Weiterbildung Bayerns Volkshochschulen profitieren von Eurokrise

Die Volkshochschule am Gasteig. Auch hier werden Deutschkurse angeboten. (Archivbild) Foto: Gregor Feindt

Die Eurokrise beflügelt Deutschkurse an bayerischen Volkshochschulen – Spanier, Griechen und Portugiesen treiben die Zahl der Interessenten nach oben

München - Die Volkshochschulen in Bayern verzeichnen aufgrund der Eurokrise einen Ansturm auf Deutschkurse. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur dapd kommen vor allem aus den südlichen Ländern Europas viele Menschen in den Freistaat, um dort Deutsch zu lernen und zu arbeiten. Das Interesse sei aufgrund der schlechten Wirtschaftssituation zahlreicher europäischer Staaten gestiegen.

Der Managementdirektor der VHS München, Klaus Meisel, sagte der dapd, in der bayerischen Landeshauptstadt sei das Kursangebot der gesamten VHS 2012 im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent gestiegen. Bei den Deutschkursen sei der Anstieg aber deutlich größer: Zehn Prozent mehr Kurse werden in diesem Bereich angeboten. Vor allem aus Südeuropa – vorwiegend aus Spanien und Portugal - kämen mehr Menschen.

Auch an der VHS in Erlangen, die nach eigenen Angaben das umfangreichste Deutsch- und Integrationsprogramm in Bayern anbietet, steigt das Interesse an den Kursen. „Der Trend geht nach oben“, sagte die Leiterin der Volkshochschule, Christine Flemming. Im vergangenen Wintersemester legten 1.300 Menschen einen Deutschtest ab. Zwar gebe es keine Erhebung, ob die Zahl der Prüflinge aus Euro-Krisenländern gestiegen sei, die griechische Gemeinde habe ihr aber von einem steigenden Interesse aus dem Land berichtet. „Es versuchen mehr Griechen hier Fuß zu fassen“, sagte Flemming. Einen Mangel an Deutschlehrern gebe es deswegen aber nicht. Wegen der Nähe zur Universität sei die VHS Erlangen gut aufgestellt. 

Neue Schülerkurse in Ingolstadt

In Ingolstadt macht sich der Ansturm vor allem bei den Schülern bemerkbar. Bis vor drei Jahren habe es keine schulbegleitenden Deutschkurse gegeben, nun seien es bereits drei Kurse mit jeweils bis zu 15 Teilnehmern, sagte die Leiterin der Ingolstädter VHS, Petra Neumann. Vor allem von 6- bis 16-Jährigen aus Krisenländern wie Griechenland, Rumänien oder Bulgarien würden die kostenlosen Angebote wahrgenommen. Bei den Erwachsenen sei die Zahl der Interessenten für Deutschkurse dagegen in etwa konstant. „Im Bezahlbereich merkt man von Zuwächsen durch die Krise wenig“, sagte Neumann.

Die Zahl der Deutschkurse ist in Regensburg in den vergangenen Jahren zwar konstant bei etwa 30 bis 40 pro Semester geblieben. Geändert hat sich aber die Zusammensetzung der Teilnehmer. „Jetzt kann man schon feststellen, dass viele Arbeitsimmigranten in die Kurse kommen“, sagte die Fachbereichsleiterin Deutsch als Fremdsprache, Eva Winisch. Früher seien die Menschen dagegen eher aus privaten Gründen nach Deutschland gezogen. Vor allem aus Spanien kämen heute viele junge, gut ausgebildete Menschen, die ein breites Berufsspektrum abbildeten. Auch aus Ungarn und Rumänien sei der Zulauf größer geworden. Aus Griechenland kämen dagegen nur vereinzelt Interessenten.

Bundesweit deutlich mehr Griechen und Italiener in Kursen

Bundesweit wertet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Teilnehmer am Allgemeinen Integrationskurs aus. Dieser beinhaltet einen Sprachkurs und findet zu zwei Dritteln an Volkshochschulen statt. Das BAMF erfasst dabei auch die Herkunftsländer der Migranten. Die Gesamtzahl setzt sich neben den Teilnehmern des Allgemeinen Integrationskurses unter anderem aus denen des Alphabetisierungskurses, des Eltern- und Frauenintegrationskurses und des Förderkurses zusammen. Mit mehr als 75 Prozent im ersten Quartal 2012 wird der Allgemeine Integrationskurs jedoch am häufigsten besucht.

Die Anzahl der neuen Teilnehmer aus Euro-Krisenstaaten stieg bei diesem Kurs erheblich an: Griechische Staatsbürger etwa machten demzufolge im ersten Quartal 2012 einen Anteil von 3,2 Prozent aus, was Platz sechs unter den Nationalitäten entspricht. 2011 waren es noch 1,5 Prozent und der 17. Rang. Die Italiener steigerten sich im gleichen Zeitraum vom 15. auf den 10. Platz und von 1,9 auf 2,7 Prozent.

Das BAMF könne die Herkunftsländer der Teilnehmer allerdings nicht nach Bundesländern aufsplitten, wie BAMF-Sprecher Enrico Manthey auf dapd-Anfrage sagte. Die rund 4.000 Neuteilnehmer des Integrationskurses in Bayern bedeuteten im ersten Quartal 2012 bundesweit einen Anteil von 15,1 Prozent.

 

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