Was Sie tun können Herzerkrankungen: Tödliche Gefahr vor allem für Frauen

 Foto: Linda Vogt

Vor allem Frauen leiden an Erkrankungen des wichtigsten Organs. Warum auch der Wohnort eine Rolle spielt und wie man selbst gegensteuern kann.

Eigentlich war man doch noch recht fit, aber immer häufiger geht einem die Puste aus. Das Herz pocht schon heftig, selbst wenn der Sprint zur U-Bahn nur ein paar Sekunden dauert. Es hapert am Herzen.

Wegen solcher Herzschwäche – das Organ kann nicht mehr genügend Blut in den Körper pumpen – müssen mit am meisten Menschen in Deutschland ins Krankenhaus (455.000 Fälle pro Jahr).

Die Symptome kommen schleichend, meist in Folge anderer Erkrankungen wie einem Infarkt, Bluthochdruck oder auch Rhythmusstörungen.

Neben der koronaren Herzkrankheit (die Kranzgefäße sind verengt; die Folge: Infarkt) gehört das Problem zu den häufigsten Herzleiden. 2015 starben 175.000 an einer dieser beiden Krankheiten.

Das zeigt der neue Herzbericht 2017 der Deutschen Herzstiftung. Und der belegt auch, dass die Zahl der Todesfälle aufgrund von Herzkrankheiten insgesamt leicht zugenommen hat: 2015 starben daran rund 221.000 Menschen, im Jahr zuvor waren es 13.000 weniger. Woher kommt der Anstieg? Mehr und auch spezifischere Totenschein- Diagnosen könnten ein Grund sein, sagt dazu der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Thomas Meinertz. Der Einfluss der alternden Bevölkerung ist demnach bewusst herausgerechnet worden.

Eine von drei Frauen stirbt am Herzen

Vor allem Frauen trifft es, daran hat sich seit der letzten Herz-Studie nichts geändert: 117.518 Frauen starben 2015 an einem Herzleiden, dagegen waren es nur 103.993 Männer. Hugo Katus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, rechnet vor: "Allein eine von drei Frauen stirbt am Herzen."

Meinertz fordert deswegen, die Geschlechter-Unterschiede mehr zu beachten: "Mögliche geschlechtsspezifische Besonderheiten etwa bei der Wirkung von Herzmedikamenten, anatomische Unterschiede an Herz und Gefäßen sowie unterschiedliche Symptomatik von Herzkrankheiten müssen in der herzmedizinischen Versorgung berücksichtigt werden."

Niedrige Sterbequote in Bayern

Und noch ein Faktor fällt beim aktuellen Herzbericht auf: Die Situation in den Bundesländern ist sehr unterschiedlich. Beispiel Herzinfarkt: Die meisten sterben daran in Sachsen-Anhalt, Brandeburg, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Die niedrigsten Quoten haben Schleswig-Holstein, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Im Freistaat überleben demnach pro 100.000 Einwohner 51 Menschen einen Infarkt nicht. In Sachsen-Anhalt sind es 82. Das hat auch mit der Versorgung durch Fachpersonal zu tun. Stiftungs-Chef Meinertz sagt: "Kritisch sehen wir, dass die Bundesländer mit der geringsten Kardiologendichte zugleich gegen eine überdurchschnittlich hohe Infarktsterblichkeit ankämpfen."

In Zahlen heißt das: Kommt in Bayern ein Kardiologe auf 22.454 Einwohner, ist die Relation in Sachsen-Anhalt eins zu 27.054. Noch extremer sieht es in Thüringen aus: eins zu 31.922.

Genauso schlecht sieht es in diesen Ländern mit zertifizierten Herznotfall-Ambulanzen (CPU) aus (Thüringen: 3; Sachsen-Anhalt: 4). Zum Vergleich: Allein im Umkreis von zehn Kilometern rund um München gibt es laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie 14 zertifizierte CPUs.


Was man selbst tun kann: Sport, Ernährung – und wenig Alkohol

Wer gesund lebt, minimiert das Risiko für (Herz-)Krankheiten. Doch das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil hängt stark vom Bildungsniveau ab.

Hannelore Neuhauser vom Robert-Koch-Institut schreibt im Herzbericht: "Je höher der Bildungsstand, desto gesünder verhalten sich die Menschen: Sie rauchen weniger, sind sportlich aktiver und essen mehr Obst und Gemüse und wirken so Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes oder psychosozialem Stress entgegen, die wiederum zu Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche führen."

Was im Alltag wichtig ist:

  • Bewegung: Die WHO empfiehlt beim Thema Sport zweieinhalb Stunden Ausdaueraktivität pro Woche. Das schaffen in Deutschland 42,6 Prozent der Frauen und 48 Prozent der Männer.
  • Obst und Gemüse: Laut Herzbericht essen 54,2 Prozent der Frauen und 38,1 Prozent der Männer täglich Obst. Beim täglichen Gemüse sind noch 40,4 Prozent der Frauen und nur noch 23,9 Prozent der Herren dabei.
  • Rauchen und Alkohol: Qualm ist tabu – klar. Beim Alkohol wird’s riskant, wenn Frauen täglich eine Reinalkohol-Menge von mehr als zehn bis zwölf Gramm trinken. Der Grenzwert bei Männern: 20 bis 24 Gramm.

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