Westend Anschlag auf Büro: Neonazis im Verdacht

Das Werk von Neonazis? Ein Loch klafft in der Scheibe des KEV in der Westendstraße. Foto: KEV

In der Nacht auf Freitag gehen die Scheiben des Kurt-Eisner-Vereins zu Bruch. Die Polizei vermutet rechtsextreme Täter. Wie Julia Killet im KEV-Büro auf den neuerlichen Anschlag reagiert

 

Westend - „Ich sitze hier alleine. Das macht schon Angst“, sagt Julia Killet. Der Grund: Unbekannte haben in der Nacht auf Freitag die Scheiben des linken Kurt-Eisner-Vereins (KEV) in der Westendstraße eingeschlagen. Der Anschlag auf Killets Büro reiht sich vermutlich in die Kette ähnlicher Vorfälle der letzten Wochen ein (siehe Kasten). Vor dem Hintergrund des NSU-Prozesses werden nach Ansicht der Polizei gezielt Einrichtungen angegriffen, die sich gegen Rechts engagieren.
Der jüngste Fall: Am Freitag gegen 3.05 Uhr hörte ein Anwohner in der Westendstraße einen lauten Knall, sah die zerbrochenen Scheiben und verständigte sofort die Polizei. Doch die Fahndung blieb erfolglos.

Für die KEV-Vorstandsvorsitzende Christa Meist ist die Sache klar: „Offensichtlich kommen die Täter aus der rechtsextremen Szene. Die bisherigen Ziele lassen vermuten, dass es sogar eine Art Objektliste gibt, nach denen sie bei ihren Angriffen gezielt vorgehen.“
An Zufall mag sie nicht glauben. „Es wäre ein ungemein großer Zufall, wenn Einzeltäter bei gewöhnlichem Vandalismus ausschließlich Einrichtungen attackieren, die Flüchtlinge unterstützen, in denen sich Migranten treffen, die Opfer von Nazi-Attacken rechtlich vertreten oder, wie in der vergangenen Nacht, unsere Einrichtung, die sich unter anderem der politischen Bildung gegen Rechts verschrieben hat."

Meist erwartet jetzt von der Polizei, dass sie mit aller Kraft versucht, die Schuldigen zu identifizieren, „um linke Objekte damit zukünftig vor Angriffen dieser Täter zu schützen“. Polizeisprecher Wolfgang Wenger: „Wir nehmen das ernst und haben Maßnahmen ergriffen.“ Die Polizei ist aber auf Mithilfe angewiesen. Wer etwas Verdächtiges bemerkt hat, kann sich unter Tel.  089 - 2910-0 melden.Julia Killet ist jetzt vorsichtiger geworden. „Unsere Tür war immer auf. Jeder konnte hier rein und raus und sich Infomaterial abholen. Jetzt machen wir die Tür zu. Ich muss für jeden aufstehen, quer durch den Veranstaltungsraum laufen und ihn reinlassen.“ Das mulmige Gefühl aber bleibt ihr.

 

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