"Werden einige Spieler abgeben" Hoeneß stellt den Kader auf den Prüfstand: Wer ist unantastbar, wer verzichtbar?

Immer bei 100 Prozent: Bayerns Verteidiger Joshua Kimmich (l.). Dagegen schwächeln Stürmer Robert Lewandowski (M.) und Mittelfeldregisseur Thiago (r.) zuletzt. Foto: sampics, firo/Augenklick

Präsident Uli Hoeneß vom FC Bayern kündigt eine Überprüfung des Kaders an. "Wir brauchen den einen oder anderen Profi, der in den wichtigen Spielen Höchstleistung bringt." Die AZ-Analyse.

 

München - Ein zweites 2007 wird es beim FC Bayern nicht geben - trotz des enttäuschenden Saisonfinals mit den Niederlagen im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid und dem Pokalschock am Samstag gegen Eintracht Frankfurt. Vor elf Jahren wären die Bayern heilfroh gewesen, zumindest mit der Meisterschale auf dem Rathausbalkon feiern zu können; damals verpasste das Team als Vierter der Bundesliga die Qualifikation für die Königsklasse und musste in den Uefa Cup.

Was folgte, war ein beherzter Angriff auf dem Transfermarkt. Für Franck Ribéry, Luca Toni, Miroslav Klose und Co. gab die Bayern-Führung fast 100 Millionen Euro aus. Es war der Startpunkt der nationalen Dominanz.

Teurer Neuzugang? Nur wenn Verkäufe Geld in die Kasse spülen

Und 2018? Glaubt man Präsident Uli Hoeneß, wird es keinen Kaufrausch wie damals geben. "Wir werden Stand heute keine Spieler mehr verpflichten, aber sicher den einen oder anderen Spieler abgeben", sagte Hoeneß. Ein kostspieliger Zugang würde "nur in Frage kommen, wenn der eine oder andere uns verlassen würde und wir das notwendige Geld einnehmen würden. Das sieht im Moment nicht so aus."

Machtwort oder Pokerspiel? Aktuell ist schwer einzuschätzen, ob Hoeneß' Aussagen definitiv sind. Zumal Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge betonte: "Wir haben noch keine finale Entscheidung gefällt." Grundsätzlich gebe es bei Transferausgaben "kein Limit".

Klar ist: Der Kader der Bayern steht vor einer strengen Überprüfung. "Wir brauchen den einen oder anderen Profi, der in den wichtigen Spielen Höchstleistung bringt und nicht, wenn man gegen die schwachen Gegner spielt", sagte Hoeneß und kündigte an: "Daran werden wir arbeiten."

Die AZ erklärt, wer bei Bayern weiter gesetzt ist und wer um seine Zukunft bangen muss.

Diese Spieler des FC Bayern sind sicher

Die Unantastbaren: Manuel Neuer, Thomas Müller, Mats Hummels, Arjen Robben, Jérôme Boateng, Joshua Kimmich. Die meisten Führungsspieler im Kader sind weiter in einem sehr guten Fußballeralter, einzig Robben (34) biegt auf die Zielgerade seiner Karriere ein. Doch wie wichtig der Niederländer, dessen Vertrag bis 2019 verlängert wurde, weiter ist für Bayern, zeigte sein Fehlen im Saisonfinale. Gegen Real und Frankfurt wurden Robbens Elan, Tempo und Effizienz vermisst. Weiterer Nachteil: Müller musste an Robbens Stelle auf der rechten Außenbahn kleben, das ist nicht sein Spiel.

Während Lahm-Nachfolger Kimmich eine herausragende Saison spielte, Hummels mit wenigen Ausnahmen (Pokalfinale!) auch, gibt es bei Neuer und Boateng Fragezeichen. Der Abwehrchef der Bayern denkt offenbar an eine neue Herausforderung. "Das Ausland ist immer interessant", sagte er bei "Sky". Laut "Kicker" soll Hoffenheims Verteidiger Kevin Vogt auf der Bayern-Einkaufsliste stehen.

Im Tor hoffen die Bayern zur kommenden Saison auf Neuers Rückkehr. In der Nationalelf wird der Keeper schon zur Weltmeisterschaft gebraucht. "Wenn es einer schafft, dann Manu. Er ist der Welttorhüter und für keinen Torwart auf der Welt erreichbar", sagte sein Vertreter Sven Ulreich: "Er wird eine überragende WM spielen."

Die Verlässlichen: Franck Ribéry, James Rodríguez, Javi Martínez, Sven Ulreich, Niklas Süle. Auch die zweite Reihe der Bayern steht weiter für hohe Qualität. Ulreich erwies sich im Saisonverlauf als erstklassige Nummer zwei - trotz des Patzers im Rückspiel in Madrid. Auch Ribéry und Martínez gehörten zu den Leistungsträgern, wie Real-Leihgabe James erwischten sie allerdings gegen Frankfurt einen ganz schlechten Abend. Bei dem Trio war die Müdigkeit mit am deutlichsten zu sehen.

Verteidiger Süle blieb ebenfalls nicht fehlerfrei, doch dem 22-Jährigen gehört die Zukunft in der Bayern-Defensive. "Er wird Weltklasse", sagt Jupp Heynckes.

Diese Spieler des FC Bayern müssen sich Sorgen machen

Die Mitläufer: Kingsley Coman, Corentin Tolisso, Arturo Vidal, Rafinha, Sandro Wagner, Sebastian Rudy. Außenstürmer Coman gab gegen Frankfurt sein Comeback, der Franzose soll schon in der kommenden Saison, gemeinsam mit Serge Gnabry, Druck auf die Oldies Robben und Ribéry machen. Dafür muss Coman effizienter werden, auf dem Platz noch mehr Verantwortung übernehmen. Das gilt auch für Tolisso, der sein großes Potenzial andeutete.

Während Rafinha im Hinspiel gegen Real entscheidend patzte, wusste Stürmer Wagner (neun Tore in der Rückrunde) zu gefallen. Er ist ein guter Back-up, muss sich aber Aktionen wie den Medaillenwurf in Berlin sparen.

Rudy und Vidal könnten zu den von Hoeneß angedeuteten Abgängen im Sommer gehören.

Die Sorgenkinder: Thiago, Robert Lewandowski, David Alaba, Juan Bernat. Obwohl er im Pokalfinale traf und Torschützenkönig der Bundesliga wurde, steht Topstürmer Lewandowski in der Kritik - auch intern. Die englischen Topklubs FC Chelsea (bietet laut "Telegraph" 115 Millionen Euro) und Manchester United sollen um den Polen werben. "Wir sagen Nein", erklärte Hoeneß im "Kicker" zu einem möglichen Verkauf. Doch das Thema dürfte wieder heiß werden, sollte sich für Bayern eine Sturmalternative ergeben.

Auch bei Thiago, der im Pokalfinale einmal mehr enttäuschte, scheint ein Abschied möglich, ebenso bei Bernat. Und Alaba muss sich nach einer enttäuschenden Saison fragen, warum er schon lange nicht mehr an die Weltklasse-Form von 2013 herankommt.

 

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