Weil Fachkräfte in München fehlen Pfleger von den Philippinen, Spanierinnen für die Kita

München und der Fachkräftemangel: Weil sie in nicht genügend Personal für Kinderbetreuungseinrichtungen und Seniorenheime findet, setzt die Innere Mission in Zukunft auf ein multikulturelles Team.

 

München - Die Situation ist dramatisch: In Münchens Kinderbetreuungseinrichtungen können 500 Stellen nicht besetzt werden, auch in der Altenpflege werden Fachkräfte händeringend gesucht.

Die Innere Mission hat deshalb schon im September 2012 auf Hilfe aus dem Ausland gesetzt und zehn griechische Erzieherinnen verpflichtet, um den Personalnotstand in ihren 13 Kindertagesstätten abzumildern. Jetzt wird das Team noch internationaler – dank Pflegekräften aus Bosnien, Vietnam und von den Philippinen sowie spanischen Erzieherinnen.

„Die Verantwortliche für unsere Kindertagesstätten war Anfang des Jahres in Spanien und hat mehr als 30 Vorstellungsgespräche geführt“, sagte Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission, gestern auf der Jahrespressekonferenz des Diakonie-Unternehmens. „Ich gehe davon aus, dass wir zum März 20 Fachkräfte einstellen.“ Die Bewerberinnen seien ausgebildete Erzieherinnen mit Deutsch-Kenntnissen.

In ihrem krisengeschüttelten Heimatland haben die Frauen keine Perspektive, hier braucht man sie dringend.

Dasselbe gilt für neun Altenpflegekräfte aus Bosnien, die seit Herbst 2013 in Heimen der Inneren Mission München arbeiten. Im Frühjahr werden weitere dazukommen.

Außerdem sollen ab Februar 15 Pflege-Fachkräfte von den Philippinen ihren Dienst in Bayern antreten (in dem asiatischen Insel-Staat sind derzeit mehr als 200 000 Pflegerinnen und Pfleger arbeitslos). „Diese Menschen haben in der Schweiz schon 18Monate im Pflegebereich gearbeitet und müssen das Land nun aus ausländerrechtlichen Gründen verlassen“, erklärt Günther Bauer die Hintergründe. In Deutschland seien die Anerkennungsverfahren bereits abgeschlossen, die Frauen und Männer dürften unbefristet bleiben. Und sie verdienen nicht schlecht: „Das Einstiegsgehalt bei der Inneren Mission liegt bei 2600,97 Euro brutto“, sagt der Vorsitzende.

Ein Gehalt, von dem viele Vietnamesen nur träumen können. Wohl auch deshalb meldeten sich nach dem Asienbesuch von Ex-Vizekanzler Philipp Rösler im Sommer 2012 rund 1000 Bewerber auf 100 in Deutschland ausgeschriebene Pflegestellen. 23 von ihnen – alle haben eine abgeschlossene Ausbildung und sprechen ein wenig deutsch – werden seit Kurzem in der Pflegeakademie der Inneren Mission auf eine Tätigkeit im Freistaat vorbereitet; unter anderem, indem sie deutsche Pflege-Fachbegriffe pauken. Günther Bauer ist schon jetzt begeistert: „Das Projekt entwickelt sich sehr gut. Besonders positiv ist, dass alte Menschen in diesen Kulturen eine sehr hohe Wertschätzung erfahren.“

Trotz der Unterstützung aus dem Ausland sei auch die Ausbildung von eigenem Pflegepersonal wichtig, ergänzte Pressesprecher Klaus Honigschnabel und fügte nicht ohne Stolz hinzu: Mit 225 Schülern habe man an der Pflegeakademie so viele Schüler wie nie.

Auch die Pflegeversicherung und die Unterbringung von Flüchtlingen im Freistaat wurden auf der Jahrespressekonferenz angesprochen. Günther Bauer verlangte, den Beitrag zur Assekuranz um einen Prozentpunkt anzuheben – und nicht nur um einen halben, wie im Koalitionsvertrag vereinbart. „Das ist maximal ein halber Schritt“, so Bauer. Schließlich habe die Pflegeversicherung seit ihrer Einführung 1995 inflationsbedingt 25 bis 30 Prozent an Wert verloren. „Dadurch kostet ein Heimplatz heute durchschnittlich 300 Euro pro Monat mehr.“

Außerdem forderte der Missions-Chef von der Politik, die Personalkosten in Flüchtlingsunterkünften zukünftig zu 100 statt wie bislang zu 70 Prozent zu übernehmen und den Betreuungsschlüssel von 1:150 auf 1:100 aufzustocken. Dann appellierte er auch an Privatleute: Für die Unterbringung der Migranten werden dringend Mietwohnungen und -häuser gesucht.

 

3 Kommentare