Wegen NSU, Pegida & Co. Ude gründet Hilfe-Verein für Neonazi-Opfer

Demo gegen Pegida in München: Mit einem Verein will Alt-OB Ude das Vertrauen von Migranten zurückgewinnen. Foto: dpa

Dafür hat sich der Alt-OB prominente Unterstützung geholt. Zu den ersten Mitgliedern gehört auch die Kabarettistin Luise Kinseher

Das Behördenversagen bei den NSU-Morden, die einseitigen Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat – all das habe das Vertrauen von Migranten in die deutschen Behörden nachhaltig erschüttert, sagt Christian Ude. Gemeinsam mit prominenten Unterstützern hat der Alt-OB gestern deshalb einen Verein gegründet, der Opfern von rassistischer Gewalt zur Seite stehen soll.

 

Man könne nicht davon ausgehen, sagt Ude, dass der Rechtsstaat ausreichend Mechanismen geschaffen hätte, um sich um Opfer von rechtsextremer Gewalt zu kümmern. Bei den NSU-Morden seien schließlich lange Zeit sogar Angehörige der Opfer verdächtigt worden. „Da gibt es deutliche Defizite“, so Ude.

Der neue Verein soll diese Lücke nun schließen. Er soll eine Anlaufstelle für Menschen sein, die unter Ausgrenzung und Anfeindung zu leiden haben. Entsprechend haben die Initiatoren auch den Namen gewählt: Verein zur Unterstützung Betroffener rassistischer und rechtsextremer Gewalt und Diskriminierung – oder kurz: Before.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören neben Ude unter anderem auch der langjährige Stadtrat Siegfried Benker, die Kabarettistin Luise Kinseher und die frühere Biss-Chefin Hildegard Denninger. Gemeinsam wollen sie den Opfergruppen „öffentliche Autorität und Anerkennung verschaffen“.

Noch gibt es keine Geschäftsstelle und kein Personal. Trotzdem haben Ude und Benker ihr Konzept gestern eilig der Öffentlichkeit vorgestellt. Man habe nicht länger warten wollen, sagt der Alt-OB. Denn die Vereinsgründung sei zwar keine direkte Reaktion auf die allmontäglichen Pegida-Demos, das Thema Ausgrenzung habe durch die fremdenfeindlichen Kundgebungen aber „eine erschreckende Aktualität“ bekommen, so Ude.

Beschlossen wurde der Verein allerdings tatsächlich zur einer Zeit, als das Phänomen Pegida noch vollkommen unbekannt war. Auf Antrag der grünen Stadträtin Gülseren Demirel hatte das Stadtparlament schon im vergangenen Frühjahr entschieden, das städtische Angebot zu erweitern.

Familienmitglieder der Münchner NSU-Opfer hatten sich an Demirel gewandt. „Da haben wir festgestellt“, sagt die Grünen-Chefin, „dass wir keine Stelle haben, die Betreuung anbieten kann, weder rechtlich noch psychologisch“.

Anlass für den Beschluss hatte der Stadtrat genug. 2013 hatte die Münchner Polizei 382 rechte Straftaten registriert, davon 22 Gewaltdelikte – „und wenn jemand sein Viertel verlässt, weil er sich dort angefeindet fühlt, ist das da noch gar nicht eingerechnet“, sagt Ude.

Deswegen unterstützt die Stadt seinen neuen Verein mit knapp 270 000 Euro im Jahr. Sobald eine Immobilie für die Geschäftsstelle gefunden ist, soll es losgehen.

 

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