Wahl in Niedersachsen Das ist an der Leine los

Im Leineschloss in Hannover ist auch der niedersächsische Landtag untergebracht. Hier begann die Karriere von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD), SPD-Chef Sigmar Gabriel, SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, Ex-Bundespräsident Christian Wulff (CDU), Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und FDP-Chef Philipp Rösler. Foto: dapd

Prinzen, Politiker, Bosse - unter den Landesmetropolen ist Hannover zwar eine kleine graue Maus, übertrifft jedoch mit seinem Klüngel alle. In der großen Politik der Republik spielt sie an diesem Sonntag die Schlüsselrolle

 

HANNOVER Die langweiligste Stadt Deutschlands nannte sie Entertainer Harald Schmidt. Von wegen. Am gestrigen Sonntag war sie die spannendste der Republik. Hannover, das geheime Polit-Zentrum Deutschlands. Landtagswahlen in der Stadt an der Leine können Beben auslösen, mit Erschütterungen bis nach Bayern. Nur eine halbe Million Einwohner hat die Landeshauptstadt Niedersachsens – aber einen Ruf wie Donnerhall. Nirgendwo sonst sind Spitzenpolitiker und Wirtschaftsvertreter so verwoben. Sogar die Hells Angels mischen mit ihrem Rotlicht-Milieu mit.

Tatort Hannover: Die Münchner Schauspielerin Maria Furtwängler ermittelt als Fahnderin Charlotte Lindholm für das Landeskriminalamt Hannover. Ihr letzter „Tatort: Wegwerfmädchen“ spielte mitten im Hannoveraner Filz.

Politiker-Schmiede: In der Stadt an der Leine haben sie alle mit ihrer Karriere begonnen. Ex-Bundespräsident Christian Wulff (53) und seine bald Ex-Frau Bettina. Mit ihrer Affäre erlebten die fast unglaublichen Verflechtungen ihren Höhepunkt: „Hannover-Klüngel“, „Maschsee-Mafia“ und „Erbfreundschaften“. Die „taz“ titelte „Sodom und Hannover“. Ex-Kanzler Gerhard Schröder kommt aus Hannover. SPD-Chef Sigmar Gabriel und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, hat hier begonnen. FDP-Noch-Parteichef Philipp Rösler ist in Hannover aufgewachsen und hat im Landtag seine Politkarriere gestartet. CDU-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen auch. Ihr Vater Ernst Albrecht war erster CDU-Ministerpräsident von Niedersachsen.

Der Geld-Adel: Mâitre de plaisir und zentrale Figur des Klüngels ist in der unscheinbaren Stadt der Unternehmer Carsten Maschmeyer. Er kennt sie alle, ist ein guter Freund und besonders spendabel. Mit dem umstrittenen Verkauf von Versicherungen und Finanzprodukten und als dreister Lobbyist hat er ein Millionen-Vermögen gemacht. Mit Ursula von der Leyen war Maschmeyer an der Uni. Jetzt hat er sich die Münchner Schauspielerin Vroni Ferres geangelt. Seine Bald-Ehefrau bringt neuen Glanz in die Provinz-Hauptstadt.

Der Musik-Adel: Klaus Meine, der Sänger der Scorpions, zählt nicht nur zu den „Frogs“ (Freunden von Gerhard Schröder), die danach Wulff übernahm. Mit seiner Band startete er von Hannover aus eine Weltkarriere. Lena Meyer-Landrut (21) holte 2010 den Eurovisions Grand Prix nach Hannover.

Der Sport-Adel: Bei den „Roten“ in Hannover treffen sich alle: CDU, SPD, FDP und natürlich auch Maschmeyer & Co. Trainer Mirko Slomka machte Hannover 96 zur Überraschungs-Elf in der Bundesliga. Hauptsponsor ist der Reisekonzern TUI, der in Hannover seine Heimat hat. Im kleinen, überschaubaren Niedersachsen trifft man sich halt zwangsläufig an allen Ecken.

Der echte Adel: Prinz Ernst August von Hannover, der Pinkel und Prügelprinz mit seiner Noch-Frau Caroline von Monaco, hat mit seinen Ausfällen die biedere Stadt berühmt gemacht. Er pinkelte  dort bei der Expo an den türkischen Pavillon.  Sein Adelshaus ist das älteste in Europa - und war der  Nabel der Welt. Sechs britische Könige kamen aus dem Haus Hannover. Die britische Nationalhymne begann in ihrer Ur-Fassung: „Heil Dir Hannover, heil!“ Der Sitz des britischen Premiers, Downing Street 10, war einst Dienstsitz des Gesandten des Hauses Hannover.  Im 12. Jahrhundert gehörten Ernst Augusts Vorfahre, Heinrich, der Löwe, auch noch Sachsen – und sogar Bayern.

 

0 Kommentare