Wer glücklich ist, arbeitet besser Feelgood-Manager: Ein Mann fürs gute Gefühl

Unter anderem das Tätigkeitsfeld eines Feelgood-Managers: Massage am Arbeitsplatz (m), Betreuung beim Erfolgs-Gong, oder Surf-Stunden geben. Foto: Daniel von Loeper

Er macht Friseurtermine für Kollegen oder geht für sie zum Amt: Norbert Nagel arbeitet als „Feelgood-Manager“ in einer Reisefirma.

 

München Das ist also das Büro, in dem nur gute Laune herrscht. Auf den ersten Blick könnte es auch ein x-beliebiges sein: ein Großraum, vollgestellt mit Tischen und PCs. Menschen telefonieren, beraten sich, Büroalltag. Und doch soll hier etwas anders sein: Denn das Reiseunternehmen Travador, das hier im Glockenbachviertel seinen Sitz hat, beschäftigt einen „Feelgood-Manager“ für seine Angestellten.

Seine Aufgabe:

den Kollegen den Alltag erleichtern, vom Friseurtermin bis zur Wohnungssuche. Norbert Nagel heißt der Mann, der seine Kollegen glücklich machen will. Man soll ihn aber Norbert nennen. Schließlich ist die Firma, die im Internet Reisen anbietet, ein „Startup“, also noch jung. Da ist man schnell per Du.

„Feelgood-Manager“ nennt der 31-Jährige sich selbst, man könnte auch einfach „Kümmerer“ sagen. Aber so ein Internet-„Startup“, das ist eben eine Welt, in der der Verkauf „Sales“ heißt und der Kundenservice „Customer Care“.
Also ein Manager fürs Wohlbefinden, „Feelgood“. Norbert, lockerer Typ, groß, sportlich, erklärt es so: „Das wird einfach unterschätzt: Die Leute müssen sich wohlfühlen, dann sind sie produktiver.“ An sich keine neue Erkenntnis, „aber ich bin halt für die Leute da.“

Da sein heißt, Norbert organisiert: Friseurtermine, Wohnungsbesichtigungen für neue Mitarbeiter, kleine Geschenke zum Geburtstag. Wer Sorgen hat, kann mit ihm reden. Von seinen Chefs hat der 31-Jährige dafür ein monatliches Budget zugesprochen bekommen, fünfstellig.

„Wir hatten überlegt, ob wir einen bunten Tag machen heute, aber das wäre gestellt gewesen“, sagt Norbert als er durch das Büro führt. Dass Dinge echt sind, authentisch, wenn man so will, das scheint ihm wichtig. Und dass die Stimmung gut ist, herzlich. Die Idee mit dem Gut-Fühl-Manager war seine. Eingestellt wurde der Betriebswirtschaftler letzten Herbst im Verkaufsbereich. „Am Anfang hab ich kleine Events organisiert und dann wurde klar: es gibt eine Nachfrage.“

Den Willen zur guten Stimmung erklärt er mit seiner eigenen Geschichte: Vor sechs Jahren hatte er einen Gehirntumor, inzwischen ist er wieder fit, aber die Krankheit war prägend. „Ich weiß, wie wichtig es ist, sich in der Arbeit wohl zu fühlen.“ Deshalb hat er seine Chefs davon überzeugt, sich inzwischen fast in Vollzeit um das Betriebsklima kümmern zu dürfen – selbst in der Freizeit.

Wenn ein Mitarbeiter einen Vertrag fix macht, dann ertönt der Gong

Manchmal geht Norbert mit den Kollegen zum Surfen oder Snowboarden, die Bretter stehen immer an die Wand gelehnt in seinem Büro. Er ist Lehrer für beides. „Neulich war ich mit einem Kollegen am Eisbach und hab ihm das Surfen beigebracht“, erzählt er. Für die Mitarbeiter seien das die „Goodies“, die Zuckerl, die motivieren sollen.

