Welt-Aids-Tag HIV: Viele wissen nicht mal von ihrer Infektion

Die Münchner Aidshilfe warnt: 14 000 Deutsche haben keine Ahnung, dass sie infiziert sind.  Wie es sich heute - auch in München - damit lebt.

 

München - Keiner da. Der Raum im zweiten Stock der Münchner Aidshilfe in der Lindwurmstraße bleibt leer, nur die AZ ist zur Pressekonferenz zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember gekommen. HIV, Aids – das ist offenbar kein Thema mehr.

Dabei gab es noch nie so viele Deutsche mit einer HIV-Infektion wie heute: Laut Schätzung der Aidshilfe sind 81000 Menschen positiv – jedes Jahr kommen laut Robert-Koch-Institut (RKI) 3400 dazu. In München sind 6500 Menschen HIV-positiv, schätzt die Aidshilfe – 150 infizieren sich jedes Jahr. Nicht viel für eine 1,4-Millionen-Stadt.

Macht das die Autoimmunkrankheit zu einem unterschätzten Problem? Die Lage:

Oft trifft es Schwule: Laut RKI waren knapp drei Viertel der Neuinfizierten 2012 Schwule (74 Prozent). Acht Prozent waren heterosexuelle Männer, elf Prozent Frauen. Sechs Prozent steckten sich beim Spritzen von Drogen an.

Oft nicht mehr ansteckend: Mit heutigen Therapien ist das HI-Virus schnell nicht mehr nachweisbar – Infizierte sind dann nicht mal mehr beim Sex ansteckend. HIV-positive Chirurgen dürfen deshalb auch seit kurzem wieder arbeiten.

Oft noch verteufelt: Wer HIV-positiv ist oder Aids hat, muss laut der Münchner Aidshilfe mit Diskriminierung rechnen. Laut Geschäftsführer Michael Tappe ist das sogar „die Regel“. Viele Infizierte bekämen oft keinen Termin bei Ärzten. Freunde wendeten sich ab, ebenso (Sex)partner. Auch im Beruf ist die Krankheit riskant – immer wieder müsse man die vielen Arzttermine erklären – oft mit Lügen.

Oft noch unentdeckt: Laut RKI wissen in Deutschland 14000 Menschen nicht, dass sie HIV-positiv sind. Ein Drittel sind 25 bis 34 Jahre alt. Laut Michael Tappe dauert es im Schnitt zwei bis fünf Jahre, bis diese Menschen von ihrer Infektion erfahren – währenddessen stecken sie andere an.

Oft noch tödlich: Wer behandelt wird, hat laut Tappe quasi die gleiche Lebenserwartung wie Nicht-Infizierte. Trotzdem sterben deutschlandweit noch immer 500 Menschen im Jahr an Aids. Laut Michael Tappe lassen Studien außerdem den Schluss zu, dass HIV-Infizierte früher Krebs bekommen – teilweise schon zehn Jahre früher als Nicht-Infizierte.

 

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