Wer sind die neuen Landshuter? "Ich kannte Landshut schon aus meiner Kindheit"

Lina Carlisle (40) ist von München nach Landshut gezogen. Die Altstadt ist ihre neue Maximilianstraße. Foto: cm

Landshut - Eine AZ-Serie über die Neuankömmlinge in Landshut: Lina Carlisle musste Hürden überwinden, um sich nun daheim zu fühlen

Mama, meine Lehrerin in der Schule spricht gar kein Deutsch". Weinend kam Lina Carlisles Tochter nach dem ersten Schultag in der zweiten Klasse in Landshut nach Hause.

Aus München kannte Carlisle, dass es immer mal Schüler gab, die kein Deutsch konnten. Aber Lehrer? Um das Missverständnis aufzuklären, meldete sie sich bei der Schule "Grias eana" wurde sie dort begrüßt. Schnell war klar, die Lehrerin sprach sehr wohl Deutsch, aber eben mit einem stark ausgeprägten bairischen Dialekt.

Carlisle und ihre zwei Kinder zogen vor fünf Jahren von München nach Landshut. Dort sprachen Freunde und Familie Hochdeutsch. Mittlerweile schreibt ihre Tochter (heute 15 Jahre alt) ihr sogar Nachrichten auf Bairisch.


Sie sind angekommen hier in Landshut, leben in Kumhausen in einer Wohnung und nennen es ihr Zuhause. Bis vor fünf Jahren noch war München, Neuperlach ihre Heimat. Doch für die alleinerziehende Mutter wurde das Leben nach und nach zu teuer und der äußere Einfluss auf die Kinder bedenklich.

"In München reicht das Einkommen fast nicht mehr für die Miete"

"Für 400 Euro weniger konnte ich mir in Landshut eine fast doppelt so große Wohnung leisten", sagt Carlisle.

"Und hier kann ich meine Kinder auch alleine in die Stadt fahren lassen. In München war das nicht möglich; nicht nur weil sie noch kleiner waren."

Carlisle kannte Landshut schon aus ihrer Kindheit und Jugend: "Meine Familie hatte hier Freunde und später war ich ab und zu zum Weggehen da." Vor sieben Jahren verliebte sie sich über das Internet in einen Landshuter. Das, gepaart mit den Münchner-Preisen und dem Umgang ihrer Kinder veranlasste ihren Umzug nach Landshut. "Am Anfang war es für mich und die Kinder natürlich manchmal schwer in der neuen Stadt. Die Landshuter sind halt Niederbayern", sagt Carlisle mit einem Schmunzeln.

Sie meint damit, dass hier gerne mal jeder ein bisschen eigenbrötlerisch vor sich hin lebt und Neues nicht unbedingt braucht. "Ich bin ein sehr offener Mensch, aber es hat gedauert, bis ich wirklich Anschluss gefunden habe."

Mittlerweile ist sie hier verbandelt und kennt viele Leute; arbeitet in der Gastronomie. Sie liebt die Stadt und die Gemütlichkeit, die man überall in der Stadt spürt. "Nirgends ist es hier wirklich hektisch, alle scheinen grund-entspannt zu sein. Das hat auch auf mich abgefärbt." Auch ihre Kinder fühlen sich wohl und sie kann sie unbesorgt losziehen lassen.

Obwohl sie sich in Landshut ein bisschen mehr Möglichkeiten für Jugendliche wünschen würde - ein Jugendzentrum mit anwesenden Sozialpädagogen zum Beispiel. "In Landshut gibt es zwar einen Streetworker, aber ich habe das Gefühl, es ist bereits kurz vor zwölf. Es gibt auch hier Brennpunkte, weil viele Jugendliche nichts mit sich anzufangen wissen", sagt Carlisle.

"Auch in Landshut gibt es Brennpunkte, die man beobachten muss"

Sie kennt das aus München - zu oft hat sie dort Schlägereien gesehen, Bekannte hatten Kontakt mit Drogen. "Wir haben in den Wohnblöcken gelebt, da bekommt man so einiges mit." Davon sei man zwar in Landshut noch entfernt, aber man dürfe die Augen davor nicht verschließen. Sie fühlt sich sicher in der niederbayerischen Hauptstadt - ihrem neuen Zuhause.

Nach München fährt sie trotzdem öfters, um Freunde zu besuchen, oder ab und an zum Einkaufen. "Auch wenn man in Landshut alles bekommt, was man braucht. Die Altstadt ist ja fast wie die Maximilianstraße von Landshut. Nur eben nicht so teuer und nicht so überlaufen - eine Verbesserung der Lebensqualität."

Würde sie im Lotto gewinnen, würde sie sich eine Wohnung in München kaufen, "um ab und zu mal zu shoppen", sagt sie. Wohnen möchte sie aber in Landshut - in einem Haus mit Garten. "Daran merke ich, dass ich hier nun wirklich zu Hause bin."

 

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