Wahlkampf in Niederbayern Aiwangers Frau will Landrätin werden – mit Bier

Tanja Schweiger, Kandidatin der Freien Wähler für die Landratswahl im Kreis Regensburg präsentiert in Pettendorf eine Flasche "Tanja Schweiger Bier". Foto: Armin Weigel/dpa

Bayern und Bier sind unzertrennlich. Das dachte sich auch Tanja Schweiger von den Freien Wählen. Sie wirbt unter anderem mit einem eigenen Gerstensaft für sich.

 

Regensburg - Bier gilt in Bayern als Grundnahrungsmittel - und auch im Kommunalwahlkampf wird der Gerstensaft genutzt. Tanja Schweiger von den Freien Wählern will mit einem extra für sie gebrauten Bier im Landkreis Regensburg bekannter werden – dort kandidiert sie als Landrätin.

 Auf Wahlveranstaltungen verteilt sie Sechserträger „Tanja-Schweiger-Bier“ oder verkauft sie für 15 Euro - der Erlös soll später für Kinder in Not gespendet werden.

„Wer sich bekanntmachen will, muss pfiffige Ideen haben“, sagt die 35-Jährige. Schweiger ist die Lebensgefährtin des Freie-Wähler-Chefs Hubert Aiwanger, mit dem sie seit eineinhalb Jahren ein gemeinsames Kind hat.

Nach der Enttäuschung bei der Landtagswahl gilt sie in Bayern als eine Hoffnungsträgerin ihrer Partei. „Ich kann führen und gestalten und habe ein großes Netzwerk von Experten, die mich unterstützen“, sagt sie.

Im Freistaat gibt es kaum Frauen an der Spitze der Landratsämter. 69 von 71 Landräten sind Männer. „Gegen die CSU und dann noch als Frau anzutreten ist schon besonders engagiert“, weiß Schweiger. Die Diplom-Kauffrau hatte jedoch sechs Jahre Zeit, sich in die Politik einzuarbeiten.

2008 wurde sie als jüngste Frau in den bayerischen Landtag gewählt und wurde sogleich parlamentarische Geschäftsführerin der Freien Wähler. „Ich habe bei Null angefangen und heute haben wir 30 Mitarbeiter. Damals habe ich die Weichen gelegt, um bei der jetzigen Wahl erfolgreich zu sein“, sagt Schweiger selbstbewusst.

Ihre Chancen schätzt sie auf 50 zu 50 ein. Als Landrätin will Schweiger ein Jugendparlament einführen. „So können junge Menschen Einfluss nehmen und werden zu politischem Nachwuchs.“ Außerdem will sie das Landratsamt weiter zu einer Dienstleistungsbehörde ausbauen, die die Bürger umfassend berät.

Die Zusammenarbeit mit der Stadt Regensburg sieht sie als große Herausforderung: „Wir müssen endlich auf Augenhöhe agieren.“ Besonderen Blick legt sie dabei auf den Wohnungsbau auf dem Land. „Wir brauchen pfiffige Ideen, um die Dörfer und kleineren Gemeinden lebendig zu halten.“

Schweiger schwebt ein Architektenwettbewerb vor, aus dem innovative Wohnformen für den ländlichen Bereich herauskommen sollen. „Außerhalb der Stadt gibt es fast nur Einfamilienhäuser. Wir brauchen dort mehr aber mehr bezahlbare Wohnungen. Das würde auch die Stadt entlasten.“

Bei allen Plänen muss Schweiger seit der Geburt ihres Sohnes Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Ihre Eltern, mit denen sie gemeinsam in Pettendorf bei Regensburg wohnt, seien dabei ihr großer Rückhalt. „Politiker haben einen ganz anderen Rhythmus. Abends und am Wochenende sind wir viel beruflich unterwegs. Da bleibt meist nur an den Vormittagen Zeit für die Familie.“

Selten hat sie den Buben mit in den bayerischen Landtag gebracht. Und gleich der erste gemeinsame Auftritt von Mutter und Sohn sorgte dann für Aufregung. Tanja Schweiger stand mit einer Besuchergruppe auf der Tribüne des Plenarsaals, als der Kleine bei einer Rede Seehofers anfing zu schreien. „Da dreht sich ein CSU-ler um und ruft nach oben: Der plärrt schon wie sein Vater.“

 

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