Waldfriedhof Grabräubern ist gar nichts heilig

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Anneliese Schedl steht fassungslos am Grab ihrer Tochter am Waldfriedhof: Die Diebe haben alles mitgenommen, was sie eingepflanzt hat. Foto: Petra Schramek

Sie nehmen alles mit: Grabschmuck, Vasen, Schalen, manchmal sogar die ganze Bepflanzung – eine Betroffene klagt an.

 

MÜNCHEN Eisbegonien hat Anneliese Schedl gepflanzt, eine Kerze auf das Grab gestellt, eine Vase mit frischen Blumen, eine schlichte Grabschale und eine Grablaterne, die für ihre Elisabeth leuchten sollte. 108 Euro hat die 72-jährige Rentnerin ausgegeben. Jetzt ist alles fort. Wieder mal.

Als ihre Tochter Elisabeth 1974 an einer heimtückischen Lungenentzündung starb, stürzten die Schedls in ein tiefes Loch. Ihre Elisabeth wurde nur 14 Jahre alt, ihre letzte Ruhe sollte sie auf dem Waldfriedhof finden. Ihr Grab ist weit hinten am neuen Teil, in der Nähe des Weihers. Hier können die Eltern ungestört am Grab ihrer Elisabeth trauern. Doch nur wenige Wochen nach dem plötzlichen Tod ein neuer Schock für die Eltern: Aller Grabschmuck wurde von Dieben gestohlen.

Seit 1974 fehlt immer wieder etwas auf dem schlichten Grab der Tochter. Weil das Grab so einsam liegt, wird es immer wieder geplündert. Doch so dreist wie jetzt waren die Diebe noch nie. Sogar die frisch gepflanzten Blumen haben die Grabräuber einfach ausgebuddelt.

Anneliese Schedl ist verzweifelt. „Wir haben das Geld ja nicht auf der Straße gefunden. Das Grab unserer Elisabeth soll doch schön sein.“ Allein traut sie sich schon gar nicht mehr auf den Friedhof. Ihr Mann ist pflegebedürftig, war schon seit Jahren nicht mehr am Grab der Tochter. Jetzt begleitet sie immer ihre Tochter Barbara. Doch auch sie kann nichts gegen die Diebe tun.

Diebstähle kommen auf den Münchner Friedhöfen leider immer wieder vor, bestätigt auch Susanne Schreyegg von den Städtischen Friedhöfen. „Dass Diebe nicht nur Eigentum beschädigen und stehlen, sondern offenbar nicht einmal mehr Respekt für die Grabstätten der Verstorbenen kennen, ist unfassbar“, sagt Schreyegg. Besonders Metallgegenstände wie Weihwasserkessel oder Grablaternen sind begehrt. Sie werden ohne Rücksicht auf kunstvolle Verarbeitung oder ideellen Wert als Kiloware verkauft.

„Wir schaffen es leider weder zeitlich noch personell, die Friedhöfe immer zu überwachen. Für unsere Mitarbeiter ist es meist nicht nachvollziehbar ob jemand, der Blumen entfernt, dazu berechtigt ist, weil er das Grab neu gestaltet, oder ob er die Blumen stehlen will“, sagt Schreyegg. Sie rät, jeden Diebstahl der Polizei zu melden. Dann weiß die Polizei über Seriendiebstähle Bescheid und kann den Friedhof verstärkt überwachen.

Anneliese Schedl wünscht sich, dass ihre Elisabeth endlich in Frieden ruhen kann. Und dass sie einmal das Grab ihrer Tochter so schön vorfindet, wie sie es hergerichtet hat.

 

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