"Werde als Flüchtling kommen" Nach Selbstmord in Haft: Al-Bakrs Bruder sinnt auf Rache

Droht mit Vergeltung: Alaa Al-Bakr. Foto: ho

Der Syrer droht in einem Video-Interview, das allerdings auch Fragen aufwirft.

 

Nach dem Suizid des terrorverdächtigen Bombenbastlers Dschaber Al-Bakr droht dessen Bruder Alaa Al-Bakr mit Vergeltung."Meine Reaktion als Araber ist Rache", sagt der Syrer in einem Video-Interview mit der Deutschen Welle (DW). Auf die Frage des Reporters, was er damit meine, erklärt der Bruder: "Du verstehst schon. Ich habe nichts weiter dazu zu sagen. Ich werde als Flüchtling kommen."

Alaa Al-Bakr lebt nach eigenen Angaben nahe Damaskus. In dem Video-Gespräch sagt er außerdem, Imame in Berliner Moscheen hätten versucht, Dschaber zu radikalisieren, "ihn einer Gehirnwäsche zu unterziehen". Dies sei aber nicht gelungen.

Auch ist er von der Unschuld seines Bruders überzeugt und wirft der sächsischen Polizei vor, ihn getötet zu haben. "Ich habe ihn doch erzogen. Ich weiß, wie er ist. Er ist kein Terrorist", erklärt Alaa Al-Bakr. Auch sei Dschaber kein Mitglied des IS gewesen.

Allerdings stehen diese Aussagen im Widerspruch zu Äußerungen, mit denen der "Spiegel" Alaa Al-Bakr zitiert. Demnach habe sich der terrorverdächtige Bombenbauer sehr wohl in Berlin radikalisiert und sei im September 2015, nachdem er über die Türkei nach Syrien gereist war, Mitglieder der Terrormiliz IS geworden.

Al-Bakr soll Anschlagsplan "in der Tasche" gehabt haben

Tatsächlich gibt es bislang keine wasserdichten Hinweise auf eine Verbindung Al-Bakrs zum Islamischen Staat, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilt. Die Ermittlungsbehörden vermuten allerdings, dass Al-Bakr im Auftrag des IS handelte.

Ende August sei der Syrer aus der Türkei kommend in Leipzig gelandet und habe dabei seinen Anschlagsplan "in der Tasche" gehabt. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden hatte Al-Bakr einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant.

Al-Bakr soll Berichten zufolge sein mutmaßliches Anschlagsziel selbst ausgespäht haben. Wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg unter Hinweis auf Sicherheitskreise berichtete, hielt sich der Syrer in der zweiten Septemberhälfte für eine Nacht in Berlin auf.

Unklar ist weiter, wie sich der Syrer in der Leipziger JVA mit seinem Hemd erdrosseln konnte. Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) räumte nun Versäumnisse ein. "Wir alle müssen im Umgang mit islamistischen Strafgefangenen dazulernen. Offensichtlich reichen unsere herkömmlichen Instrumente und Erfahrungen zur sicheren Unterbringung von Gefangenen nicht aus", sagte er der "Bild".

 

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