Wacker Burghausen Bommer rausgebrüllt

Der scheidende Coach der Burghauser kritisiert die Bosse – jetzt tritt der Präsident zurück.

 

Burghausen - Nach handgestoppten 58 Minuten und 43 Sekunden hatte Rudi Bommer genug. Er stand wortlos auf und verließ den Pressekonferenz-Raum der Wacker-Arena. Zuvor hatte sich der Noch-Trainer, der erst am Freitag seinen kurzfristigen Wechsel nach Cottbus ausgehandelt und bekannt gegeben hatte, ein Wortgefecht mit Burghausens Vize-Präsident Klaus Schultheiss geliefert. Als vor allem Schultheiss immer lauter wurde, verließ Bommer den Raum und Wacker.

Und so ist die Ära Bommer bei Wacker Burghausen mit einem großen Knall zu Ende gegangen.

Auslöser der Schreiattacke war ein Interview Bommers mit der Online-Ausgabe des „Altöttinger Wochenblatt”. Darin hatte der frühere Löwen-Coach die Klubbosse attackiert. Er könne kein Konzept erkennen, hatte Bommer gesagt. „Der Vorstand ist sehr schwierig. Nach drei Spielen hieß bei dem ein oder anderen Neuzugang schon, dass er ein Fehleinkauf sei. Diese Spieler sind heute Leistungsträger”, so Bommer. Dem Geschäftsführer Florian Hahn hatte der bei den Fans äußerst beliebte Bommer zudem vorgeworfen, er sei für den Trainerstab nie zu sprechen gewesen. Kontakte habe es nur in schriftlicher Form per Brief oder E-Mail gegeben.

Hahn hatte diesen Vorwurf am Samstag prompt zurückgewiesen. Wegen Bommers Anschuldigungen soll er zudem anonyme Drohungen bekommen haben.

Die Partie am Samstag gegen Jena geriet jedenfalls zur Feierstunde für Bommer. Wacker gewann 4:2, nach jedem Tor rannten die Spieler kollektiv zu ihrem Noch-Coach und klatschten ihn ab, die Fans feierten ihn zudem mit Sprechchören. Zum Eklat und zur Schreiattacke kam es erst, als Bommer bei der Pressekonferenz auf Nachfrage seine im Interview geäußerten Anschuldigungen wiederholte.

Dass Bommer nun, anders als ursprünglich ausgemacht, bei der Partie am kommenden Samstag in Oberhausen noch auf der Bank sitzen wird, scheint unmöglich. Gestern jedenfalls hat sich Bommer in Dresden bereits das Spiel seiner neuen Mannschaft angeschaut haben. Bommers Nachfolger bei Wacker soll sein bisheriger Co-Trainer, der frühere bulgarische Nationalspieler Georgi Donkow, werden.

Bis sich die Lage in Burghausen aber wieder beruhigt, könnte noch ein wenig dauern. Wacker-Präsident Hans Steindl jedenfalls, gleichzeitig Bürgermeister Burghausens, trat am Samstag kurz vor Bommers Flucht als Wacker-Präsident zurück. Als Reaktion auf die Bommer-Posse solle dies aber nicht verstanden werden, beteuerte er. Vielmehr habe er sich dies schon vor zwei Wochen überlegt. Kommissarischer Nachfolger wird nun im bisherigen Vize Schultheiss jener Mann, der Bommer aus Burghausen weggeschrien hat.

 

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