Wechsel zum FC Bayern Pfiffe und Hass: Goretzka in der königsblauen Hölle

, aktualisiert am 23.01.2018 - 11:39 Uhr
Plakat der Schalker Fans am Sonntagabend in Richtung Goretzka, der im Sommer zum FC Bayern wechselt. "Weder Kohle noch Titel sind mehr wert als unser Verein! Wer das nicht schätzt, kann sich sofort verpissen!" Foto: firo/Augenklick

Nach der Ankündigung, im Sommer zum FC Bayern zu wechseln, sieht sich Leon Goretzka massiver Kritik ausgesetzt – nicht nur von Fan-Seite. Die AZ hat die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

München - Noch 15 Bundesligaspiele und Minimum ein Pokalspiel. Ein Fußballerleben kann so schön sein oder - wie im Fall Leon Goretzka - zur königsblauen Hölle werden. "Das waren die schwierigsten Tage in meiner bisherigen Karriere", sagte der 22-Jährige nachdem er vor und während des 1:1 der Schalker am Sonntag gegen Hannover ausgepfiffen und teils übelst beleidigt wurde. Weil er sich nach vier Jahren für den FC Bayern entschieden hat, für ein Angebot des Branchenprimus. Im Juli wechselt der Nationalspieler ablösefrei nach München. So einfach, so normal. Fußball ist Geschäft. (Lesen Sie auch: Leon Goretzka - Das sagt er über seinen Wechsel)

Aber Fußball ist auch Emotion, zum Teil berechnende Emotion. Wobei nicht klar ist, was der wegen Goretzkas Abschied gekränkte Schalke-Boss Clemens Tönnies mit seinen Ausführungen am Sonntagvormittag bei Sky bezwecken wollte. "Meine erste Reaktion war, Du solltest das Trikot von Schalke nicht mehr tragen", sagte Tönnies im Stile von Donald Trump. Für den Fall, dass sich die Fanproteste "negativ auf die Mannschaft" auswirken, drohte Tönnies sogar: "Dann kann es sein, dass Leon Goretzka bis zum Saisonende auf der Tribüne sitzt."

Zum Glück setzte Schalke-Trainer Domenico Tedesco mit der Startelf-Aufstellung des Mittelfeldspielers nach dreimonatiger Verletzungspause ein klares Signal. Es bleiben Fragen. Die AZ betreibt Aufklärung:

Setzt Schalke wirklich noch auf Goretzka?

Wenn es nach dem Trainer geht, ja. "Es steht außer Frage, dass Leon ein wichtiger Baustein ist", sagte Tedesco. Der im Vergleich zu Tönnies besonnene Manager Christian Heidel meinte: "Wir sind alle enttäuscht, das ist alles. Er kann zu Bayern München wechseln, das steht nicht unter Strafe. Ich vertraue diesem Jungen, dass er alles für Schalke geben wird. Dann wird er leider den Verein verlassen."

Was sagt der Geschmähte selbst?

Nach seinem 63-Minuten-Einsatz zeigte Goretzka Verständnis für die Reaktionen der Fans: "Damit habe ich gerechnet. Wenn dich die eigenen Fans auspfeifen, dann tut es natürlich weh. Aber ich bin froh, dass es im Rahmen geblieben ist." Und weiter: "Ich will dazu beitragen, dass Schalke seine Ziele erreicht. Ich werde mich im letzten halben Jahr für den Verein komplett zerreißen."

Kann es sein, dass er noch im Januar kommt?

Nein. Das will Goretzka nicht, das will Bayern nicht. Bayern-Präsident Uli Hoeneß schloss einen vorgezogenen Wechsel ohnehin aus. "Die wissen ganz genau, dass der FC Bayern jetzt in der Winterpause keinen Transfer tätigt, und das ist alles Unsinn, was da erzählt wird", sagte Hoeneß dem Bayerischen Rundfunk am Sonntagabend.

Zuvor hatte sich Heidel nebulös geäußert. "Wenn Karl-Heinz Rummenigge anruft, gehe ich ran. Und ich kann nicht sagen, ob ich dann ,ja’ oder ,nein’ sage." Auf die Nachfrage, ob die Geschichte durch sei, antwortete Hoeneß: "Ja!"

War der Wechsel schon letzten Sommer klar?

Angeblich stand man auf Schalke kurz vor einer Vertragsverlängerung mit Goretzka, doch dann habe dieser um Aufschub gebeten. Dass er darauf die Schalker Verantwortlichen unnötig lange hingehalten habe, bezeichnete Goretzka als "falsch": "Fast kann man von einem Missverständnis sprechen."

Ist Widerstand bei einem Bayern-Angebot zwecklos?

Im Grunde ja. Der letzte Bundesliga-Profi, der einer Anfrage aus München die kalte Schulter zeigte, hieß Marco Reus. Im Januar 2012 entschied sich der Gladbacher für die andere Borussia aus Dortmund – und gegen Bayern.

Weitere News zum FC Bayern finden Sie hier

 

37 Kommentare

Kommentieren

  1. null