Wie Isar und Parks verschandelt werden Müllhalde München: Seid's ihr noch ganz sauber?

Zwei Krähen mustern eine Chipstüte – eine von vielen Hinterlassenschaften sorgloser Party-Parkbesucher. Im Hintergrund: das Gefährt eines Müllsammler-Teams. Foto: Sigi Müller

Draußen die Sonne genießen – herrlich. Doch am Morgen nach der Sommer-Feierei schaut’s oft grausig aus. Das traurige Gesicht einer schönen Zeit

 

München - Es gibt diese Situationen im Leben, da kennen sich manche Menschen ganz einfach nicht mehr. Etwa im Straßenverkehr oder wenn eine weitere Kasse im Supermarkt aufmacht – oder halt, wenn der berühmte Sommer in der Stadt ist und die Leut’ aus den Häusern ins Freie drückt. Dann geht’s leger daher, ausgelassen samma und a Gaudi hamma. So weit, so gut. Bloß bei vielen fragt man sich schon: Seid’s ihr ned ganz sauber?

Denn Sommer, das heißt auch Müllberge. Langt der Charakter bei den allermeisten Münchnerinnen und Münchnern sonst noch für ein gewisses Mindestbenehmen, brauchen bei vielen bloß ein bisserl Hitze, Laune und Alkohol daherkommen: Fertig ist der Saubär, respektive die Sau. Muss man schon so ungeniert sagen, angesichts der Haufen an Scherben, Plastik, Grillresten und mannigfaltig weiterem Unrat. Pfui Deifi!

Der rußige Grill, daneben Plastik- und Pappverpackungen, rundherum versät Kippenstummel, Kronkorken und ein paar abgeschnittene Flachsen vom Nackensteak – so eine Grillerei an der Isar gibt am nächsten Morgen oft ein beeindruckend stilloses Stillleben ab. Und wenn sich im Park zwei Krähen morgens darum streiten, wer seinen Kopf in die liegengelassene Chipstüte stecken darf, ist der Gehalt von naturnaher Romantik in diesem Schauspiel überschaubar.

Eine Sauerei ist das, ganz klar: Münchens Parks, vor allem der Englische Garten, werden im Sommer zur Müllhalde. Und die Isar fließt gefühlt ein bisserl schneller, weil sie sich schämt für ihre Ufer. Die vermüllte Landschaft, sie ist das traurige Gesicht der sonst so schönen Sommerzeit.

Es ist ja nicht so, als gäbe es keine Möglichkeiten, seinen Nachlass selbst zu verwalten und den ganzen Müll zu entsorgen (siehe unten).

Aber mei, es wird ja alles weggeräumt, gell? Die Mitarbeiter des städtischen Baureferats haben von Jahr zu Jahr mehr zu tun mit den Aufräumarbeiten, zum Beispiel an der Isar. An einem sonnigen Wochenendtag sammeln sich leicht mal vier Tonnen Müll an. Pro Saison kommen so etwa 120 Tonnen zusammen.

Viel von dem Abfall ist ekelhaft, schwer oder schwierig einzusammeln. Aber viel davon ist auch richtig gefährlich. Vor allem die Scherben.

Manche meinen es ja gut und sehen die Flaschen als Vermächtnis an die Pfandsammler. „Da freut sich jemand drüber“, sagen sie dann gönnerhaft. Liberalitas bavarica quasi, die Freigiebigkeit der Habenden gegenüber den weniger vom Wohlstand Gesegneten. Wobei: An der Reichenbachbrücke werden einem ja auch noch halbvolle Flaschen nahezu aus der Hand gerissen. Von daher kann man Pfandglas schon mal hinterlassen – etwa gesammelt neben dem Mülleimer.

Einfach überall liegen lassen ist da schon weniger elegant, eher was für die Faulen unter den Pfand-Schenkern. Schlechter geht’s aber allerweil, wie jene beweisen, die nach der Devise „Zamwerfen statt zamstellen“ vorgehen.

Da liegen sie dann, die Scherben, ihre scharfen Ecken spitz nach oben gereckt, auf dass sich ein Fuß daran zerschneide. Ob der jetzt dem Flaschenwerfer, einem Hund oder dem nächsten spielenden Kind gehört, da machen die Scherben bekanntlich keinen Unterschied. Obwohl: Meistens hat noch eher der Depp das Glück.

„Sauber bleiben!“, fordern die meisten. Allein: Viele kümmert’s nicht. Es ist wieder Müll-Sommer in der Stadt.

Wie die Stadt den Müll bekämpft

Niemand muss seinen Müll liegen lassen, aber auch nicht heimtragen. Die Stadt hat in Parks und an der Isar – laut eigener Angabe ausreichend – Abfalleimer aufgestellt.

An besonders gefragten Stellen stehen extragroße Gitterboxen. Für den sperrigen Müll gibt es sogar Müll-Container. Behälter für Grillasche gibt’s ebenso wie Mülltütenspender. Und Klohäusl hat die Stadt auch aufstellen lassen.

Die Stadt hat Mitarbeiter, die Müllsünder ermahnen, ihren Unrat mitzunehmen. Wer sich weigert, riskiert eine Verwarnung oder ein Bußgeld. Doch das Personal ist knapp.

 

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