Widerlicher Fund beim Mittagessen Maus im Fertigsalat: Penny will's nicht gewesen sein

Zugegeben, so ein Bild möchte man zum Frühstück eigentlich nicht sehen. Zum Mittagessen auch nicht. Thorsten G. hat sich dieser Anblick geboten, er hat ihn dokumentiert und die Behörden eingeschaltet. Foto: privat

Ein Münchner (53) findet das Tier in seinem Mittagessen, das er bei Penny gekauft hat. Die Supermarkt-Kette und der Lieferant weisen die Verantwortung dafür von sich.

 

Wenn es Ihnen schon gegraust hat, als die AZ in der Adventszeit über eine Münchner Bäckerei berichtet hat, in der Mäuse über die Weihnachtsplatzerl in der Auslage herfielen, ist diese Geschichte vielleicht nicht die richtige für Sie.
Sie beginnt in einer Mittagspause. Und mit Hunger.

Thorsten G. (53), der als Projektkoordinator in Haidhausen arbeitet, kauft im Penny-Supermarkt in der Preysingstraße ein. Er entscheidet sich für einen Salat. Genauer: einen Plastikbeutel „Der frische Feldsalat-Mix“ (100 g) der Marke Sonnengarten von Havita, einem Großerzeuger aus Rheinland-Pfalz.

Zurück in der Büro-Küche schüttet G. den Beutelinhalt in eine Schüssel um, verfeinert ihn mit Feta-Käse und Salatsoße und beginnt zu essen. Er hat schon mehr als die Hälfte verzehrt, als er unten in der Schüssel den ekligen Fund macht: eine tote Maus, bis auf den sehr blutigen Kopf unversehrt.


Im Salat, neben dem Feta, liegt die tote Maus. Foto: privat

Ein Anruf, dann nimmt die Filiale die Salate aus ihren Regalen

Thorsten G. wird augenblicklich schlecht. Dann handelt er aber so besonnen, dass ihn die Münchner Behördenmitarbeiter später dafür loben werden. Er fischt die Salatverpackung aus dem Müll, verpackt den restlichen Salat samt toter Maus in einer Frischhaltedose und trägt die zur Lebensmittelüberwachung; für Haidhausen ist die Bezirksinspektion Ost in der Trausnitzstraße 33 zuständig.

„Das war genau richtig“, lobt Johannes Mayer, der Sprecher des Kreisverwaltungsreferats. Die Proben, sagt er, gingen ans Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in dessen Labor in Oberschleißheim. Gleich am nächsten Morgen rücken die Kontrolleure in der Penny-Filiale in der Preysingstraße an: Die hatte die restlichen Tüten mit dem Feldsalat-Mix nach dem Anruf der Behörde bereits aus den Regalen genommen.


Die Salatpackung und die Maus wurden bei der zuständigen Behörde abgegeben. Foto: privat

Es habe „keine Auffälligkeiten in der Filiale“ gegeben, sagt KVR-Sprecher Mayer. Die Kontrolleure hätten drei Salat-Mix-Beutel mitgenommen, zwei weitere blieben zurück – „für Gegenproben, die die Firma selbst durchführen will“. Das für den Erzeuger Havita zuständige Landratsamt in Ludwigshafen werde informiert.

Als die AZ beim Penny-Lieferanten Havita im pfälzischen Dannstadt-Schauernheim anruft, will man dort vom Mäusefund im Salat aber noch nichts erfahren haben. Die AZ übermittelt die Bilder von der Maus im Salat, von der Verpackung, liefert die genaue Produktbezeichnung und das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum.

Der Hersteller schreibt: "Wir können es uns nicht erklären"

Es dauert einige Stunden, bis Havita, der selbsternannte „Frischegärtner“, der AZ seine Stellungnahme schickt. Marc Rauppis, ein Mitarbeiter der Qualitätssicherung, bestreitet darin schlichterdings, dass eine tote Maus in einen Havita-Salat gelangt sein könnte.

Er schreibt:
„Wir haben unverzüglich unser Qualitätsmanagement-Team einberufen und den Vorfall besprochen. Die Produktionsprozesse und die Produkte unterliegen regelmäßigen Kontrollen durch Produktionsleitung und Qualitätssicherung, bei denen keine Auffälligkeiten von Fremdkörpern zu erkennen waren. Darüber hinaus verfügen wir über ein regelmäßiges Schädlingsbekämpfungs-Monitoring, das auch keine Auffälligkeiten von tierischen Fremdkörpern aufweist. (...)
Im Produktionsablauf mit modernsten, computergesteuerten Produktionsanlagen ist es technisch nicht möglich, dass ein Fremdkörper in dieser Größe den Produktionsprozess durchläuft. Daher können wir uns nicht erklären, wie es zu dem Fund in dem von uns produzierten Mischsalat kommen kann.“

Wer erklärt Thorsten G. dann, wie und warum eine tote Maus in seine Salatmischung gelangt ist? Die AZ fragt auch bei Penny nach. Von dort, immerhin, kommt wenigstens eine Entschuldigung: „Penny bedauert den Vorfall, durch den wir erst durch Ihre Anfrage erfahren haben, sehr“, schreibt Andreas Krämer, Pressesprecher der Rewe Group, zu der Penny gehört.

Auf weitere Nachfrage verweist Penny auf die Stellungnahme des Salatherstellers Havita, die sich „logisch“ und „schlüssig“ lese. Der Penny-Sprecher schreibt:

„Nach den Erkenntnissen, die wir aus der Kommunikation mit Ihnen gewinnen konnten, war der Salat ordnungsgemäß verpackt. Somit ist ausgeschlossen, dass die Maus im Markt in das Produkt gelangt sein kann. (...) Bei allem Bedauern für die Situation des Kunden können wir derzeit anhand der bisherigen Fakten und Erkenntnisse keinen weiteren Beitrag zur Klärung leisten. Alles andere wäre rein spekulativ.“

Im Oberschleißheimer Labor des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wird sich nun feststellen lassen, wann die Maus in den Salat gelangt ist. Thorsten G. hat sich mit Blick auf die Krankheiten, die häufig durch Mäuse übertragen werden, untersuchen lassen.

Es geht ihm gut. Für ihn steht fest: „Sicherlich ist die Maus nicht im Markt in die Tüte gelangt. Die Tüte war unversehrt.“ Er gehe davon aus, dass die Maus „beim Lieferanten abgepackt worden“ ist.

Gerichtsprozess: Notdurft verrät Panzerk(n)acker

Die behördlichen Untersuchungen gehen weiter. Wer und ob überhaupt jemand für die Maus im Salat die Verantwortung übernimmt, ist offen. Gleiches gilt für eine mögliche Strafe. Übrigens, der Bäcker, bei dem die Mäuse über die Weihnachtsplatzerl getobt sind, ist inzwischen für eine Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld belegt worden.

„Ein mittlerer dreistelliger Betrag“, sagt KVR-Sprecher Johannes Mayer – auch weil der Bäcker zuvor noch nie auffällig geworden sei.

 

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