Wegen AfD-Mitgliedschaft Alice Weidel klagt: Sohn hatte niemanden mehr zum Spielen

Alice Weidel wurde wegen ihrer Parteizugehörigkeit privat geächtet. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Alice Weidel hat ein seltenes privates Interview gegeben. Darin spricht die lesbische AfD-Fraktionschefin über ihre Freundin Sarah Bossard und die gemeinsamen Kinder. Die Familie, die in der Schweiz lebt, hatte in der Vergangenheit wegen Weidels Mitgliedschaft in der rechtspopulistische Partei Freunde verloren.

 

Durch ihre politische Karriere hat sich das Privatleben von AfD-Fraktionschefin Alice Weidel (40) stark verändert. "Ich habe fast meinen gesamten Freundeskreis verloren. Die haben alle irgendwann gesagt: Wenn du in einer solchen Partei dabei bist, dann wollen wir nicht mehr mit dir zu tun haben", sagte Weidel der Schweizer "Weltwoche".

Alice Weidel und Partnerin Sarah haben zwei Söhne

Mit ihrer Schweizer Lebensgefährtin und den zwei Söhnen war sie 2018 von Biel im Schweizer Kanton Bern in den Kanton Schwyz gezogen. Ausschlaggebend sei gewesen, "dass unser ältester Sohn, der heute sechs Jahre alt ist, damals fünf, plötzlich niemanden mehr zum Spielen hatte am Nachmittag", sagte Weidel.

Kinder riefen Familie von Alice Weidel zu: "Scheiß-Nazi"

In Biel habe es Lichterketten gegeben und eine Unterschriftensammlung mit der Forderung, ihre Familie "privat zu ächten". Ein einschneidendes Erlebnis habe sie gehabt, als sie und die Söhne einmal von Kindern umkreist worden seien, die "Scheiß-Weidel", "Scheiß-AfD" und "Scheiß-Nazi" gerufen hätten.

Homophobe Sprüche verletzen Alice Weidel

Auf ihre Homosexualität sei sie in der AfD nicht oft angesprochen worden. Einzelne Parteimitglieder hätten aber schon Vorbehalte gegen ihre sexuelle Orientierung und ihr Lebensmodell geäußert. "Ich muss zugeben, dass mich das auch verletzt", sagte Weidel der Zeitung. In der AfD sei so eine Haltung aber "nicht hoffähig". Die rechtspopulistische AfD tritt für eine konservative Familienpolitik ein. Weidel sagte, eine anonyme Samenspende sei für sie und ihre Partnerin nicht infrage gekommen. Kinder hätten ein Recht, ihre Väter zu kennen. Ihre Partnerin habe als Adoptivkind aus Sri Lanka sehr darunter gelitten, ihre leiblichen Eltern nicht zu kennen. Später habe sie zumindest Mutter und Geschwister dann ausfindig gemacht.

Weidel, die sich selbst zum "bürgerlichen Flügel" ihrer Partei zählt, sagte in dem Interview weiter: "Die Mitglieder des rechten Flügels sind ein wichtiger Teil der Partei. Wir müssen eine gewisse Spannbreite aushalten."

Lesen Sie hier den Kommentar zum Thema: Alice Weidels Klagen - wohlfeile Worte


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