Vor Gericht Stalking: Frau durchlebt sieben Jahre die Hölle

Ein Stalker verfolgte sein Opfer sieben Jahre lang. Foto: dpa

Ein Stalker verfolgt sein Opfer sieben Jahre lang. Erst als der 33-Jährige die junge Studentin vor der Haustür überfällt, ist Schluss mit dem Psychoterror: Jetzt muss er in den Knast.

 

München - Für Christine K. (Name geändert) muss das Urteil wie eine Befreiung gewirkt haben. Ihr Peiniger Thorsten B. (33) wird auf absehbare Zeit nicht mehr frei kommen. Sieben Jahre hatte er die junge Frau verfolgt. Damit ist jetzt Schluss.

Die attraktive Studentin wirkt ruhig und gefasst im Zeugenstand. Mit fester Stimme erzählt sie von „sieben Jahren Psycho-Terror”. Alles hatte im Jahre 2005 angefangen. Thorsten B. hatte die damals 16-Jährige ein paar Mal in der U-Bahn gesehen und in der Nähe ihrer elterlichen Wohnung im Olympiadorf angesprochen.

„Ich habe ihm gesagt, dass ich kein Interesse habe”, berichtet die 23-Jährige. Genutzt hat es nichts. „Er stand hunderte Male vor meiner Tür.” Mehrmals versucht Christine K. den zehn Jahre älteren Mann zu überzeugen, dass er sie endlich in Ruhe lässt. In Begleitung einer älteren Freundin verabredet sie sich sogar mit ihrem Stalker in einem Café. „Ich log und sagte, dass ich keine Angst vor ihm habe.”

Die junge Frau traut sich nur noch in Begleitung raus. Vater und Mutter fahren sie abwechselnd zur Arbeit oder holen sie von der U-Bahn ab. Ein Leben im Ausnahmezustand. Schließlich zeigt die Familie den hartnäckigen Stalker an. Das Amtsgericht verurteilt ihn im Januar 2010 wegen Nachstellung zu einem Jahr und drei Monaten Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Thorsten B. leidet unter einer Persönlichkeitsstörung, einer atypischen Form der Asperger-Störung. Ihm wird zur Auflage gemacht, eine Therapie zu beginnen.

Doch als er den geplanten Therapie-Platz nicht bekommt, erlässt ihm das Gericht die Therapie-Auflage. „Ein falsches Signal”, kritisiert Anwalt Nicolas Frühsorger.

Thorsten B. scheint nach dem Amtsgericht-Urteil zunächst Ruhe zu geben. Doch am 29. Oktober 2011 erreicht das Drama seinen Höhepunkt. Um ein Uhr nachts lauert der Stalker seinem Opfer auf. Er packt sie im Hauseingang, drückt ihr etwas auf den Mund und bedroht sie: „Kein Wort, ich habe ein Messer.” Doch Christine K. wehrt sich, nutzt ihre Kampfsport-Kenntnisse, um sich loszureißen: „Ich will nicht daran denken, was passiert wäre, wenn ich das nicht geschafft hätte.”

Thorsten B. kommt in U-Haft, wird von Henning Saß untersucht. Der Psychiater bescheinigt, dass der Mann gefährlich ist. Die Landgerichts-Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Anton Winkler verurteilt den 33-Jährigen zu einem Jahr und vier Monaten Haft. Thorsten B. soll in Haar untergebracht werden. Ihm droht zudem der Widerruf der Bewährung des Amtsgerichtsurteils.

Christine K. nimmt noch am Tag des Landgerichts-Urteils den Flieger nach Afrika. So weit weg von Thorsten B. wie es nur geht. München und Deutschland will sie nach Abschluss des Studiums endgültig verlassen.

 

2 Kommentare