Wer folgt Ancelotti? Hoeneß und Rummenigge: Die Machtfrage um den Trainer

Uli Hoeneß (l.) und Karl-Heinz Rummenigge: Wer von den Bayern-Bossen setzt sich in der T-Frage durch? Foto: dpa

Tuchel oder doch Nagelsmann? Die Trainersuche beim FC Bayern wird auch zum Kräftemessen der Bosse Hoeneß und Rummenigge. Ex-Bayer Dietmar Hamann sagt: "So lange sie sich nicht einig sind, ist der Verein führungslos."

 

München - Wird die Trainerfrage am Ende etwa zur ultimativen Machtfrage beim FC Bayern? Das glaubt zumindest Dietmar Hamann. Der Ex-Bayer bewertet das Verhältnis zwischen Präsident Uli Hoeneß (65) und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (62) als kritisch. "Die beiden Herren sind sich nicht einig. So lange sie sich nicht einig sind, ist der Verein führungslos. So, wie es im Moment ist, kann es nicht weitergehen", sagte Hamann bei Sky. Hamann hält sogar eine Zuspitzung für möglich: "Wenn sie sich nicht wieder annähern und mit einer Stimme sprechen können, dann wird es über kurz oder lang nur so gehen, dass nur einer überbleibt."

Eine ziemlich drastische Einschätzung der momentanen Befindlichkeiten beim FC Bayern. Die Antwort, die die Münchner auf die nach der Entlassung von Carlo Ancelotti offene Trainerfrage geben werden, dürfte aber tatsächlich auch eine auf die schwelende Machtfrage im Klub werden. Zumal die Bayern-Bosse wohl unterschiedliche Lösungen bevorzugen. Rummenigge wird eher mit der pragmatischen in Verbindung gebracht. Die würde Thomas Tuchel (44), der nach seiner Entlassung bei Borussia Dortmund vertragslos und somit sofort verfügbar wäre, heißen und den viele Experten als idealen Kandidaten sehen.

Tuchel neuer Bayern-Trainer? Es gibt auch Zweifel

"Für mich ist Tuchel der ideale Kandidat. Er verfolgt die Guardiola-Schule, ist ein unheimlich guter Trainer und ein absoluter Fachmann", sagte Hamann. Es gibt aber auch Zweifel. Bundesliga-Trainer Armin Veh, derzeit ohne Job, verwies auf die zwischenmenschlichen Aspekte, die bei Tuchel letztlich zum Ende der Zusammenarbeit beim BVB geführt hatten. "Die Frage bei Thomas ist, ob er etwas gelernt hat aus den zwei Jahren Dortmund. Wenn nicht, bekommt er Probleme", sagte Veh.

Die Hoeneß’sche Lösung wäre dagegen die emotionalere, aber auch kompliziertere: Der in München verwurzelte Julian Nagelsmann, der momentan allerdings noch bis 2021 bei Hoffenheim unter Vertrag steht. Lothar Matthäus hält den 30-Jährigen unbeirrt für den zukünftigen Bayern-Coach. "Ich glaube, dass Nagelsmann ganz oben steht. Er ist der Wunschkandidat", sagte der Sky-Experte und ergänzte: "Bis es dazu kommt, muss man eine Übergangslösung finden. Deswegen glaube ich nicht, dass Thomas Tuchel Trainer beim FC Bayern wird.“

Sagnol und Scholl als Platzhalter für Nagelsmann?

Als Platzhalter, bis Nagelsmann im kommenden Sommer eventuell verfügbar wäre, sind Interimscoach Willy Sagnol und Mehmet Scholl im Gespräch. Beides Hoeneß-Vertraute. Sagnol wehrte nach dem 2:2 bei Hertha BSC, seinem ersten und vielleicht auch letzten Spiel als Interimstrainer, sämtliche Fragen zu seiner Zukunft ab. Mit ihm wurde offenbar nur über das Sonntagsspiel in Berlin gesprochen, mehr nicht. "Wir sind in einer schwierigen Phase", erklärte der 40-Jährige und forderte: "Wir müssen wieder mehr zusammenarbeiten. Die Qualität haben wir." Und was wird mit ihm? "Ob ich Interesse habe, ist nicht unser größtes Problem. Unser größtes Problem ist, dass wir eine Lösung finden und dass Bayern wieder erfolgreich ist."

Rummenigge oder Hoeneß? Wer setzt sich am Ende durch?

Doch wann ist es soweit? Nagelsmann blockte die Frage nach dem Bayern-Interesse am Sonntag ab. Bei Eurosport sagte der 30-Jährige auf die Frage, wie er mit dem Thema FC Bayern umgehe: "Gar nicht. Zu der Trainersuche äußern sich so viele Experten, da muss man nicht auch noch meine Meinung hören." Ein klares Dementi klingt jedenfalls anders. "Er ist ein außergewöhnlicher Trainer, der gut mit dem Thema umgeht", sagte Hoffenheims Geschäftsführer Hansi Flick, "wir haben schon gesagt, dass wir nicht glauben, dass er bei uns in Rente geht. In den nächsten Jahren wird sich vielleicht etwas ändern."

Womöglich schon bald. Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic meinte in Berlin (alle Stimmen zum Spiel): "Sicher gibt es Gespräche, aber über Namen reden wir nicht." Und wer darf über die langfristige, große Lösung entscheiden? "Beim FC Bayern ist das nie eine One-Man-Show“" sagte Salihamidzic, "wir entscheiden alle zusammen – und das soll auch diesmal so sein."

Fragt sich nur, wer sich am Ende durchsetzt: Rummenigge oder Hoeneß.

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