Walter Fembeck "Das Spielergehalt gab's bar in Lohntüten"

Walter Fembeck (ganz rechts) feiert mit den Bayern die Meisterschaft 1972 Foto: Fred Joch

A Z: Herr Fembeck, am Dienstag feiern Sie Ihren 90. Geburtstag. Was hat der FC Bayern geplant?
WALTER FEMBECK: Der Vorstand hat eingeladen für den 21. Februar. Natürlich ein Montag.
Warum natürlich?
Na, ich bitte Sie! Die Montagskicker! Ich bin einer der Mitbegründer, zusammen mit dem Neudecker...
...dem ehemaligen Präsidenten Wilhelm Neudecker, der von 1962 bis 1979 im Amt war.
1975 haben wir angefangen. Manager Robert Schwan war dabei, unser Vize Karl Pfab, später Schatzmeister Willi O. Hoffmann, auch der Kabarettist Dieter Hildebrandt.
Und die Spieler? Wollten die nicht mitmischen?
Eher selten. Der Kalle (Rummenigge, d.Red.) vielleicht ein Mal, der Franz (Beckenbauer, d.Red.) und der Hoeneß nur sporadisch. Wenn’s älter werden, haben’s vielleicht wieder mehr Zeit.
Und heute?
Wir sind 30 Leute. Der Werner Olk, unser Ex-Trainer, ist noch dabei, auch der Müller-Heydenreich, unser Vorsitzender des Verwaltungsbeirats. Wie der noch rennt! Da musst di wundern! Ich bin ja nur noch passives Mitglied, aber wir haben immer a Gaudi. Mittags gehen wir nach Straßlach in die Wirtschaft, danach gibt’s an Schafkopf.
Sie besuchen auch noch regelmäßig die Heimspiele in der Allianz Arena.
Ja, klar. Nur das 4:0 gegen Hoffenheim habe ich nicht gesehen, weil ich vor acht Tagen ausgerutscht bin und mir drei Rippen gebrochen habe. Aber ich kann schon wieder ganz gut schnaufen.
Wie kommen Sie von Ihrem Wohnort Oberaudorf ins Stadion nach Fröttmaning?
Per Fahrgemeinschaft! Auch unser Bürgermeister hat eine Jahreskarte, der nimmt mich mit. Und der ist auch glücklich, ich hab nämlich einen Parkausweis.
Wie zufrieden sind Sie denn mit den Bayern 2011?
Ach ja, es könnte besser sein. Wenigstens haben wir den Robben, der reißt’s raus. Der hat eine Lebensfreude und einen Ehrgeiz – toll. Aber wir ärgern uns oft. Dieses Spiel in Köln, erst 2:0, dann 2:3 – mei, da stellt’s dir die Haare auf! So eine Saison hatten wir 1975 auch. 1974 alles gewonnen, der Großteil wurde Weltmeister – und wir am Saisonende Zehnter. Eine blöde Zeit.
Was halten Sie von Louis van Gaal? Sie haben in Ihrer Zeit von 1957 bis 1984 ja einige Trainer erlebt.
Beim van Gaal bin ich immer überrascht, wenn ich ihn und die Assistenten während eines Spiels auf der Bank sehe und frage mich: Was notieren die da immer? Ständig! Na ja, jeder Trainer hat so seine Eigenheiten.
Bitte: Erzählen Sie.
Lattek hatte immer denselben Pullover an. Einmal ist er ihm geklaut worden, da wurde er ganz narrisch – wir haben trotzdem gewonnen. Der Zebec war fachlich der beste Trainer, aber schwierig als Mensch. Viel zu streng! Auf dem Rückflug von einem Spiel in Hamburg hat der Franz mal ein Becks bestellt, da sagte Zebec zur Stewardess: Nein, tragen sie es wieder weg. Aber der Franz war stur, hat’s getrunken.
Und Dettmar Cramer?
Der beste Theorie-Trainer. Fantastisch. Aber im Umgang mit der Mannschaft eine Katastrophe – so ein typischer Lehrwart. Er war ja zuvor Nationaltrainer beim DFB und in den USA, das konnte nichts werden. Wie beim Klinsmann. Sonst? Der Lorant war ein Vogel, den hatte sich Neudecker eingebildet. Lorants Assistent, der Csernai, das war ein Gentleman, der hatte Hirn, war aber auch zu hart.
Sie haben viele junge Talente entdeckt. Ohlhauser, Maier, Roth, Dürnberger, Niedermayer, Augenthaler und vor allem Gerd Müller.
Ja, da war ich schneller als die Sechziger. 1964 war das, der Gerd traf in Nördlingen am Fließband. Es war schwer, die Mama zu überzeugen, weil er noch nicht 21 war. Sie hatte Angst: Oh mei, der Bub geht in die Großstadt. Aber auch der Geschäftsführer vom 1.FC Nürnberg war schon da. Der Schwager hat mich zur Hintertür rausgebracht, ich sollte in einem Lokal warten. Dort haben wir den Vertrag gemacht. Unser Trainer Cajkovski sagte zu mir: ,Fembeck, was hast du für Augen? Der hat doch viel zu dicke Oberschenkel und ist zu klein.’ Aber es ist ja was aus dem Müller geworden.
Sie mussten viel reisen und tricksen damals.
Uns blieb nichts anderes übrig. Wir hatten ja kein Geld! In unserer früheren Geschäftsstelle in der Sonnenstraße hatte ich eine Sekretärin, die Frau Maier; das Gehalt für die Spieler gab’s bar in Lohntüten. Und wir mussten auf die Jugend setzen, von daher war der Cajkovski ein guter Trainer. So sind wir 1965 aufgestiegen und konnten die Jungstars halten.
1979 fing Uli Hoeneß als Manager an.
Der Uli war nicht einfach, sehr explosiv – immer mit dem Kopf durch die Wand! Aber er hatte Geschäftssinn, war der Wegbereiter in die Zukunft.

 

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