Wärmewende für Energiewende München setzt auf Öko-Wärme aus Geothermie

Ökostrom aus Münchens Norden: Das Windkraftwerk in Fröttmaning Foto: SWM

Bis 2025 wollen die SWM so viel Ökostrom in eigenen Anlagen erzeugen, wie ganz München braucht. Aber die SWM setzen bei der Energiewende nicht nur auf die regenerative Stromerzeugung.

 

München - Entscheidend für ihr Gelingen ist eine Wende auf dem Wärmemarkt, der in Deutschland knapp 60 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs ausmacht. Privathaushalte verwenden sogar rund 90 Prozent der eingesetzten Energie für Heizung und Warmwasserbereitung.

Die Landeshauptstadt München hat die Wärmewende eingeleitet: Ihre Vorboten sind in München derzeit nicht zu übersehen: Durch viele Viertel schlängeln sich orange Kabel am Straßenrand, futuristische weiße Trucks ziehen langsam durch die Straßen und setzen ihre Rüttelplatten auf. Beides gehört zur Seismik-Messkampagne, mit der die SWM den Münchner Untergrund erforschen. Ziel ist es, weitere Standorte für Geothermieanlagen zu finden. Denn unter München liegt ein natürlicher Schatz: ein gewaltiges Heißwasservorkommen, das sich ideal zur Wärmeversorgung nutzen lässt. Die SWM wollen es Stück für Stück erschließen und die Energie daraus in die Fernwärmenetze einspeisen. Ihr Ziel: München soll bis 2040 die erste deutsche Großstadt werden, in der Fernwärme zu 100 Prozent aus regenerativen Energien gewonnen wird. Hierbei kommt der Geothermie die Schlüsselrolle zu.

SWM Vorreiter bei der Tiefengeothermie

Die SWM sind eines der führenden deutschen Unternehmen für Fernwärme und Tiefengeothermie, sie verfügen über jahrelange Erfahrung. Ihre erste Geothermie-Anlage ging 2004 in Riem in Betrieb – bis heute ein vielbesichtigtes Vorbildprojekt, das die Messestadt und die Messe in Riem mit Wärme versorgt. In Sauerlach sind die SWM 2013 aufgrund der geologischen Situation noch einen Schritt weiter gegangen: Aufgrund der deutlich höheren Temperatur des Thermalwassers ist es möglich, neben Wärme auch Strom zu erzeugen. Das geothermische Heizkraftwerk Sauerlach gewinnt so Strom für 16.000 Haushalte und stellt gleichzeitig Wärme für die Bürgerinnen und Bürger Sauerlachs bereit.

Geothermie Freiham: Kurzpumpversuche erfolgreich

In Freiham errichten die SWM derzeit ihre dritte Geothermieanlage. Die Bohrungen haben sie vor kurzen – erfolgreich und schneller als geplant – abgeschlossen. Die durchgeführten Kurzpumpversuche haben die Erwartungen an Ergiebigkeit und Temperatur des Thermalwassers übertroffen. Schon im Herbst 2016 soll die Anlage Öko-Wärme ins SWM Fernwärmenetz einspeisen. Die Planungen für die nächste Geothermieanlage der SWM laufen bereits. Sie soll in der Schäftlarnstraße beim Heizkraftwerk Süd entstehen. Bohrbeginn ist für Anfang 2018 geplant, Inbetriebnahme zur Heizperiode 2019/20. Bis 2025 wollen die SWM insgesamt fünf Geothermieanlagen in München bauen.

KWK notwendige Brückentechnologie

Heute gewinnen die SWM die Fernwärme noch vorwiegend im umweltschonenden Kraft-Wärme-Kopplungs-Prozess (KWK) in den Heizkraftwerken Nord und Süd. KWK ist, neben den erneuerbaren Energien, der umweltverträglichste technische Prozess der Energieerzeugung: In den hochmodernen Anlagen der SWM wird die bei der Stromerzeugung anfallende Abwärme nicht wie bei herkömmlichen Kraftwerken ungenutzt in die Atmosphäre abgegeben, sondern in das Fernwärmenetz eingespeist. Mit der Nutzung dieser Abwärme als Fernwärme stehen dem Münchner Wärmemarkt jährlich rund vier Milliarden Kilowattstunden umweltschonend erzeugte Heizenergie zur Verfügung. Die schon sehr gute Klima- und Ressourcenbilanz der Fernwärme in München wird sich durch die Einbindung erneuerbarer Energien, wie der Geothermie, noch einmal erheblich verbessern.

Langfristig werden die fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Wärme ganz abgelöst werden. Die Wärmewende kann aus technischen und wirtschaftlichen Gründen jedoch nur schrittweise umgesetzt werden. Auf absehbare Zeit benötigen auch die SWM noch ihre konventionellen Anlagen wie etwa die Heizkraftwerke Süd und Nord, um die Versorgung Münchens weiterhin sicherstellen zu können. Dr. Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM Geschäftsführung: „Die Wärmewende muss ökologisch und ökonomisch gestaltet werden. Wir in München haben hervorragende Voraussetzungen für die Nutzung der Tiefengeothermie. Sie bildet die Basis für unsere Wärmewende. Damit werden wir die fossile Fernwärmeerzeugung schrittweise ablösen.

Es braucht allerdings auch klare Impulse und verlässliche Rahmenbedingungen seitens der Bundespolitik. Dafür setzen wir uns in Berlin besonders ein.“

Seismik-Messung – so funktioniert’s

Mit der Vibro-Seismik wird der Untergrund ähnlich wie mit einem Echolot untersucht. Dazu erzeugen spezielle Vibro-Fahrzeuge Schwingungen. Diese werden an Schichtgrenzen im Untergrund reflektiert und über Geophone an der Erdoberfläche aufgezeichnet. Die Geophone sind über Kabel mit einem Messwagen verbunden, wo die Daten gespeichert werden. Die Fahrzeuge bewegen sich langsam als Kolonne durch die Stadt. Alle 50 Meter halten sie an, setzen ihre Schwingungsplatten auf die Straße und vibrieren dreimal für rund 12 Sekunden. Der Konvoi zieht im normalen Messbetrieb wie eine kleine Wanderbaustelle in wenigen Minuten vorbei. In München laufen die Messungen noch bis voraussichtlich Ende März. Den genauen Streckenverlauf veröffentlichen die SWM tagesaktuell auf www.swm.de/seismik.

So funktioniert die Geothermie

Eine Geothermieanlage nutzt die Energie aus der Tiefe über zwei Bohrungen in einem geschlossenen Kreislauf. Über die Förderbohrung wird das heiße Tiefenwasser an die Oberfläche befördert. Dort gibt es seine Wärmeenergie in einem Wärmetauscher an das Fernwärmewasser ab. Das abgekühlte und ansonsten nicht veränderte Thermalwasser wird in der Injektionsbohrung wieder in die tiefen Schichten zurückgeführt – der Kreislauf ist geschlossen. Dem Untergrund wird also kein Wasser entnommen, nur die Wärme des Thermalwassers wird genutzt.