Wenn Schausteller Hilfe brauchen Unterwegs mit dem Wiesn-Seelsorger

Für einen Plausch an den Buden nimmt sich Pater Paul gerne Zeit. Wenn er auf der Wiesn einen Termin hat, kommt er deshalb immer mindestens eine halbe Stunde früher. Foto: Daniel von Loeper

Pater Paul ist Seelsorger auf dem Oktoberfest: Er kennt alle Schausteller und Wirte, managt private Krisen und tauft am Donnerstag im Hippodrom.

 

München -  Läuft Pater Paul Schäfersküpper (64) über die Festwiese, muss er immer Extrazeit einplanen. „Unter dreißig Minuten schaffe ich es nie dorthin, wo ich verabredet bin“, lacht er und seine Augen strahlen hinter der runden, silbernen Brille. „Ich bin hier bekannt wie ein bunter Hund.“

Seit zwölf Jahren ist Pater Paul katholischer Wiesn-Seelsorger, hat schon zahlreiche Schausteller-Kinder getauft und vielen Marktleuten durch private Krisen geholfen.

Er schätzt, dass er rund 250 Verkäufer und Schausteller persönlich kennt. Bei seinem Bummel über die Festwiese bleibt der Dominikaner deshalb immer wieder zu einem Plausch stehen, winkt Bekannten, schüttelt Hände.

„Schausteller haben dieselben Probleme wie alle anderen Menschen auch, müssen sie aber unter erschwerten Bedingungen lösen.“

Da ist etwa das Schausteller-Kind, was zwar am Firmunterricht teilnehmen konnte, aber zur Firmung selbst mit den Eltern herumreist. Pater Paul holt die Zeremonie dann nach, wenn die Familie zur Wiesn da ist.

Als ein Schausteller Selbstmord beging und seine Familie den Stand plötzlich allein betreuen musste, war Pater Paul da und spendete Trost.

Geht im Wohnwagen der Schausteller eine Ehe zu Bruch, ist das auf engstem Raum und durch die finanzielle Bindung an den Stand oft besonders schwer.

Aber auch schlechtes Wetter kann Krisen auslösen: „Kommen weniger Kunden, dämpft das die Stimmung sehr.“

Laut Pater Paul ist die Mehrzahl der Wiesn-Schausteller katholisch und sehr gläubig. „Ihnen fehlt dann rund neun Monate im Jahr der soziale Halt durch eine feste Kirchengemeinschaft.“ Umso gefragter ist seine Arbeit dann in den Wiesn-Wochen.

Privat geht er kaum auf die Wiesn – „das geht aufgrund meiner Bekanntheit ja gar nicht“.

Wird er aber von Schaustellern auf eine Freifahrt eingeladen, sagt der Pater nicht nein. „Man muss trotz seiner Arbeit ja auch Mensch bleiben“, meint er.

Könnte er mit einem der Schausteller tauschen, würde Pater Paul das Karussell „Starflight“ übernehmen. „Dort oben herumzuwirbeln macht mir immer einen Riesenspaß!“

 

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