Wann, wo, wie? Zeitumstellung wird abgeschafft! Die wichtigsten Fragen und Antworten

Wenn die Sommerzeit gilt, bleibt auch im Herbst noch eine Stunde mehr Zeit, im Dämmerlicht die frische Luft zu genießen. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die Zeitumstellung könnte schon ab 2020 Geschichte sein. Nach dem Willen der meisten Deutschen (und Angela Merkel) soll dann immer die jetzige Sommerzeit gelten. So läuft die Abschaffung.

Okay, nach mehr 30 Jahren haben sich die meisten daran gewöhnt: Im März eine Stunde vor, im Oktober eine zurück – seit Jahrzehnten wird in der EU zweimal im Jahr die Zeit umgestellt.

Genervt sind viele Menschen trotzdem. Bis jetzt. Denn nun ist das Ende dieser umstrittenen Regelung absehbar. In einer EU-weiten Umfrage hat sich eine überwältigende Mehrheit der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Die Abstimmung war zwar nicht repräsentativ und auch nicht bindend. Doch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will dem folgen. "Die Menschen wollen das, wir machen das", sagte der Kommissions-chef am Freitag.

Es ergebe ja keinen Sinn, die Menschen nach ihrer Meinung zu fragen und diese dann zu ignorieren, sagte Juncker: "Millionen haben geantwortet und sind der Auffassung, dass es so sein sollte, dass die Sommerzeit in Zukunft für alle Zeit gilt. So wird das auch kommen."

Eine helle Stunde am Abend mehr, dauerhaft und geschenkt: Viele Münchner freuen sich. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wann wird die Zeitumstellung abgeschafft?

Noch nicht sofort. Die EU-Kommission hat zunächst einmal nur ein Vorschlagsrecht. Das Europaparlament und die EU-Staaten müssen noch zustimmen. Wenn das noch vor Ende der Legislaturperiode im Mai 2019 passieren soll, müssen sie sich beeilen.

Die zuständige EU-Kommissarin Violeta Bulc sagte, wenn Europaparlament und EU-Staaten dem Vorschlag zustimmten, könnte die Entscheidung schon im kommenden Jahr fallen – und die Zeitumstellung 2020 oder 2021 passé sein.

Die Befürworter der Abschaffung sind sich sicher, dass es im EU-Parlament eine Mehrheit dafür gibt. Im Rat der Mitgliedsländer ist die Lage unübersichtlicher. Auch Deutschland hat sich bisher nicht positioniert.

Immerhin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt die Abschaffung. Sie sagte am Freitag: "Ich persönlich hätte jedenfalls dafür eine sehr hohe Priorität." Und: "Ich freue mich, wenn die Kommission dieses Votum ernst nimmt."

Wollen die Menschen die Abschaffung wirklich?

Das wollte die EU-Kommission mit der (nicht repräsentativen) Online-Umfrage herausfinden. Von den 4,6 Millionen Teilnehmern kommen gut drei Millionen aus Deutschland. Das entspricht einem Anteil von 3,79 Prozent alles Deutschen. Von ihnen stimmten – wie im EU-Schnitt – 84 Prozent für die Abschaffung der Zeitumstellung.

In Österreich (2,94 Prozent) und Luxemburg (1,78) war die Beteiligung ebenfalls besonders hoch.

Übrigens: In einer repräsentativen Forsa-Umfrage vom März sprachen sich in Deutschland 73 Prozent der Befragten für die Abschaffung der Zeitumstellung aus.

Warum gibt es den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit überhaupt?

Eigentlich soll das Tageslicht besser genutzt werden. In Deutschland gab es die Sommerzeit schon mehrmals. Zuletzt wurde sie 1980 wieder eingeführt. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 hatte man die Hoffnung, auf diese Weise Energie zu sparen.

Ein weiterer Grund war die Anpassung an die Nachbarländer, die diese Regelung schon hatten. Seit 1996 gibt es eine EU-weite Regelung. Seitdem beginnt die Sommerzeit Ende März und hört Ende Oktober auf.

Was spricht gegen die Zeitumstellung?

Kritiker argumentieren, dass keine Energie gespart wird. Laut Umweltbundesamt schalten die Deutschen im Sommer zwar wegen der Zeitumstellung abends seltener das Licht an, im Frühjahr und Herbst wird morgens allerdings mehr geheizt. Zudem klagen Menschen über gesundheitliche Folgen (siehe zweite Seite).

Was passiert, wenn der Gesetzesvorschlag beschlossen wird? Dann könnte jedes Land für sich entscheiden, ob es dauerhaft die Standardzeit – also Winterzeit – oder die Sommerzeit einführen möchte. Die deutliche Mehrheit der deutschen Teilnehmer an der Online-Umfrage waren für eine dauerhafte Sommerzeit.

Droht ein Zeit-Fleckerlteppich in der EU?

Gut möglich, dass es noch mehr zeitliche Unterschiede geben würde. Spanien etwa würde wohl kaum die Sommerzeit beibehalten – denn dann würde die Sonne in Madrid im Winter erst gegen 9.30 Uhr aufgehen.

Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der EU. In Deutschland und 16 weiteren Staaten herrscht die gleiche Uhrzeit: die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Darunter sind die Niederlande, Belgien, Österreich, Dänemark, Frankreich, Italien, Kroatien, Polen und Spanien.

Acht Länder – Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien und Zypern – sind eine Stunde voraus: Dort gilt die Osteuropäische Zeit (OEZ).

Drei Staaten sind eine Stunde zurück: Irland, Portugal und Großbritannien, wo die Westeuropäische Zeit gilt (WEZ).

"Portugal hat eine andere Zeit als Spanien, und Finnland hat eine andere Zeit als Schweden", sagte der CDU-Politiker Peter Liese, ein langjähriger Gegner der Zeitumstellung. "Daher wäre es kein Problem, wenn sich einige Mitgliedstaaten für die ständige Winterzeit und andere für die ständige Sommerzeit aussprechen." Nur eines soll EU-weit wegen des Binnenmarkts einheitlich sein: Zeitumstellung oder nicht.

Wie merke ich mir noch mal, ob die Zeit eine Stunde vor oder zurück gestellt werden muss? Dazu gibt es zahlreiche Eselsbrücken. Eine davon lautet: "Im Frühjahr stellt man die Gartenmöbel vor die Tür. Im Herbst stellt man sie zurück." Im März wird die Uhr also eine Stunde vorgestellt, im Oktober eine Stunde zurück. Auf Englisch geht es noch einfacher: Spring forward, fall back.

Höchste Zeit! Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zum Thema

 

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