Wie in der DDR alles begann Herbert Köfer: Mit 98 noch immer auf der Bühne

Herbert Köfer denkt auch mit fast 100 Jahren nicht an die Schauspiel-Rente Foto: imago images / Future Image

98 Jahre alt und noch immer nicht von der Theater-Bühne wegzudenken: Herbert Köfer ist der älteste noch aktive Schauspieler der Welt.

 

Er war der große Star des DDR-Fernsehens, sozusagen der Kulenkampff des Ostens. Und auch heute trägt Herbert Köfer (98) einen exklusiven Titel: Mit seinen 98 Jahren ist er laut dem Hamburger Rekord-Institut für Deutschland der älteste aktive Schauspieler der Welt. Er spielt immer im Theater, seit 79 Jahren. Nächstes Jahr will er sein 80-jähriges Bühnenjubiläum feiern. Dann wäre er 99.

Der gebürtige Berliner machte seine Ausbildung nach einer kaufmännischen Lehre in einer Lokomotivfabrik an der Schauspielschule des Deutschen Theaters in Berlin. Eine Klasse über ihm studierte übrigens der junge Hans-Joachim Kulenkampff (1921-1998), der mal einer der größten Entertainer des deutschen Fernsehens werden sollte.

Der Beginn einer DDR-Karriere

Herbert Köfer schaffte eine Parallelkarriere im DDR-Fernsehen. Sie begann 1952 mit einer der ersten Sendungen aus dem Studio in Berlin-Adlershof, wo heute die Talkshow von Anne Will produziert wird. Die Theater-Kollegen hätten sich über ihn lustig gemacht, sagte Köfer in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Sie hätten gelästert: "Der Herbert macht Fernsehen, und kein Mensch sieht ihn." Er habe aber sofort die Bedeutung des neuen Mediums erkannt.

Köfer wurde der erste Sprecher der Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera". Er spielte in zahlreichen Filmen und Komödien mit, er moderierte Unterhaltungssendungen wie "Da lacht der Bär", "Treffpunkt Kino" oder "Das blaue Fenster". Und er wurde einer der bekanntesten Theaterschauspieler der DDR.

Auch in der letzten Sendung des DDR-Fernsehens wirkte er mit, in der Silvestershow von 1991, "als einer von drei Schauspielern. Kurz bevor der Zeiger auf die Zwölf sprang, wurde vom Adlershof nach Potsdam zum neuen Regionalsender ORB umgeschaltet. Die sagten dort Prosit Neujahr, und wir waren für immer weg".

Nur der Ost-Star?

Im Osten eine Berühmtheit, im Westen ein Nobody? "Da kannte mich kein Schwein. Und das haben die Fernseh- und Filmleute aus dem Westen, genauso wie viele andere Schauspieler aus dem Osten, anfangs auch spüren lassen. Wir waren erst einmal in einem Niemandsland."

Doch dann bekam er einen Termin, "die erste deutsch-deutsche Gemeinschaftssendung in Cottbus in der Stadthalle. Mit dem Musikantenstadl, mit dem .... Wie hieß er noch?" Karl Moik! "Genau. Dazu waren ein paar Schauspieler eingeladen, darunter meine Wenigkeit, eingeladen, auch Harald Juhnke war dabei."

Köfers erster Eindruck: "Alle aus dem Westen hatten in der Garderobe ein Namensschild. Ich fragte die Aufnahmeleiterin aus dem Westen: Wo ist meine Garderobe? Sie sagt, Sie stehen genau davor. Auf der stand aber nur: Herr DDR".

Herbert Köfer hat dann nur gesagt: "Ich gehe jetzt in mein Auto und dann warte ich zehn Minuten, und wenn dann niemand gekommen ist, der mir sagt, dass ich eine Garderobe mit meinem Namen habe, fahre ich wieder nach Hause. Das hat gewirkt, nach ein paar Minuten war die Sache erledigt. Und der Moik hat sich später noch gewundert, wie viel Riesenapplaus ich bekommen habe... Das sind so die Kränkungen, die vergisst man nicht. Die DDR war nun mal unsere Heimat."

Er bekommt nicht genug

Er hat sich dennoch auch nach der Wiedervereinigung als Schauspieler durchgesetzt, wenngleich er nie wieder die gleiche Popularität erlangte. Er spielte in Filmen wie "Pension Schöller" und "Der Millionär" mit sowie in zahlreichen Serien, "Immer wieder Sonntag", "Wolffs Revier", "In aller Freundschaft", "Soko Wismar" oder "Soko Leipzig". Und er steht nach wie vor auf jenen Brettern, die die Welt bedeuten.

In Dresden war und ist Herbert Köfer in Stücken wie "Rentner haben niemals Zeit", "Opa auf hoher See" oder "Opa ist die beste Oma" zu sehen. Seit Januar 2017 gibt er mit der Komödie "Ein gesegnetes Alter" von Curth Flatow sogar Gastspiele. "Ich spiele weiter, nicht weil ich unersättlich bin und vielleicht noch Geld verdienen möchte, sondern weil ich das Spiel auf der Bühne liebe, genauso wie das Leben und meine Frau", sagte er der "SZ".

Ihm sei es "ziemlich egal", welches Etikett er bei seinen Auftritten bekommt, "ob Volksschauspieler oder Entertainer. Ich kann auch gut damit leben, als Narr zu gelten, der sein Publikum gut unterhält. Der Narr macht die Menschen glücklich".

 

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