Weltfußballer-Wahl Warum Müller keine Chance gegen Messi und Ronaldo hat

Sechster bei der Weltfußballer-Wahl: Thomas Müller Foto: dpa

Bayern-Star Thomas Müller wird bei der Weltfußballer-Wahl Sechster. Messi und Ronaldo dürften für Müller auch in Zukunft uneinholbar sein.

 

München - Schon wieder Ärger mit Matthias Sammer? Darauf hatte Robert Lewandowski offenbar keine Lust. Der Stürmer des FC Bayern stimmte bei der Wahl zum Weltfußballer diesmal ganz im Sinne des Vereins ab: Drei Bayern-Spieler – Manuel Neuer, Arturo Vidal und Thomas Müller – notierte Lewandowski, der als Kapitän der polnischen Nationalelf wahlberechtigt war, brav auf seinem Zettel. Da hat jemand dazugelernt. Im Vorjahr nämlich, als Lewandowski dem portugiesischen Sieger Cristiano Ronaldo den Vorzug gegenüber den Bayern-Stars Neuer und Bastian Schweinsteiger gegeben hatte, war der Angreifer von Sammer zum Rapport bestellt worden. Und siehe da: Die deutlichen Worte zeigten Wirkung.

Etwas überraschend stimmte der 27-Jährige aber auch in diesem Jahr ab. Platz eins und damit fünf Punkte gab Lewandowski Manuel Neuer, der in der Endabrechnung Platz sieben belegte (1,97 aller Stimmen), weit hinter dem überlegenen Sieger Lionel Messi (41,33). Dahinter entschied sich Lewandowski für Arturo Vidal, der mit Juventus das Champions-League-Finale erreicht hatte und zudem mit Chile die Copa America gewann. Dann erst folgte Thomas Müller auf Platz drei. Der Weltmeister wurde im Gesamtranking letztlich Sechster (2,21), damit war er bester Deutscher. Lewandowski schaffte es immerhin auf Position vier (4,17), hinter dem Dritten Neymar (7,86) und Ronaldo, dem Champion der beiden Vorjahre (27,76).

Messi und Ronaldo unerreichbar

Die großen Abstände zeigten einmal mehr: Mit Messi und Ronaldo, den weltbekannten Marken, kann aktuell kein anderer Spieler konkurrieren. „Cristiano Ronaldo und Messi stehen schon noch eine Stufe über den anderen, vor allem auch, was die Tor-Quote betrifft“, sagte Müller im Trainingscamp in Katar und fügte schelmisch hinzu: „Ich habe ja erst in dieser Hinrunde begonnen, auch mit ganz guten Quoten aufzuwarten.“ 14 Tore waren es für Müller in dieser Bundesliga-Hinrunde, so oft hatte er bislang nie in einer kompletten Spielzeit getroffen. Insgesamt 36 Pflichtspieltreffer gelangen ihm im vergangenen Jahr, zweifellos beeindruckende Zahlen – aber es geht eben noch besser.

„Messi spielt jedes Jahr auf einem unvorstellbaren Niveau“, sagt Bayern-Trainer Pep Guardiola: „Er schießt jedes Jahr 40, 50 Tore.“ Gut beobachtet, 2015 waren es satte 51 Treffer für den kleinen Argentinier, der nun schon seinen fünften Ballon d’Or gewann (Rekord). Und auch Ronaldo (57 Tore) und Neymar (45) lagen in der Baller-Statistik noch vor Müller. „Deutschland hat eine Menge exzellenter Fußballer. Aber es gibt keinen Ronaldo oder Messi“, sagt Oliver Kahn. Und Lothar Matthäus, der 1991 als einziger Deutscher Weltfußballer wurde, meinte in der „Sport Bild“: „Solange Ronaldo und Messi auf diesem Niveau weiterspielen, wird es weiterhin schwierig für einen deutschen Spieler“. Nur bei einem Sieg der Bayern in der Champions League und einem deutschen EM-Triumph in diesem Jahr gebe es laut Matthäus eine Chance.

Doch selbst das erscheint fraglich. Denn neben der sportlichen Leistung der beiden Giganten Messi und Ronaldo, die den Weltfußballer-Titel seit 2008 unter sich aufteilen, spricht auch ihr Bekanntheitsgrad dafür, dass sich daran in Zukunft nichts ändern dürfte. Messi hat 82 Millionen Facebook-Fans, Ronaldo sogar 109 Millionen. Und Müller? Der liegt bei „nur“ neun Millionen. „Dass er ein weltweit bekannter Spieler ist, steht außer Frage“, sagte Müllers Berater Ludwig „Wiggerl“ Kögl einmal im AZ-Interview. „Wenn man das Ganze als Mannschaftssport sieht, hätte Thomas Müller gute Chancen, Weltfußballer zu werden.“

Kein Problem für Müller

Doch genau darum geht es beim Ballon d’Or eben nicht. Es wird der beste Einzelkünstler gesucht, der populärste Spieler, der größte Star. Jemand, der von den stimmberechtigten Kapitänen, Nationaltrainern und Journalisten aus Guinea genauso gewählt wird wie von denen aus Hong Kong oder Kuba. Auf Messi und Ronaldo trifft das zu, Müller hingegen bekam seine Stimmen auch diesmal vor allem aus Europa. So gaben ihm etwa Bundestrainer Joachim Löw oder auch England-Spielführer Wayne Rooney drei Punkte, Ex-Bayern-Kicker Gernot Rohr, der zum Zeitpunkt der Wahl Burkina Faso trainierte, inzwischen aber zurückgetreten ist, wählte Müller sogar auf Platz eins.

„Er hechelt dem Ballon d’Or nicht hinterher“, sagt Berater Kögl, „Thomas ist ein Mannschaftsspieler und kein Messi oder Ronaldo.“ Der Bayern-Star versichert, dass ihm individuelle Auszeichnungen nicht wichtig sind. Weit weniger jedenfalls als seinem Verein, der aus Marketinggründen ganz gern einen Bayern-Star als besten Spieler der Welt sehen würde. Müllers Glück hängt aber nicht davon ab. Seine Prioritäten liegen woanders: „Ich will mit Bayern nach den Titeln greifen, am besten nach allen.“

 

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