Wasserstoffbombe präsentiert Neuer Atomtest? Kim hält die Welt in Atem

Echt oder nur eine Attrappe? Kim Jong Un präsentiert Nordkoreas angebliche Wasserstoffbombe. Foto: dpa

Nordkoreas Machthaber will eine Wasserstoffbombe getestet haben. Die Detonation löst ein Erbeben der Stärke 6,3 aus. In den Nachbarländern wächst die Angst. Dem Provokateur scheint dies egal zu sein.

 

Seoul/Peking - Trotz aller Sanktionen hat Nordkorea seinen bisher größten Atomwaffentest unternommen. Wie Staatsmedien gestern in Pjöngjang berichteten, sei eine Wasserstoffbombe getestet worden, die weit stärker als herkömmliche Atomsprengsätze ist. Der Test sei erfolgreich verlaufen. Mit der Bombe könne auch eine Interkontinentalrakete (ICBM) bestückt werden, so Nordkoreas Staatsfernsehen laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Südkorea und Japan bestätigten den neuen unterirdischen Atomversuch.

Der sechste Atomtest seit 2006 ist eine massive Provokation des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un in den starken Spannungen mit den USA und den Ländern in der Region. US-Präsident Donald Trump hat "militärische Optionen" nicht ausgeschlossen, um Nordkorea daran zu hindern, sein Atom- und Raketenprogramm weiter zu entwickeln. Auch hatte der US-Präsident mit "Feuer und Wut" gedroht, was Sorgen vor einem verheerenden bewaffneten Konflikt anfachte.

Erste seismische Hinweise auf den unterirdischen Atomversuch gab ein Erdbeben der Stärke 6,3 in der Provinz Nord-Hamgyong im Nordosten, wo auch frühere Nuklearversuche unternommen worden waren. Das Beben war in der 650.000 Einwohner zählenden chinesischen Grenzstadt Yanji spürbar. Das chinesische Erdbebenamt berichtete wenig später ein zweites Erdbeben der Stärke 4,6 in Nordkorea, bei dem offenbar Hohlräume in der Erde zusammengebrochen waren.

Nordkorea hatte auch nach dem Test im Januar des vergangenen Jahres von einem Wasserstoffbombentest gesprochen. Experten hatten allerdings stark die Angaben bezweifelt. Unmittelbar vor dem gestrigen Test hatte Kim Jong-un bei einem Besuch im staatlichen Atomwaffeninstitut vorgegeben, jetzt auch eine Wasserstoffbombe zu besitzen, die auf eine Interkontinentalrakete montiert werden könne.

Soll die Bombe auf eine Interkontinentalrakete montiert werden?

Als Reaktion riefen die Regierungen in Südkorea und Japan ihre nationalen Sicherheitsberater zusammen. Ministerpräsident Shinzo Abe hatte zuvor in Tokio erklärt, sollte es sich bei dem Erdbeben in Nordkorea um einen Atomtest gehandelt haben, sei dies absolut inakzeptabel. Man werde aufs Schärfste protestieren.

Der Atomversuch folgte auf den Test vergangene Woche mit einer Rakete, die über Japan geflogen ist. Die USA beraten deswegen gerade mit Japan oder den Mitgliedern im Weltsicherheitsrat über Gegenmaßnahmen. Nach dem Atomversuch sind neue Sanktionen erst recht denkbar. Peking spielt hier eine wichtige Rolle, weil rund 90 Prozent des Handels mit dem isolierten Land über China läuft.

Die Nordkorea-Krise überschattet auch den jährlichen Gipfel der Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, der gestern in der südostchinesischen Stadt Xiamen begann. Dazu wird auch Russlands Präsident Wladimir Putin in China erwartet.

Das Beben in Nordkorea war nach ersten Analysen der Vereinten Nationen stärker als bei dem letzten Test des Landes im Januar vergangenen Jahres. "Sollte sich der Atomtest bestätigen, würde das zeigen, dass das Atomprogramm Nordkoreas rasch voranschreitet", sagte der Chef der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO), Lassina Zerbo. Er hoffe inständig, dass der jüngste Zwischenfall die letzte Warnung für die Weltgemeinschaft war, um jede Form von nuklearen Tests zu verbieten.

Nur Stunden vor dem Atomversuch hatte Nordkoreas Machthaber im Atomwaffeninstitut verkündet, seine neue Wasserstoffbombe könne auch auf eine Interkontinentalrakete montiert werden. Nordkorea hat den USA und Südkorea schon mehrfach mit einem präventiven Atomschlag gedroht.

 

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