Weniger Arbeit, gleiches Gehalt Sechs-Stunden-Tag ohne Abstriche: "Es herrscht Handyverbot"

Ihre Mitarbeiter sind nun weniger krank, sagen Karin und Günter Dillig. Foto: Dillig

Zwei Stunden weniger Arbeit, gleiches Gehalt: Ein Unternehmen aus Niederbayern führt den Sechs-Stunden-Tag ein - die Chefs über die Idee.

Straubing - Es klingt wie der Traum jedes Arbeitnehmers: jeden Tag zwei Stunden weniger arbeiten bei gleichem Gehalt. Das Straubinger Stellenanzeigenportal Jobroller hat diesen Traum wahr werden lassen. Seit Oktober 2017 gilt für die rund 25 Mitarbeiter der Sechs-Stunden-Tag - die Geschäftsführer Karin und Günter Dillig über ihr Projekt:

AZ: Frau und Herr Dillig, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihren Mitarbeitern täglich zwei Stunden der Arbeitszeit zu schenken?
Günter Dillig: Wir haben immer wieder in Studien gelesen, dass die Arbeitnehmer dabei die gleiche Leistung bringen wie bei einem Acht-Stunden-Tag. Das hat uns fasziniert. Wir haben gesagt, lass uns das probieren. Durch die fehlende Mittagspause, die der Mitarbeiter sonst in der Firma verbringt oder zum Essen hetzt, schenken wir ihm sogar drei Stunden.

Wie sind Ihre Erfahrungen nach einem halben Jahr?
Karin Dillig: Die Mitarbeiter nehmen das sehr gerne an. Kein Mensch kann acht Stunden lang kontinuierlich die gleiche Leistung bringen. Vor allem jetzt im Frühjahr bleibt ihnen Zeit für Aktivitäten, die sie an einem Acht-Stunden-Tag vielleicht nicht machen würden: länger Radlfahren, mit dem Kind zum Spielplatz gehen. Das sind Dinge, die einen Mehrwert der Freizeit darstellen, der sich aber im Beruflichen widerspiegelt, weil die Mitarbeiter motivierter sind und lieber in die Arbeit gehen.

Ist der Sechs-Stunden-Tag noch in der Testphase oder schon fest eingeführt?
Günter Dillig: Die Testphase ist wahrscheinlich nie abgeschlossen. Jeder hat nach wie vor Acht-Stunden-Arbeitsverträge, wir könnten jederzeit zurückrudern, wenn die Ergebnisse nicht stimmig wären. Aber bisher funktioniert es. Wir haben gleichbleibende bis mehr Leistung, zufriedenere Gesichter, mehr Identifikation mit dem Unternehmen und definitiv weniger Krankheitstage.

Raucherpausen oder ein kurzer Ratsch im Büro sind jetzt wahrscheinlich tabu, oder?
Günter Dillig: Wir haben ausschließlich Raucher in der Firma. Das ist alles gut, wenn das Ergebnis am Ende des Tages stimmt. Aber wir sind akribisch dahinter, dass die Sozialen Medien ausschließlich geschäftlich genutzt werden und es herrscht Handyverbot während der Arbeitszeit.

Würden Sie sich wünschen, dass Ihr Vorbild Schule macht?
Karin Dillig: Es kann sicher nicht in jeder Branche funktionieren. Bei uns spielt die Zufriedenheit des Mitarbeiters eine große Rolle, vor allem wenn es um den Verkauf geht.
Günter Dillig: Das würde zum Beispiel in einer Autowerkstatt problemlos funktionieren. Hundertprozentig. Das Wichtigste ist, dass man das in irgendeiner Art und Weise kontrollieren kann, sonst hat man keine Chance. Nur wenn man die Arbeitsleitung der Mitarbeiter Form messen kann, kann das funktionieren.

 

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