Warum sie so wichtig sind! Weißblaue Weltmeister - Sieben Bayern im Weltmeister-Team

Bastian Schweinsteiger im Endspiel gegen Argentinien. Foto: dpa

Mia san Champions! Sieben Bayern stehen bei dem Triumph in Rio auf dem Rasen. Die AZ erklärt, warum sie für Deutschland so wichtig sind.

 

Rio de Janeiro -  Bald bekommt der WM-Pokal ein neues Zuhause. Die Adresse: Otto-Fleck-Schneise 6 in Frankfurt am Main, Hauptsitz des DFB. Das wird wohl nicht zu ändern sein, eigentlichmüsste die Trophäe zumindest einen Umweg nehmen. Über München, die Säbener Straße. Dort hat der Rausch von Rio seine Wurzeln. Sieben Profis des FC Bayern standen im Finale, mit Götze entschied ein Pep-Schüler das Finale. „Ein überragender Erfolg“, lobte Bayern-Boss Rummenigge.

Die AZ erklärt, was die Bayern für Löw so wichtig macht – und warum der Goldpokal einen weißblauen Anstrich verdient hätte.

BASTIAN SCHWEINSTEIGER: Sie schlugen ihn, sie traten ihn, doch Schweinsteiger gab nicht auf. Auch nicht, als ihm nach einem Fausthieb von Sergio Agüero das Blut unter dem rechten Auge übers Gesicht lief. Das 108. Länderspiel seiner Karrier war sein wichtigstes, sein bestes – und das hätte vor wenigen Wochen kaum jemand geglaubt. Schweinsteiger quälte sich ins Turnier, erst als Einwechselspieler, dann als Konstante im Mittelfeld, und gegen Argentinien schließlich: als Boss. 15,3 Kilometer lief er, so viel wie kein anderer Deutscher. Nach dem Spiel liefen die Tränen, er schleppte sich über den Rasen, wohl in dem Wissen, dass dies seine letzte Weltmeisterschaft gewesen sein könnte. „Hier wollte ich mit aller Gewalt so weit wie möglich kommen. Ich war froh, dass der Bundestrainer am Anfang meine Gesundheit ein bisschen geschont hat“, sagte er. Seit Sonntagnacht unsterblich.

PHILIPP LAHM: Nachfolger von Lothar Matthäus, Kapitän der Weltmeisterelf, irgendwann Ehrenspielführer. „Was wir geleistet und wie wir geackert haben, das ist unglaublich. Das zeichnet diese Mannschaft aus. Das ist ein unglaubliches Gefühl“, sagte Lahm. Er hätte gern das ganze Turnier über im Mittelfeld gespielt, ließ sich dann von Löw aber wieder auf die Position des Rechtsverteidigers schieben. Trotz der Binde am Arm stellt er sich nicht über die Kollegen, sondern in den Dienst der Mannschaft. Dass er kein richtiger Anführer ist, wurde ihm in den letzten Jahren immer wieder vorgeworfen. Das kann ihm egal sein. Denn jetzt ist er vor allem: Weltmeister.

MARIO GÖTZE: Helmut Rahn, Gerd Müller, Andreas Brehme – und jetzt Mario Götze. Mit 22 Jahren hat der Schütze des Siegtraumtores seinen Platz in den Fußballgeschichtsbüchern sicher. „Das ist ein unglaubliches Gefühl. Das ist unbeschreiblich, gerade für mich, wenn man dann das Tor schießt. Man begreift eigentlich gar nicht, was passiert, dann in der Situation, in der Spielminute, das ist einfach unbeschreiblich“, sagte er. Dass er sich in seiner ersten Saison beim FC Bayern schwergetan hatte, in Brasilien nur Teilzeitkraft war, wird bald vergessen sein. „Götze ist ein Spieler, der kann alles spielen, der ist ein Wunderkind. Er hat immense Möglichkeiten und überragende technische Fähigkeiten. Er ist so raffiniert. Ich wusste, er kann immer ein Spiel entscheiden, wenn es auf der Kippe steht“, sagte Löw über Götze, der auch zum „Mann des Spiels“ gewählt wurde.

THOMAS MÜLLER: Fünf Tore, drei Vorlagen: Das sind die Zahlen zu Müllers Wahnsinns-WM. Sein wahrer Wert für die Mannschaft ist dagegen kaum messbar. Müller läuft und läuft, reißt Lücken. Auch abseits des Rasens: ein Volltreffer. Als er nach dem gewonnenen Finale von einer kolumbianischen Reporterin darauf angesprochen wurde, dass er ja den Goldenen Schuh für den besten Torschützen des Turniers nicht verteidigen konnte, erwiderte er: „Der intressiert mi ois ned, der Scheißdreck! Weltmeister samma, den Pott hamma! Den scheiß goldnen Schuah kannst dir hinter d’Ohren schmiern.“ Unbezahlbar, dieser Müller.

MANUEL NEUER: Er dagegen bekam noch eine Extra-Auszeichung: die für den besten Torwart des Turniers – in Form eines goldenen Handschuhs. Was Neuer eigentlich nicht gerecht wird. Der Torhüter ist im Nebenberuf Libero. Der Mann hat eine Aura, die sogar Argentiniens Sturm-Killer Gonzalo Higuain die Knie schlottern ließ. 1,93 Meter maß er vor dem Turnier in Brasilien, dürfte bald zwei Meter erreichen.

Lesen Sie hier: Deutschland ist Twitter-Weltmeister

TONI KROOS: Vielleicht kommen Pep Guardiola und Matthias Sammer an der Säbener Straße doch ins Grübeln. Ob es wohl richtig war, Kroos zu Real Madrid ziehen zu lassen? Die Passmaschine im deutschen Mittelfeld, der so präzise Standards serviert und beim 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien das Match seines Lebens machte. Doch an dem Real-Deal wird wohl nichts zu ändern sein: „Das war der bestmögliche WM-Schlusspunkt. Jetzt gehe ich nach Madrid. Damit erfüllen sich zwei Träume“, sagte Kroos. In Spanien kann man sich schon mal freuen.

JEROME BOATENG: Wenn Lionel Messi nach dem WM-Finale schlecht geträumt haben sollte, kam sicher ein Mann immer wieder vor: Jérôme Boateng, Schrecken aller Angreifer. Er grätschte fast alles aus dem Weg, was sich im blauen Trikot dem deutschen Sechzehner näherte. Ging als Rechtsverteidiger ins Turnier, als Innenverteidiger war er erst nur die Nummer drei hinter Hummels und Mertesacker. Ab sofort allererste Wahl. cl

 

4 Kommentare