Das Kernstück der Management-Idee ist jedoch rund, aus Metall und steht auf einem kleinen Tisch im hinteren Teil des Großraumbüros: ein Gong. Der wird dann geschlagen, wenn ein Mitarbeiter einen Vertrag mit einem Hotel fix gemacht hat. Dann sollen alle mit ihm jubeln.

Letzten Oktober hat Norbert den Gong aufgestellt. Das ganze Büro soll am Erfolg des Einzelnen teilhaben können. Am Anfang ging das ein bisschen schleppend: „Der erste Gong war wirklich leise. Aber dann hat der Geschäftsführer gesagt: Wenn ihr einen Abschluss macht, dann haut bitte richtig drauf.“ Seitdem läuft es. Es sei von der Stimmung her wie im „The Wolf of Wall Street“, jenem Film, in dem Leonardo DiCaprio den exzentrischen Börsenmakler Jordan Belford spielt. „Nur ohne das Koks und den ganzen Rest halt“, sagt Norbert. Auf Droge sei bei ihnen keiner: „Es ist eine positive Verrücktheit.“

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Kurz nach elf Uhr wird diese Aussage dem ersten Praxistest unterzogen: Da springt Giovanni Goff (25) von seinem Platz auf, schlendert zum Gong, schlägt dagegen, reißt die Arme hoch. Ein kurzer Jubel im Büro. Fast schon routiniert sieht das aus. „Er ist einer unserer besten Verkäufer“, sagt Norbert. Vielleicht nutzen sich auch Motivationsklänge irgendwann ab.

Goff sieht das nicht so: „Wenn du einmal draufgehauen hast, willst du immer wieder draufhauen.“ Seit neun Monaten ist er in der Firma, doch bei jedem Vertrag, den er abschließt, schießt ihm immer noch Adrenalin ins Blut, erzählt er. Der Gong setze dem Gefühl die Krone auf.

Wer sich gut fühlt, der arbeitet mehr – das rechnet sich

Von Norbert hat sich der 25-Jährige schon einmal die Verlängerung des Reisepasses organisieren lassen. Auch Pakete bei der Post abholen sei schon drin gewesen: Die Post, hat genau dann auf, wenn er arbeiten muss: „Das schaff ich gar nicht“, sagt Goff: „Die Firma will ja, dass man engagiert ist im Job. Das ist zeitaufwendig – und so kriegt man Unterstützung.“

Es scheint der Kern des Ganzen. Engagement, klar, das ist auch Geld. Um das Reisegeschäft am Laufen zu halten, müssen Hotels geworben, Werbetexte geschrieben, Kunden betreut werden. Die Firma wächst, 82 Menschen arbeiten hier, im Büro ist der Geräuschpegel hoch. Wenn viel zu tun ist, bleiben viele Mitarbeiter länger. Ein Umstand, bei dem das gute Gefühl schnell abhanden kommen könnte – außer, man steuert aktiv dagegen. Da rechnet sich unterm Strich wohl auch ein Feelgood-Manager. Was er verdient, will Norbert zwar nicht verraten. „Das Geld reicht für meine Hobbies“, sagt er.

Aber die lebe er ja auch im Job aus. Kein Wunder, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit bei ihm verschwimmen. Wenn er am Wochenende seinen Kollegen das Snowboarden beibringt, ist er auch am Montag wieder im Büro.

Das wird sich so schnell nicht ändern, denn die Firma will wachsen. Für Norbert bedeutet das mehr Arbeit und neue Aktionen: Er will zum Beispiel eine Tischtennisplatte und einen Kickertisch aufstellen. Auch ein Punktesystem für die Mitarbeiter kann er sich vorstellen. Wer Sport macht, bekäme dann nach einer Zeit eine Überraschung. „Das sind so Pläne, die ich hab“, sagt er. „Und dann schau ‘mer mal.“

 

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