Wer braucht heute noch TV? Kann Streaming herkömmliches Fernsehen ersetzen?

Streaming-Anbieter wie Netflix werden immer beliebter. Kann das Internet das klassische Fernsehen bald ersetzen? Foto: Netflix

Alle Jahre wieder werden das Radio und das Fernsehen totgesagt. Dabei halten sich die beiden doch eigentlich äußerst wacker. Mit der aktuellen Entwicklung stellt sich allerdings die Frage: Kann Streaming das klassische Fernsehen ersetzen?

 

Schon 1979 wurde nicht zuletzt wegen der Popgruppe The Buggles die Meinung laut, dass Videos doch tatsächlich das Radio verdrängen könnten. Über 35 Jahre später gibt es dank des Internets wohl mehr Radiosender als jemals zuvor - in Form von Streams und Podcasts. Auch das Fernsehen ist irgendwie nicht totzukriegen, obwohl der Flimmerkiste im Wohnzimmer - oder besser gesagt den alteingesessenen Fernsehsendern - nach dem Erscheinen von Formaten wie VHS, DVD und Blu-ray immer wieder eine schwindende Bedeutung zugesprochen wurde.

Mit stetig beliebter werdendem Video-Streaming stellt sich nun erneut die Frage, ob dem klassischen Fernsehformat wohl schon bald das Aus droht - dank Video-on-Demand-Anbietern wie Netflix und Amazon Prime Instant Video, Clip-Plattformen wie Youtube und Streaming-Portalen wie Twitch. Die einfache Antwort: Nein. Zwar greifen gerade junge Menschen mehr und mehr auf die Internet-Angebote zurück, doch auch sie sehen noch gerne TV. Das beweisen schon die allabendlichen Einschaltquoten von Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar". Ebenfalls gerade beim jungen Publikum sehr beliebt: US-Serien wie "The Big Bang Theory".

Tatsächlich ersetzen könnte Streaming das klassische Fernsehen aber durchaus. Mit Diensten wie "Magine TV" lässt sich eigentlich das komplette Fernsehprogramm direkt auf Smartphone, Tablet, PC und Co. streamen - 30 Tage lang kostenlos, dann gegen eine geringe Gebühr. Der Fernsehanschluss ist also theoretisch überflüssig. Netflix, Youtube und Co. werfen dazu noch zusätzliche Inhalte mit in den Unterhaltungs-Topf.

Mit sogenannten Smart-TVs oder zusätzlicher Hardware wie Googles Chromecast kommen die Inhalte auch direkt auf den Fernseher. Das funktioniert zwar mittlerweile nahezu so komfortabel wie beim Fernsehen, aber ab und an ruckelt es in der Benutzerführung und die Reaktionszeiten mancher Geräte sind nicht immer ganz zufriedenstellend. Das benötigte Buffern - also das bestenfalls nur anfängliche Laden der Videoinhalte - dürfte zudem so einige Nutzer nerven. Zapping-Freude kommt so jedenfalls nicht auf. Das einzige wahre Hindernis für einen kompletten Umstieg ist für viele aber einfach nur die Breitbandinfrastruktur in Deutschland. Denn bei weitem nicht jeder kann zuhause auf schnelles Internet zugreifen.

Eine andere, passendere Frage wäre jetzt tatsächlich wohl, ob nicht das gute alte Fernsehgerät an sich bald der Vergangenheit angehören könnte. Ja, die Sehgewohnheiten der Menschen ändern sich. Per Smartphones und Tablet können Nutzer mittlerweile überall ohne Probleme unendlich viele Inhalte konsumieren.

Aber auch der LED- oder Plasma-Fernseher dürfte noch eine ganze Weile in den deutschen Wohnzimmern zu finden sein. Denn sind wir doch mal ehrlich: Wer will schon durchgängig Blockbuster und Serien-Highlights auf einem im Verhältnis doch sehr kleinen Tablet-Display sehen, wenn er sie - insofern die Möglichkeit gegeben ist - stattdessen auf einem großen TV-Gerät oder einem Beamer anschauen kann.

Es steht außer Frage, dass sich die Fernsehlandschaft auch in Zukunft immer weiter entwickeln wird, gerade wegen dem Angebot von Netflix, Youtube und Konsorten. Totsagen sollte man das gute alte Fernsehen deshalb aber noch lange nicht.

 

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