Wie die BOB Fahrgäste zurücklässt Bayerische Oberlandbahn: Mit Radl in Rage

Blick in die BOB nach München: Der Platz für Radl sei bereits belegt, teilt ein Mitarbeiter mit. Weitere Radler: Draußen bleiben! Foto: mbu

Durch die Hausberge biken und später dann mit der Oberlandbahn heim nach München: herrlich! Leider hat die BOB Kapazitätsprobleme – und lässt Radler am Gleis zurück. Die Polemik eines AZ-Reporters.

 

Einsteigen, ankommen, losradeln – mit diesem Slogan wirbt die Bayerische Oberlandbahn (BOB) um bergbegeisterte Radfahrer aus München. In Scharen karrt sie diese dann für ordentliche 35 Euro (inklusive Rückfahrt) plus fünf Euro Fahrradgebühr Richtung Hausberge.

Dabei müsste es eigentlich heißen: einsteigen, ankommen, losradeln – und dann viel Glück bei der Rückfahrt. Denn zuletzt häuften sich Klagen darüber, dass Radler auf dem Weg zurück nach München nicht mehr in die BOB einsteigen durften: Maximale Fahrradkapazität erreicht, der Zug ist voll, Sicherheitsvorschriften müssen eingehalten werden. Mitgeteilt wird das den oft hungrigen und sonnenverbrannten Radlfahrern dann in Form eines wortkargen Zugbegleiters in Warnweste: „Do gengan maximal no zwoa Radl nei, dann is Schluss!“

Am Bahnsteig wurlt’s von knapp 50 Ausflüglern mit Zweirädern. Der Ton ist rau. Die sportliche Gelassenheit muss dem biologischen Überlebenstrieb weichen. Mir wurscht, wer zurückbleibt, Hauptsache, ich komm’ rein. Wenn man an einem sonnigen Feier- oder Wochenendtag nicht an den Startbahnhöfen in Lenggries, Tegernsee oder Bayrischzell einsteigt, stehen die Chancen, dass man an einer der späteren Haltestellen mit dem berühmten Ofenrohr ins Wendelstein-Gebirge schaut, leider gut. Um die zwölf Fahrräder sind in einem für Radl-transporte vorgesehen Waggon erlaubt. Wenn man bedenkt, dass die Oberlandbahn pro Jahr etwa 80 000 Radlfahrer befördert, muss man kein Einstein sein, um zu erkennen, dass hier ein Chaos programmiert ist. Zumal die Zahl der Mountainbiker noch weiter steigt.

Wie wär’s mit einem Extra-Waggon nur für Radl? Geht nicht, teilt die Pressestelle der BOB mit. Das sei technisch nicht möglich, weil die Gleise dafür nicht ausgelegt seien. Zudem seien manche Bahnsteige zu kurz für mehr als drei Waggons.

Wie wär’s mit einem Zug nur für Radlfahrer – zumindest am Wochenende? Einen Zug randvoll mit Sportlern und deren Drahteseln um 8 Uhr gen Süden schicken und das gleiche Spielchen umara 16 Uhr wieder zurück? Geht nicht, weil die Taktung jetzt schon so eng sei, dass nicht noch mehr Züge fahren können, sagt die BOB.

Außer Frage steht, dass die Oberlandbahn die Sicherheitsvorschriften einhalten muss. Bis unters Dach vollgestopfte Züge, wo Arme und Lenker aus Fenstern und Türen ragen wie auf einer Eisenbahnfahrt von Bangalore nach Mumbai, kann keiner wollen.

Auffällig ist, dass es keine Meldungen über am Starnberger Flügelbahnhof zurückgelassene Radfahrer gibt. Dabei müssten die Züge doch bereits in der Früh in München überfüllt sein. Die Leute, denen in Fischbachau die Mitfahrt nach München verwehrt wird, müssen ja irgendwie morgens da hingekommen sein.

Warum steht da kein Warnwestenträger und staubt die Radler aus dem Zug, wenn er voll ist? Ob’s daran liegt, dass viele wahrscheinlich dann ihr Ticket sofort wieder zurückgeben würden? Ein Schelm, wer denkt, die BOB wolle erstmal kassieren und überlasse den Fahrgast im Oberland dann sich selbst.

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