Vor Schalke gegen Bayern Olaf Thon im AZ-Interview: "Vidal war ein Spitzenkauf"

Im AZ-Interview spricht Olaf Thon über Arturo Vidal und Leroy Sané. Foto: az, dpa

Im AZ-Interview spricht Olaf Thon über das Duell seiner Ex-Klubs Schalke und Bayern, das Halbfinale gegen Atlético Madrid und einen möglichen Wechsel von Toptalent Sané nach München.

 

München - Der 49-Jährige spielte für Schalke 04 und den FC Bayern und wurde 1990 Weltmeister. Für Sport1 arbeitet Thon mittlerweile als Experte.

AZ: Herr Thon, Schalke hat seit 2009 nicht mehr beim FC Bayern gewonnen. Wie stehen die Chancen diesmal im Duell Ihrer Ex-Klubs, nach dem schweren Champions-League-Spiel der Bayern bei Benfica?

OLAF THON: Ich hoffe, dass Bayern mit den Gedanken woanders ist, kann es mir aber nicht vorstellen. So viel Kraft hat das Spiel gegen Benfica nicht gekostet, im Gegenteil: Das gibt Kraft für die anstehenden Aufgaben. Der FC Bayern will so schnell wie möglich Deutscher Meister sein. Ich glaube, Schalke hat nicht die Chance zu gewinnen. Ein 1:1 wäre mein Wunschergebnis.

Wer kann die Bayern aktuell denn überhaupt schlagen?

Man muss selber einen sehr guten Tag erwischen und die Bayern einen mittelmäßigen, dann ist es möglich. Mainz 05 hat es ja gezeigt (beim 2:1-Sieg in München, Anm. d. Red.). Aber auch in Lissabon hat man gesehen, dass sie ein frühes Gegentor nicht aus dem Tritt bringt. Da haben sie das Spiel noch rumgerissen.

Bei Schalke ist Trainer André Breitenreiter in die Kritik geraten. Glauben Sie, dass man an ihm festhält, selbst dann, wenn er den Europacup verpassen sollte?

Der Tabellensiebte der Bundesliga kommt ja wahrscheinlich in den Genuss, in der Europa League zu spielen, weil wohl Bayern oder Dortmund als Champions-League-Teilnehmer den Pokal gewinnen. Und Schalke wird mindestens Siebter. Man kann sogar noch Dritter werden, weil die anderen Mannschaften ja auch schwächeln. Breitenreiter hat also mindestens Zeit bis zum Ende der Saison. Es hilft natürlich immer, wenn man seine Ziele erreicht. Im Pokal ist das nicht gelungen, deshalb wäre eine Champions-League-Qualifikation ein gutes Bewerbungsschreiben für den neuen Manager Christian Heidel.

Champions League ist auch die passende Bühne für Schalkes Juwel Leroy Sané. Glauben Sie, dass er Thema beim FC Bayern wird?

Aktuell wäre das für mich überraschend. Man hat bei Lukas Podolski oder Mario Götze gesehen, wie schwer es ist, als junger Spieler bei Bayern zu funktionieren. Ein weiteres Jahr Schalke würde ihm guttun, ein Wechsel zu Bayern kommt für ihn zu früh. Ich hoffe, dass er seinen Vertrag bis 2019 erfüllt, weiß aber auch, dass es viele Angebote für ihn gibt. Er macht eben den Unterschied aus, er hat diese Schnelligkeit, die nur ganz wenige Fußballer haben, den Instinkt für die Situation. Es wäre schade, wenn so ein Juwel Schalke verlässt.

Zurück zu den Bayern: Gelingt in diesem Jahr der große Triumph in der Champions League?

Wenn ich alle Mannschaften vergleiche, Real Madrid, Paris, das ausgeschieden ist, genauso Barcelona, dann Manchester City oder Atlético, die noch dabei sind: Für mich gibt es nur einen Sieger in der Champions League, und das ist der FC Bayern. Guardiola hat den besten Kader und sein Team spielt den besten Fußball. Diese Mannschaft hat das Zeug, alle drei Titel zu holen.

Welchen Anteil am Bayern-Erfolg hat Arturo Vidal?

Er hat in der Rückrunde gezeigt, was er kann. Vidal geht aus dem Mittelfeld in die Tiefe und erzielt wichtige Tore. Der Treffer in Lissabon zeigt seine ganze Qualität: Ich war selbst beidfüßig und weiß, wie schwer dieser Ball zu nehmen war. Außerdem hat Vidal seinen Übereifer in den Griff bekommen. Das war ein Spitzeneinkauf des FC Bayern. Man hat es geschafft, Bastian Schweinsteiger zu ersetzen. Auch bei Douglas Costa oder Kingsley Coman lag man richtig, sie sind die Nachfolger von Franck Ribéry und Arjen Robben.

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Im Halbfinale geht es nun gegen Atlético Madrid.

Das ist eine Maurertruppe, die aber durchaus Qualität hat. Atletico spielt ähnlich wie Chelsea 2012.

 

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