahlkampf hatte er Rentnern versprochen, dass sie unter einer linken Regierung den Gürtel nicht enger schnallen müssen.

Am Montagabend präsentiert Tsipras seine neue Liste mit Reformvorschlägen in Berlin. Experten hegen Zweifel, dass seine Vorschläge Bundeskanzlerin Angela Merkel weit genug gehen.

 

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