Was Bürger fordern Die Bildungs-Wunschliste

Einer der Wünsche ist mehr Geld für Erzieherinnen. Foto: dpa

Mehr Mittel für Kitas und Schulen, einheitliche Tests und eine entscheidende Funktion der Noten – die Deutschen haben klare Vorstellungen. Der Wunsch nach Änderungen ist groß. Ein Überblick

 

Bei Kitas und Schulen is Deutschland in vielen Bereichen nicht so aufgestellt, wie sich weite Teile der Bevölkerung das wünschen. Das zeigt eine umfangreiche Erhebung des ifo-Instituts – die zentralen Ergebnisse:

Wie zufrieden sind die Bundesbürger mit den deutschen Schulen?

Nur so mäßig. Zwei Prozent der Bevölkerung beurteilen die allgemeinbildenden Schulen in Deutschland mit der Note 1, rund jeder Vierte mit 2. Mehr als die Hälfte findet die Schulen befriedigend – Note 3. Knapp jeder Fünfte beurteilt die Schulen nur mit den schlechten Wertungen 4 bis 6.

Was halten die Menschen von Ganztagsschulen?

Ganztagsschulen werden unterstützt – allerdings ist dabei die Länge des Schultags entscheidend. Bei der Frage, ob Deutschland zu einem System der Ganztagsschule bis 15 Uhr wechseln sollte, zeigen sich nicht ganz zwei Drittel der Befragten sehr oder eher dafür. Bei 16 Uhr sind es 56 Prozent, bei 17 Uhr sind 47 Prozent dafür – 43 Prozent aber dagegen.

Was halten die Bürger von bundesweit vergleichbaren Prüfungen?

Beim Abitur halten das 86 Prozent für gut. Mit 85 beziehungsweise 82 Prozent gibt es hier auch beim Realschul- und Hauptschulabschluss eindeutige Mehrheiten. Außerdem sind 68 Prozent für die Einführung bundesweiter Vergleichstests, also zentrale Klassenarbeiten während der Schulzeit.

Welche Rolle sollen Noten beim Wechsel von der Grundschule spielen?

Dass mancherorts Eltern entscheiden können, ist gemäß der Umfrage nicht im Sinne einer Mehrheit der Bürger. Denn 64 Prozent sind dafür, dass Schulnoten über die weiterführende Schulart entscheiden. Was wünschen sich die Menschen für die Kitas? 77 Prozent sind dafür, dass der Staat die Kindergartengebühren aus Steuergeldern finanziert, damit anders als heute alle Kinder ab vier Jahren kostenfrei in den Kindergarten gehen können.

57 Prozent der Befragten lehnen das Betreuungsgeld ab

Eine Mehrheit von 79 Prozent der Bundesbürger sind außerdem für steigende Gehälter der Erzieherinnen – und unterstützen somit die Position der Gewerkschaften im immer noch ungelösten und festgefahrenen Kita-Tarifkonflikt (AZ berichtete).

Wie stehen die Menschen zum Betreuungsgeld?

Mit 57 Prozent zu 34 Prozent lehnen es die Bundesbürger ab. Mittlerweile hat das Bundesverfassungsgericht das Betreuungsgeld gekippt – Studienautor Ludger Wößmann wertet das Ergebnis als Hinweis darauf, dass eine verfassungskonforme Wiedereinführung keine Mehrheit fände.

Welchen Bereich halten die Menschen für besonders unterfinanziert?

Könnte es nur ein Bereich sein, nennen die Befragten am häufigsten die weiterführenden Schulen (41 Prozent), Grundschulen (30 Prozent), gefolgt von Kitas (15 Prozent). Abgeschlagen sind Berufs- und Hochschulen (neun bzw. sechs Prozent). Ein Teil der Befragten wurde informiert, dass laut Studien Ausgaben im frühkindlichen Bereich einen stärkeren positiven Einfluss haben als in späteren Bildungsbereichen. Hier steigt der Anteil der Befürworter von zusätzlichen Ausgaben im frühkindlichen Bereich auf 31 Prozent.

Woher soll das Geld für mehr Bildung kommen?

Das fragten die Forscher in diesem Jahr nicht – eine Vorgängerstudie aus dem vergangenen Jahr zeigt allerdings, dass der Ruf nach mehr Ausgaben leiser wird, wenn es den eigenen Geldbeutel betrifft: Nur ein Viertel fand damals, dass Steuern für die Finanzierung von Schulen steigen sollten.

Für die ifo-Studie wurden 4000 Bundesbürger befragt.

 

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