Wegen eines Vogels 450 ICE-Fahrgäste stundenlang in Tunnel gefangen

Der Niedernhauser Tunnel bei Idstein in Nordhessen war gestern wegen der Reparaturarbeiten nur eingleisig befahrbar. Der verirrte Vogel hatte auch die Oberleitung abgerissen. Foto: dpa

Ein verirrter Vogel prallt gegen den ICE von München nach Köln und löst einen Kurzschluss aus. 450 Passagiere bleiben ohne Toiletten und ohne Klimaanlage im Finstern stecken

 

Idstein - So hatten sich die Fahrgäste des ICE 528 aus München den Abschluss des langen Osterwochenendes nicht vorgestellt. Viele kamen vom Verwandtschaftsbesuch und wollten abends einfach nur noch nach Hause. Doch daraus wurde nichts: Die rund 450 Fahrgäste blieben um 20.45 Uhr mit dem ICE in einem Tunnel bei Idstein in Nordhessen stecken – Stromausfall.

Erst nach mehr als vier Stunden konnten sie befreit werden. Grund für die Panne war ein Vogel: Das Tier hatte sich in den Tunnel verirrt, im Gleis fanden Techniker später den Kadaver. Der Vogel war gegen einen Stromabnehmer geknallt und beschädigte auch die Fahrleitung des ICE, Teile der Oberleitung fielen auf den Zug, sagte ein Bahn-Sprecher. „Ich saß direkt darunter“, twitterte Passagierin Katrina Reichert aus dem Zug. „Handtellergroße flammende Fetzen.“

Da wussten die Fahrgäste noch nicht, dass sie noch stundenlang im Zug ausharren mussten. Kurzzeitig fiel das Licht aus, doch glücklicherweise sprangen die Notstromaggregate an, berichteten Betroffene. Ein größeres Problem waren aber die Zugtoiletten: Die liefen über, weshalb alle WCs im ICE gesperrt wurden. Auch die Luft wurde immer schlechter, die Klimaanlage war abgeschaltet. Vereinzelt hätten auch Passagiere im Zug geraucht.

Immerhin: Lob gab’s fürs Personal. Durchsagen gab’s regelmäßig, die Zugbegleiter verteilten kostenlose Getränke. Doch wegen der geschlossenen Toiletten verkniffen sich viele Fahrgäste eine übermäßige Flüssigkeitszufuhr. Erst gegen halb eins in der Früh war dann alles bereit für die Evakuierung der Fahrgäste: „Evak beginnt. Durch eine Tür. Alle sollen am Platz warten und einzeln abgeholt werden“, twitterte Katrina Reichert.

Erst gegen Viertel nach eins ging’s dann weiter nach Köln – Ankunft mit fünf Stunden Verspätung. Der liegengebliebene ICE musste abgeschleppt werden, auf der Strecke gab’s auch gestern noch Verspätungen. Galgenhumor bewies Twitter-Nutzerin „PappTella“: Sie fotografierte den ihr von der Bahn ausgehändigten Entschuldigungs-Gutschein und mutmaßte: „Freue mich schon auf das Geschenk für 5 Stunden im Tunnel stehen. Vielleicht gibt es ja Höhlenkäse.“

 

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