Wander- und Zamperlverbot Herzogin Helene: Streit um diesen Wanderweg in Kreuth

Das ist der von Herzogin Helene (kl. Foto) gesperrte Wanderweg, der zum beliebten Ausflugsziel Siebenhütten führt. Foto: Klaus Wiendl

Von Dezember bis März dürfen Ausflügler in ihrem Revier nur noch vormittags spazieren – und Hunde müssen ganz draußen bleiben. Der Hintergrund und warum Wildbad Kreuth deswegen verärgert ist.

 

Wildbad Kreuth - Damit das Rotwild in ihrem Revier im Winter an der Fütterungsstelle nicht gestört ist, dürfen Wanderer einen beliebten Rundweg in Wildbad Kreuth nur noch vormittags und ohne Hund begehen. Dieses Verbot, ausgesprochen von Herzogin Helene in Bayern, kommt dem Bürgermeister zur Unzeit. Denn er bereitet Kreuth gerade auf die Feierlichkeiten zur Ernennung als Bergsteigerdorf im Juli vor.

40 Jahre sorgte das abgeschiedene Wildbad Kreuth vor allem wegen der CSU für Schlagzeilen. Jedes Jahr fanden dort die legendären Winterklausuren der Partei statt. Heerscharen von Politikern und Journalisten strömten in die ehrwürdigen Räume der parteinahen Hanns-Seidel-Stiftung. Doch Herzogin Helene in Bayern (45) als Eigentümerin ließ den Pachtvertrag vor zwei Jahren auslaufen.

Jetzt tagte die CSU-Landesgruppe erstmals im Kloster Seeon. Auf dem Besitz der Wittelsbacherin dagegen herrscht Friedhofsruhe. Denn ihre Umbauplane des denkmalgeschützten Gebäudes in ein Sanatorium stocken. Auf konkrete Nachfragen schweigt die Herzogin beharrlich.

Eigentlich hätte der Weg im Winter komplett gesperrt werden sollen

Dafür macht sie mit einem anderen Thema auf sich aufmerksam: mit dem Wanderverbot. Zwar sei sie eine "Hundebesitzerin mit Leib und Seele", doch in ihrem kürzlich ausgewiesenen Wildschutzgebiet sperrt die Herzogin die Vierbeiner auch an der Leine samt Herrchen und Frauchen zwischen Dezember und März aus. Den Rundweg zum beliebten Ausflugsziel Siebenhütten dürfen Wanderer nur noch ab 8 Uhr bis 12 Uhr mittags nutzen. Dies soll dem Rotwild die nötige Ruhe verschaffen. Die

Rechtsgrundlage dafür bietet laut Landratsamt Miesbach das Jagdgesetz. Bei Bedarf könnten Flächen zum Wildschutzgebiet erklärt werden.

Ursprünglich sollte es für Sportler und Wanderer noch schlimmer kommen. Die Herzogin, so Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU), wollte den Weg im Winter komplett sperren lassen.
Erst nach seiner Intervention sei die Eigentümerin zu einer Öffnung am Vormittag bereit gewesen.
Für Bierschneider kam dieser herzogliche Erlass äußerst ungelegen, da er gerade die Werbetrommel für Kreuths nachhaltigen Tourismus mit Blick auf das Prädikat Bergsteigerdorf rührt.

Und dann diese Meldung, dass Wanderer im künftigen Bergsteigerdorf des Deutschen Alpenvereins (DAV) ausgesperrt werden. Neben der Ramsau, Sachrang und Schleching ist Kreuth das vierte Bergsteigerdorf Bayerns.

Wildbad Kreuth wird im Juli zum Bergsteigerdorf

Das DAV-Siegel wird der knapp 4.000-Seelen-Gemeinde am 13. Juli auf der Königsalm verliehen. Damit Kreuth den naturnahen Tourismus auch erlebbar machen kann, konnte Bierschneider Herzogin Helene für die nahe Zukunft wenigstens eine Schaufütterung als Ausgleich für die Wegsperrung abringen.

Allerdings seien für die Abschirmung der Zuschauer Baumaßnahmen im Wildschutzgebiet nötig, die "erst mittelfristig" umgesetzt werden können. Kreuth erhofft sich von der Wildfütterung einen "Besuchermagneten". Dieser würde Verständnis dafür wecken, weil man sieht, "was geschützt wird", so Bierschneider.

Bis dahin kann man sich die Wildfütterung, die es Kreuth schon mal gab, zumindest auf alten Postkarten anschauen.

 

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