Waffen Deutsche Polizeikugeln töteten 2010 acht Menschen

Polizisten in Deutschland haben im vergangenen Jahr mit Schüssen aus ihren Dienstwaffen 8 Menschen getötet und 23 verletzt. 

 

Stuttgart - Das geht aus einer Statistik der Innenministerkonferenz hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Insgesamt schossen die Beamten in 37 Fällen gezielt auf jemanden - nicht immer trafen die Kugeln. Außerdem feuerten sie 59 Mal Warnschüsse ab.

Rein rechnerisch haben damit die Polizisten hierzulande 2010 jeden zehnten Tag gezielt auf einen Menschen geschossen. Im langjährigen Vergleich ist das eher wenig - denn im Schnitt der Statistiken seit 1998, die der dpa ebenfalls vorliegen, gab es fast jede Woche einen Fall gezielter Polizeischüsse. Die 37 Ernstfälle aus dem vergangenen Jahr gehören zu den niedrigsten Zahlen seit 13 Jahren.

Nur 2009 und 2006 gab es weniger gezielte Schüsse - nämlich in 33 beziehungsweise 27 Fällen. In den Jahren 2005 und 2008 kam es wie im vergangenen Jahr 37 Mal zum Ernstfall. Auch die 59 Warnschüsse sind fast ein neuer Niedrigrekord: Nur 2009 (51) und 2006 (57) gab es weniger.

Wie in den Vorjahren auch, war vor allem Notwehr der Grund für die Schüsse auf Menschen. 26 von den 37 Fällen werden so erklärt. Auf das Konto der Notwehr gehen auch sieben der acht Todesfälle. In drei Fällen feuerten Beamte, um ein schweres Verbrechen zu verhindern. Achtmal schossen sie gezielt, um die Flucht von Verdächtigen zu vereiteln. Dabei gab es auch einen Toten.

Wo es 2010 zu den einzelnen Fällen kam, steht in der Statistik nicht. Tote gab es etwa in Baden-Württemberg und Bayern: In Karlsruhe starb im Dezember ein 40 Jahre alter Bankräuber auf der Flucht bei einer Schießerei. Ebenfalls im Dezember erschoss ein Polizist in München eine 49-Jährige, die ihn mit einem Messer bedroht hatte.

Zwischen 1998 und 2010 haben Polizeikugeln 95 Menschen getötet. Umstrittene Fälle wie etwa der Tod des vermutlich psychisch kranken Regensburger Studenten Tennessee Eisenberg sorgten dabei für große Aufmerksamkeit. Polizisten hatten 2009 insgesamt 16-mal auf den 24 Jahre alten Musikstudenten geschossen und zwölfmal getroffen.

Seltener im Fokus der Öffentlichkeit stehen die Folgen für die Beamten. Der Polizist Oliver Tschirner hat 2009 in einer Masterarbeit an der Hochschule der Deutschen Polizei in Münster Polizisten befragt, die im Dienst einen Menschen getötet haben.

Eines seiner Ergebnisse: Viele Polizisten sind nach einer solchen Tat ein Leben lang traumatisiert. Nur ein Drittel kehre bald in den Dienst zurück. Beim zweiten Drittel gelten die Folgen als langwierig, oft müssen die Kollegen in den Innendienst wechseln. Das letzte Drittel leide fortwährend an den Folgen und sei auf lange Sicht therapiebedürftig.

 

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