Was die CSU dazu sagt Nach CDU-Vorstoß: Der Schweinefleisch-Streit

An Guadn! Zwei Mädchen lassen sich in der Mittagspause eine Wurst schmecken. Foto: dpa

Wenn es nach der CDU in Schleswig-Holstein geht, soll in Kantinen nicht auf Schweinefleisch verzichtet werden, nur um so auf Andersgläubige Rücksicht zu nehmen. Der Vorstoß kommt nicht gut an.

München - Die CDU in Schleswig-Holstein hat Angst. Angst davor, dass bald kein Schweinefleisch mehr in den Kantinen des Landes serviert wird. Immer mehr Schulen und Kitas verzichteten nämlich schon darauf – aus Rücksicht auf andersgläubige Kinder und Jugendliche.

Und die Prognose von Ernährungsexperten ist folgende: „In den nächsten Jahren wird das Schweinefleisch immer weiter von den Speiseplänen in Kitas und Schulen verschwinden“, sagt die Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Ulrike Arens-Azevedo. Einerseits aufgrund von modernen Ernährungsstandards, andererseits aber auch aus religiösen Gründen.

Diese Toleranz beim Essen geht der CDU in Schleswig-Holstein zu weit. Deswegen hat die Fraktion jetzt einen Antrag für die nächste Landtagssitzung vorbereitet, der jedoch nicht jedermanns Geschmack ist: Die Partei fordert, dass Schweinefleisch auch weiterhin in öffentlichen Kantinen sowie Schulen und Kitas garantiert werden muss.

„Die Landesregierung wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Schweinefleisch auch weiterhin als Nahrungsmittelangebot sowohl öffentlicher Kantinen als auch in Kitas und Schulen erhalten bleibt“, heißt es wörtlich in dem Antrag. „Der Minderheitenschutz – auch aus religiösen Gründen – darf nicht dazu führen, dass eine Mehrheit aus falsch verstandener Rücksichtnahme in ihrer freien Entscheidung überstimmt wird.“

Der CDU-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, Daniel Günther, erklärt: „Wir setzen auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Dazu gehört in unserer Kultur auch der Verzehr von Schweinefleisch.“

Sollen jetzt alle Schwein essen? „Niemand soll dazu verpflichtet werden. Wir wollen aber auch nicht, dass die Mehrheit deshalb auf Schweinefleisch verzichten muss.“ Genaue Zahlen, wie viele Einrichtungen bereits auf Schweinefleisch verzichten, hat die CDU nicht vorgelegt.

SPD-Chef: „Krise in CDU doch größer, als ich dachte“

Die anderen Parteien in Schleswig-Holstein schütteln derweil den Kopf. „Wenn das die Schwerpunktsetzung der Union für die nächste Parlamentssitzung ist, dann ist deren innerparteiliche Krise doch größer, als ich dachte“, sagt etwa der Chef der SPD, Ralf Stegner. Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionschef, ist der Meinung: „Grundsätzlich sollten wir die Zusammenstellung der Gerichte den jeweiligen Kantinen überlassen.“ Und was sagt die CSU zu dem Vorschlag? Der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer lässt auf AZ-Anfrage mitteilen, dass er sich zu diesem Thema nicht äußern möchte.

Minister Brunner hält nichts von einer Pflicht oder einem Verbot

Dafür hat Ernährungsminister Helmut Brunner etwas zu sagen: „In Bayern sehe ich hier keinen Handlungsbedarf“, sagt der CSU-Politiker zur AZ. „Ich halte weder etwas von der Pflicht zum Angebot bestimmter Speisen oder Nahrungsmittel noch von einem Verbot.“

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Denn: „Unsere öffentlichen Kantinen und Verpflegungseinrichtungen setzen auf einen ausgewogenen Speiseplan, bei dem die Gäste meist aus verschiedenen Gerichten mit Schweine- und Rindfleisch oder Geflügel, aber auch vegetarischen Angeboten auswählen können. Diese breite Vielfalt an Speisen entspricht einer ausgewogenen Ernährung.“

Dass das Schweinefleisch auf Bayerns Tellern verschwinden könnte, glaubt der Minister nicht: „Ich bin mir sicher: Der beliebte Schweinsbraten ist ein fester Bestandteil unserer typisch bayerischen Küche und bleibt es.“

Die Schweinefleisch-Forderung kommt übrigens auch von einer anderen Partei: der AfD. Der Vorsitzende in Bayern, Petr Bystron, kritisiert im Internet eine „zum Teil in vorauseilendem Gehorsam erfolgende Verbannung von Schweinefleisch“. Deswegen setze sich die Partei dafür ein, dass Schweinefleisch auf dem Speiseplan in Kitas und Schulen bleibe.

 

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