"Vorschlag kommt uns unseriös vor" CSU-Idee für "Express-Tunnel": Streit um Giesinger Röhre

1.300 Meter lang soll die Express-Röhre werden, sie beginnt am Osram-Gelände und fädelt dann direkt in den McGraw-Graben ein. Wer auf den Mittleren Ring im Osten will, müsste dann über die Stadelheimer (statt Chiemgaustraße) fahren. Foto: imago, AZ-Montage

Die Christsozialen setzen sich für eine Tunnelanlage von Untergiesing bis in den McGraw-Graben ein. Stadträte und Verwaltung sind allerdings wenig begeistert von der Doppelstock-Röhre.

München - Ein ablehnender Koalitionspartner, eine ablehnende Opposition, eine abwartende Stadtverwaltung: Die CSU wird noch viel Überzeugungsarbeit brauchen, um ihre neue Idee für einen Giesinger Tunnel durchzusetzen.

Wie berichtet, hatte der örtliche CSU-Landtagsabgeordnete Andreas Lorenz einen "Express-Tunnel Giesing" vorgeschlagen. Nach seinen Vorstellungen könnte der Tunnel 1.300 Meter lang von Untergiesing ab Höhe des ehemaligen Osram-Geländes direkt bis in den bestehenden McGraw-Graben führen - ohne Zu- oder Abfahrten. "Damit umgehen wir das riesengroße Problem, wie an der Kreuzung Chiemgaustraße in den Tunnel eingefädelt werden könnte", sagte Lorenz. Der 14 Meter hohe Dopppelstock-Tunnel soll nicht mehr als 230 Millionen Euro kosten.

Mancher Beobachter hält diese Schätzung allerdings für arg optimistisch. "Man kann davon ausgehen, dass das am Ende deutlich mehr kosten würde", sagte der Grünen-Verkehrsexperte Herbert Danner am Freitag der AZ.

"Für die Anwohner wird so nichts gewonnen"

Danner sagte, die Grünen seien von dem Vorschlag "überrascht" worden. Man werde sich zu gegebener Zeit konkret damit beschäftigen. Am Ende der Beschäftigung dürfte allerdings eine klare Ablehnung stehen. Denn die Grünen sind strikt gegen neue Autotunnel, wie Danner auch am Freitag betonte. "Wir stehen dem eigentlich immer kritisch gegenüber", sagte er. Die Grünen fordern eine Umverteilung - weg von Maßnahmen für den Autoverkehr, hin zu Investitionen etwa in den Radverkehr.

Viel relevanter als die Meinung der Rathaus-Grünen ist für die CSU, ob der Koalitionspartner mitspielt. Und da sieht es nicht gut aus. "Der Vorschlag kommt uns sehr unseriös vor", sagte SPD-Fraktionssprecher Christian Pfaffinger am Freitag auf AZ-Anfrage. "Für die Anwohner wird so nichts gewonnen. Weil es keine Ausfahrt gibt, würde die Hälfte des Verkehrs weiter oberirdisch laufen."

Verkehr in Giesing über verlängerten Candidtunnel

Aus der Stadtverwaltung hieß es vorsichtig, die vorgestellten Variante müsse nun erstmal "unter Einbindung der fachlich betroffenen Referate näher geprüft werden". Das Planungsreferat verwies aber auch darauf, dass der Stadtrat eine Entscheidung gefällt hat, wie er den Verkehr in Giesing lenken will: mit einer Verlängerung des Candidtunnels.

Diese Variante aber hat der Stadtrat nicht nur beschlossen - sondern auch hinten angestellt. Zunächst soll der Tunnel an der Landshuter Allee gebaut werden. Jetzt bringt die Stadtrats-CSU den neuen Vorschlag offiziell ins Rathaus ein. Die Giesinger Tunnel-Debatte ist also noch lange nicht vorbei. Sie beginnt gerade wieder von vorne.

 

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