Weniger Plätze für Spontane Reservierungs-Wahnsinn: Jetzt trifft's die Oide Wiesn

, aktualisiert am 18.07.2017 - 09:33 Uhr
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Am heutigen Dienstag soll der Stadtrat beschließen, dass in zwei Zelten deutlich mehr Tische fest vergeben werden wie in der Vergangenheit.

München - Ein jeder hat das Publikum, das er verdient, heißt es. Aber ein bisschen nachhelfen möchte die Stadt dann doch. Zwei der Zelte auf der Oidn Wiesn jedenfalls, das Herzkasperlzelt und das (neue) Volkssängerzelt "Zur Schönheitskönigin", sollen heuer zwei Drittel aller Plätze für Gäste reservieren dürfen. Eigentlich war ein Drittel für reservierte Plätze vorgesehen gewesen. Das hatte der Stadtrat erst im Mai beschlossen.

Statt Laufkundschaft will die Stadt auf der Oidn Wiesn jetzt aber verstärkt ein kulturelles Publikum haben – das sich ganz bewusst etwa dem Volkssängerzelt zuwendet. Und dann auch mitsingt. Im Herzkasperlzelt sollen künftig 1165 Plätze (von 1748) reserviert werden dürfen, im Volkssängerzelt 456 (von 684).

Den entsprechenden Vorschlag will sich Wiesn-Chef Josef Schmid am Dienstag vom Stadtrat absegnen lassen. Wie es in seinem Antrag sinngemäß heißt: Wenn man vor lauter Unruhe sein eigenes Wort nicht versteht, bringt einem auch das allerausgefeilteste Bühnenprogramm nichts.

Schmid begründet die Reform mit der Brauchtumspflege. "Mit dem Herzkasperl- und dem Volkssängerzelt wollen wir dem bayerische Brauchtum auf der Oidn Wiesn noch mehr Geltung verschaffen", sagte er gestern der AZ.

"Beide Zelte bieten deswegen ein hochwertiges kulturelles Programm, das die bisherigen Angebote auf der Oidn Wiesn komplettiert: Im Volkssängerzelt durch Gstanzl und Couplets, im Herzkasperl-Zelt durch neue Volksmusik." Deswegen seien vor allem Münchner sowie Besucher aus dem Umland angesprochen, das bayerische Brauchtum gemeinsam zu erleben, sagte Schmid. Eine "leichte Erhöhung der festen Reservierungen" sei also sowohl ganz im Sinne der Münchner als auch im Sinne des hochwertigen Kulturangebotes auf der Oidn Wiesn.

Im Stadtrat wird Schmid am Dienstag wohl eine Mehrheit für seine Reform bekommen. "Wir sind dafür", stellt Helmut Schmid, in der SPD-Fraktion für Wiesn-Themen zuständig, klar. Es gehe darum, eine Ungleichbehandlung zwischen den Wiesn-Wirten zu beenden. "Andere große Zelte dürfen bis zu 100 Prozent Auslastung reservieren – und auf der Oidn Wiesn geht es ja auch noch um ein hochwertiges Kulturprogramm!" Auch die Grünen wollen zustimmen. "Wir finden das nachvollziehbar", sagte Grünen-Stadträtin Lydia Dietrich. "Generell sind wir kritisch bei zu vielen Reservierungen, aber mit dem festen Musikprogramm ist das anders." Die Oide Wiesn, sie wird heuer ziemlich neu.


So kommt man an einen WIesn-Tisch


"Is des unserer?" Wer einen Tisch auf der Wiesn will, braucht ein wenig Glück. Foto: dpa

Wirte müssen auch spontanen Wiesnbesuchern Plätze frei halten. Von Montag bis Freitag sind 25 Prozent aller Plätze für Spontanbesucher und am Wochenende 35 bis 50 Prozent. Das sind laut Oberbürgermeister Dieter Reiter insgesamt 150 000 freie Plätze.

Wer mit einer großen Gruppe kommt, sollte aber besser vorab reservieren. Auch wenn die Zelte meist schon frühzeitig ausgebucht sind, gibt’s durch Stornierungen immer wieder freie Plätze. Die Wirte informieren auf den Webseiten der Festzelte über verfügbare Plätze. Reservierungen zur Mittagswiesn (das heißt, unter der Woche bis 17 Uhr) sind aber immer noch möglich.

Zudem bietet jedes Festzelt zur Mittagswiesn einen großen Bereich, in dem nicht reserviert werden kann, und es werden besondere Mittagsschmankerl angeboten. Gerade in der Woche vor Beginn der Wiesn werden Reservierungen zurückgegeben. Nachfragen lohnt also immer.

Lesen Sie hier: Wiesn-Sicherheit: Heuer wird noch genauer überwacht

 

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