Was in der Midlife Crisis zu tun ist Flitzer, Frauen, Fitnessstudio: Männer in der Krise

Sich einen neuen wilden Flitzer zulegen ? Ein nettes Hobby, aber kein wirksames Mittel gegen die Midlife Crisis, sagen Experten. Foto: dpa

Nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht alt – in der Midlife Crisis kommt die Frage auf: War das schon alles? Wer sich mit dem auseinandersetzt, was er will, kann diese latente Unzufriedenheit nutzen

 

München - Sich einen neuen Flitzer zulegen, jungen Frauen hinterhergucken und im Fitnessstudio eine Schippe drauflegen, um den gestählten Körper in ein jugendliches Outfit zu zwängen – so sieht das Klischee eines Mannes in der Midlife Crisis aus.

Nun gebärdet sich nicht jeder Mann, der in einer Midlife Crisis steckt, auf diese Weise. „Eine Midlife Crisis ist kein obligatorisches Schicksal und trifft nicht jeden“, erklärt Riad Romanos vom Männergesundheitszentrum in Berlin. Wissenschaftlich, darauf weist der psychologische Psychotherapeut Rolf Merkle in Mannheim hin, ist die Midlife Crisis nicht nachgewiesen. Aber sie trifft viele – die einen mehr, die anderen weniger.

Diese Krise tritt meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf, wobei auch nicht jeder das Gefühl hat, in einer handfesten Krise zu stecken. Prof. Peter Walschburger von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, nennt es eher einen Umbruch. „Die menschliche Entwicklung ist eine Abfolge von Entwicklungsphasen, in denen es um Umbrüche geht“, erklärt er. In der Mitte des Lebens sinkt die Lebenszufriedenheit bei Menschen, wie Studien zeigen.

„Man hat bestimmte berufliche, familiäre und finanzielle Ziele erreicht, und es scheint, als könne es nicht besser werden“, so Merkle. Nun kann der Eindruck aufkommen, dass es von jetzt an bergab geht. Tatsächlich gibt es laut Romanos ein Klimakterium virile, eine Art männlicher Wechseljahre. „Dessen Ursache ist eindeutig organisch, der Testosteron-Spiegel fällt ab“, sagt der Mediziner.

Gesundheitliche Probleme vom Arzt abklären lassen

Folgen können Schwächegefühl, Reizbarkeit, innere Unruhe, Potenzstörungen oder Schweißausbrüche sein. Hier sollte ein Arzt abklären, ob dies mit dem vermindertem Hormonspiegel zu tun oder andere Ursachen hat. Dann sollte entsprechend behandelt werden.

Nicht mehr 20 zu sein, das hat für die meisten Menschen etwas Entspannendes: Man muss sich nicht mehr ständig beweisen und wird gelassener. „Du bist nicht mehr 20“ ist eine Feststellung, die aber auch ernüchtern kann – manches hat man nicht erreicht, was man sich vorgenommen hatte. „Und es dämmert einem, dass man es vielleicht auch nicht mehr erreichen wird“, sagt Walschburger.

Mit 20 ist das Ende des Lebens – hoffentlich – noch weit weg, mit 50 nicht mehr ganz. Dies wird einem oft bewusst. Denn: „Die Eltern werden pflegebedürftig oder sterben“, so Merkle. Die Beziehung läuft, das Prickeln aber ist weg. Im Job mag der Erfolg da sein – aber was soll noch kommen? Oder der Erfolg ist nicht da – kann man noch etwas erreichen? Hat man das Leben ausgekostet, oder sollte man nochmal Gas geben?

Im Sportwagen jungen Dingern nachjagen – das hilft nichts

Solche Fragen können den Mann umtreiben. Nun gibt es die Möglichkeit, im Sportwagen den jungen Dingern hinterherzujagen, um sich und anderen zu signalisieren, dass man noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Viel helfen wird dieses Verhalten nicht.

Besser ist es, sich auf das einzulassen, was einen umtreibt. Was will ich? Was ist mir wichtig? Walschburger empfiehlt, eine Liste aufzustellen mit dem, was einem guttut, was man erreicht hat – und was man verändern möchte und kann. „Immer mal wieder Bilanz zu ziehen und sich zu fragen, wo man steht und wo man hinwill, hilft, sich über seine Bedürfnisse und Lebensziele klar zu werden“, erklärt Merkle.

Und das gilt übrigens nicht nur für eine Midlife Crisis, sondern für viele Umbrüche im Leben. Um etwas zu verändern, muss nicht die große Revolution ausbrechen, oft kann schon mit kleinen Schritten ein neuer Weg eingeschlagen werden. „Man kann schauen, ob man am Arbeitsplatz neue Aufgaben finden oder ob man sich spezialisieren kann“, schlägt Merkle vor. Auch ein Ehrenamt kann frischen Wind und Sinn bringen. Wer immer schon ein bestimmtes Hobby im Blick hatte, legt damit los und lernt etwas Neues.

„Entscheidend ist, dass man sich nicht in der Misere einrichtet und ängstlich verharrt, sondern überlegt, was man anpacken kann“, sagt Walschburger. Die Gefahr ist, wie Merkle ergänzt, dass man alles, was man bisher erreicht hat, infrage stellt und radikale Veränderungen vornimmt, die einem hinterher leidtun.

Die Krise als Chance nutzen und neue Prioritäten setzen

Die Midlife Crisis gibt einem Mann Merkle zufolge die Chance, zu erkennen, was im Leben wirklich wichtig, was unwichtig ist und neue Prioritäten zu setzen.

Auch Romanus ermutigt dazu, sich der Unzufriedenheit zu stellen: „Eine überstandene Midlife Crisis kann oft zur Stärkung des eigenen Bewusstseins und der Willenskraft beitragen.“ Optimismus ist angebracht, sagt Walschburger, denn ab 60 steigt die Lebenszufriedenheit Studien zufolge wieder deutlich an.

Ist man noch einigermaßen gesund, verbessert sich das seelische Wohlbefinden und die Zufriedenheit. Das Leben ist also doch noch lange nicht vorbei, sondern geht erst richtig los.

 

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