Vor Kitzbühel-Abfahrt Felix, der Malade: "Dummer Zeitpunkt, um krank zu werden"

Mythos Kitz: Bereits zum 76. Mal ist der Ort Gastgeber für die besten Skirennfahrer der Welt. Die legendäre Streif ist 3312 Meter lang und bis zu 85 Prozent steil. Felix Neureuther vor der Abfahrt: "Ein dummer Zeitpunkt, um krank zu werden." Foto: Andreas Tischler/ho/Minkott/Augenklick

Diesmal ist es ausnahmsweise nicht das Kreuz: Neureuther hat Grippe – ausgerechnet vor dem Slalom am berüchtigten Ganslernhang in Kitzbühel. "Ein dummer Zeitpunkt, um krank zu werden."

 

Kirchberg - Kühl ist es im Nebenraum des "Activ Sunny Hotels Sonne" nun wirklich nicht, im Gegenteil. Trotzdem zieht Felix Neureuther den Reißverschluss seiner Skijacke nochmal ganz nach oben, fast bis zur Wollmütze. Deutschlands bester Skifahrer ist krank. Die Augen sind glasig, die Stimme nasal, der ganze Kerl sieht wirklich nicht fit aus. Und das ausgerechnet jetzt, so kurz vor dem Rennen, das für ihn ein sehr spezielles ist: der Slalom am berüchtigten Ganslern-Hang.

Papa Christian feierte hier 1979 seinen letzten Weltcup-Triumph, der Filius gewann an gleicher Stelle sein erstes Weltcuprennen überhaupt. Sechs Jahre ist das her, und so richtig gesund war Felix Neureuther seitdem eher selten. Zur aktuellen Malaise, ausnahmsweise mal eine schnöde Erkältung, sagt er: "Ein dummer Zeitpunkt, um krank zu werden." Denn: Mit Kitzbühel am Sonntag (10.30/13.30 Uhr), Schladming am Dienstag und Garmisch am kommenden Sonntag stehen drei Rennen innerhalb von sieben Tagen auf dem Programm der Techniker.

"Hab' zwei Tage lang das Bett gehütet"

Neben den Rückenschmerzen, die den Garmischer ja schon seit Jahren begleiten, nun also eine Grippe. "Ich konnte mich gar nicht vorbereiten, hab’ zwei Tage lang das Bett gehütet", sagte Neureuther, der seinen Humor dennoch nicht verloren hat: "Ich glaube, dass der Fahrtwind beim Langlauf zu stark war." In einem seiner beliebten Facebook-Videos hatte er gepostet: "Ich bin bereit für die Streif!" – um dann auf Langlaufskiern im Schneckentempo durchs Bild zu schleichen. "Da hab’ ich mich noch wohl gefühlt", witzelte der kranke Crack.

Die Saison 2015/16 ist eine ohne Medaillen: keine WM, keine Olympischen Spiele – und für Neureuther eine, in der er sich neu erfindet. Durch die Beschwerden an der Lendenwirbelsäule konnte er auch vor diesem Winter nur sehr geringe Umfänge trainieren, muss von Tag zu Tag schauen, was ihm sein marodes Kreuz erlaubt – und an gar nicht so wenigen Tagen ist das: überhaupt nichts. Im Gegensatz zu früheren Jahren will er ohne Spritzen auskommen. "Ich mache in diesem Jahr meine Erfahrungen mit anderen Trainingsreizen, probiere Dinge aus – mit Blick auf die kommenden Winter." Will sagen: auf Olympia 2018. "Bis dahin versuche ich meinen Körper zu stabilisieren. Ich glaube, dass ich noch viel aus ihm rausholen kann."

Kristoffersen: "Hexen tut er auch nicht"

Zum Material-Testen bleibt wenig Zeit. Und dann ist da noch die Konkurrenz. Vor allem der junge Norweger Henrik Kristoffersen (21) habe "einen sehr großen Schritt nach vorne gemacht. Wir sind da ein bisschen stehen geblieben", meint Neureuther. Angesichts der minimalen Vorbereitung ist der Garmischer aber zufrieden: "Ich bin im Riesenslalom und Slalom Dritter in der Wertung – für meine Vorgeschichte ist das echt okay." Ein Weltcupsieg freilich sprang in dieser Saison noch nicht raus, aber immerhin je ein Stockerlplatz im Slalom und Riesenslalom.

Aber natürlich wurmt es ihn, dass er nicht fit genug ist, um Marcel Hirscher und Kristoffersen konstant zu attackieren. Gerade diesen jungen Norweger: "Der fährt mit einer unheimlich hohen Intensität, holt aus jedem Schwung das Maximale raus, und das mit dem ganzen Körper. Der verwaltet nicht, sondern fährt extrem aktiv Ski. Das macht er derzeit besser als jeder andere. Egal ob es steil, flach, eisig oder weich ist: Der ist überall schnell."

Aber dann blitzt wieder der Kämpfer Neureuther durch: "Hexen tut er auch nicht", sagt er über Kristoffersen, "der kocht auch nur mit Wasser."

 

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